Serienstart: Praktikum im Ausland | 13. April 2017, 15:32 Uhr Grubbern in der Steppe

Der 24-jährige Roland Günther studiert Agrarwissenschaften in Halle. Für einen Auslandsaufenthalt zog es ihn ins ferne Russland auf einen Ackerbaubetrieb. Er wollte sich ein eigenes Bild der Verhältnisse vor Ort machen.


Im südlichen Russland an der Grenze zu Kasachstan grubbern und eggen Landwirte auf trockenem Steppenboden. Dorthin zog es den 24-jährigen Agrarstudenten Roland Günther nach Abschluss seiner Bachelorarbeit an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg für ein 9-wöchiges Praktikum auf einen Ackerbaubetrieb. „Ich wollte ins Ungewisse. Wäre ich in die USA oder nach Kanada gegangen, hätte ich gewusst, was mich erwartet. So konnte ich etwas komplett anderes erleben.“ Im vergangenen Juni flog er mit Unterstützung der Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes ins Oblast Wolgograd. Im Dorf, an das der Betrieb anschließt, leben rund 500 Seelen. Dort fahren zwei Buslinien und es gibt einen Gasanschluss. Das sei nicht selbstverständlich, sagt Günther. In alten Stallanlagen lebten vor dem Zerfall der Sowjetunion noch 7000 Milchkühe. Heute steht alles leer. „Die Einwohner halten sich höchstens ein bis zwei Kühe für den Eigenbedarf.“ Tagsüber werden diese von einem Schäfer in der Steppe gehütet. „Obwohl der Standort für die Haltung nicht sonderlich geeignet ist.“

Gut organisiert

Da es in Russland kein Work & Travel-Visum gibt, lohnt es sich, mithilfe der Schorlemer Stiftung des DBV zu planen. Diese erhält von ihren Stipendiaten eine Pauschale von 500 €, um Visum, Flüge und Unterkunft zu organisieren. Die Stiftung hat gute Kontakte zur Universität in Wolgograd. Landwirtschaftliche Betriebe entlohnen die Arbeit der Praktikanten ebenfalls.

Als ausgebildeter Landwirt und Sohn von Tierhaltern wird für den Agrarstudenten schnell gewiss, was er bereits vermutete: „Auf dem Acker wird gewirtschaftet wie vor 100 Jahren.“ Der Pflug herrscht vor. „Für mein Empfinden wird der Boden zu stark bearbeitet. Die Technik für moderne Strip-Till-Verfahren zur Streifenlockerung ist zu teuer und daher gar nicht im Repertoire der Landwirte.“ Obwohl die russische Regierung den Kauf im Inland hergestellter Maschinen sogar subventioniert. Auch die Kaufpreise für Ackerland unterstützt dieser mit 20 bis 30 €/ha. Sie liegen bei 100 €/ha.

Die Serie „Praktikum im Ausland“ startet. Die Reportagen erscheinen in loser Folge. Die Redaktion freut sich über neue Praktikanten, die uns berichten wollen.

Um sich für den Aufenthalt im Unbekannten zu wappnen, hat Günther noch in Deutschland einen Sprachkurs besucht. „Vor Ort habe ich dann jeden Abend Vokabeln gepaukt, damit ich mich in Gespräche einbringen konnte.“ Schließlich seien die russischen Kollegen sehr neugierig gewesen auf deutsche Technik. Ständig hieß es: „Wie macht ihr das in Deutschland?“ Für Günther war es hingegen interessant, russische Feldtage zu erleben. „Wir sind dorthin extra 200 Kilometer gefahren. Mit der Agritechnica kann so etwas allerdings nicht mithalten. Das Gelände ist in zwei bis drei Stunden abgelaufen. Die Technik beeindruckt nicht.“ Trotzdem kommen die Landwirte von weit- her, um sich auszutauschen. Günther ist überall eine Attraktion. „Alle wollen wissen, wie wir in Deutschland arbeiten.“ Obwohl er aus landwirtschaftlicher Sicht kaum Erkenntnisse hinzugewonnen hat, rät er anderen den Schritt zu wagen. Denn er habe gesehen, wie viel dort improvisiert und mit weniger Mitteln trotzdem produziert wird. (has)
 

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