Serie: Praktikum im Ausland | 4. August 2017, 13:36 Uhr Herzstück ist die Weide

Langes Schlafen gehört nicht zum Arbeitsalltag einer Praktikantin im Milchviehbetrieb. Doch Lena Dangers hatte viel Spaß dabei, die Herde zu treiben.


Im September 2014 flog die damals 22-jährige Lena Dangers nach Neuseeland. Sechs Monate verbrachte sie in der Milchviehregion Canterbury auf der Südinsel, um im Milchviehbetrieb „Hollands Farm“ mit 1500 Milchkühen und knapp 420 ha Grünland als Praktikantin mitzuhelfen. Dort lernte sie das „low-cost-system“ der neuseeländischen Milchproduktion kennen. Die Kühe fressen fast nur Gras. Dementsprechend sind die Futterkosten gering, und selbst bei niedrigen Milchpreisen lässt sich ein passables Ergebnis erwirtschaften.

Die Serie „Praktikum im Ausland“ ist in der Ausgabe 15 gestartet. Alle Reportagen finden Sie unter Karriere-News im Onlineportal.



Definitiv ist die Arbeit auf einem Betrieb nichts für Langschläfer: Ihre erste Schicht begann Lena Dangers um vier Uhr morgens. Dann trieb sie mit einem Quad rund 500 Kühe zusammen, um diese zu melken. „Auf der Weide mit dem Quad zu pesen hat riesigen Spaß gemacht“, schwärmt die sowohl an der Justus-Liebig-Universität Gießen als auch an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ausgebildete Agrarwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Pflanzenproduktion noch heute. Die Melkarbeit einer Herdeneinheit übernahm Lena Dangers ganz allein. Ein Melkdurchgang beträgt ungefähr eine Stunde. Anschließend säuberte sie Melkkarussell und Melkhaus. „Das Melkhaus ist eine Art Leichtbauhütte, das eigentliche Herzstück der neuseeländischen Milchviehwirtschaft ist allerdings die Weidefläche.“ Weil dort das Grünland die Basis für eine erfolgreiche Milcherzeugung ist, gehört eine gute Bewässerungsanlage zu vielen Betrieben, erklärt Lena Dangers. Da Landwirte ihre Flächen in Regionen, in denen es nicht genug regnet, bewässern müssen, um Grasaufwuchs zur Futterbereitstellung zu gewährleisten, schwappt auch eine „grüne Welle“ durch das Land. Durch die intensive Bewässerung sinkt der Grundwasserkörper, dementsprechend wird der Schutz von Trinkwasser zum Thema. Grundsätzlich genießen Nutztierhalter in Neuseeland allerdings ein hohes Ansehen.

Gut organisiert

Den Praktikumsaufenthalt in Neuseeland, inklusive Visum, organisiert die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbands gemeinsam mit der Partnerorganisation Rural Exchange New Zealand (Renz). Da viele Farmen an die Organisation Renz angeschlossen sind, lohnt es sich, Kontakte über den DBV zu knüpfen. Für die Arbeit auf dem Betrieb wurde Lena Dangers mit rund 20 NZ-$/Stunde entlohnt.

Wenn es hin und wieder doch sehr trocken wurde, gab es für die Kühe, die überwiegend der Rasse Kiwi Cross, einer Kreuzung aus Holstein Frisian und Jersey, angehören, Grassilage zum Fressen. „Die Tiere hatten allesamt gesunde Klauen und einen festen Huf“, bemerkt Lena Dangers. Die Weidehaltung scheint sich auszuzahlen. Nichtsdestotrotz sind die Tiere nicht vor Krankheiten gefeit: Typisch sind Weidekrankheiten – wie die durch einen Magnesiummangel gekennzeichnete Weidetetanie oder Darmparasiten. Doch Lena Dangers ist weiterhin überzeugt von der Weidehaltung. Obwohl sie gerade erst ihre Masterarbeit abgeschlossen hat, kennt sie ihren Berufswunsch sehr genau: Sie will im Grassamenbereich für den Futterbau in der Saatgutbranche arbeiten. Neben dem Arbeitsalltag besuchte sie Fachmessen, darunter die „Agriculture-and-Pasture-Show“. Die Show stellt aktuelle Tierzuchtergebnisse und neue Technik vor. „Den Wert einer Fachmesse hat die Show zwar verloren, aber ich bekam Einblick in die Schafproduktion und die Vielfalt der heimischen Rassen.“ (has)
 

Anmelden

Noch nicht registriert?

Sie sind (Probe-)Abonnent haben sich aber noch nicht für 'agrarzeitung | online' freigeschaltet? In diesem Fall registrieren Sie sich bitte neu, damit Sie das volle Aboangebot nutzen können.

Verunreinigte Eier

Fipronil bleibt Politikum

Das Fipronil-Thema erhält in Brüssel größere Aufmerksamkeit. Kurzfristig ist die Tagesordnung für das nächste Agrarministertreffen aktualisiert worden. Außerdem gibt es Gerüchte über einen weiteren verbotenen Stoff.