Tröpfchenbewässerung | 13. Juli 2017, 10:01 Uhr Pflanzenschutz an die Wurzel bringen

Bayer und Netafim aus Israel entwickeln ein neues Verfahren, bei dem Pflanzenschutzmittel über das Bewässerungssystem ausgebracht werden. Die Markteinführung in Mexiko steht bevor.

Bayer und das israelische Unternehmen Netafim wollen die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verbessern und mit einer möglichst effizienten Bewässerung verbinden. Beim neuartigen Ansatz „DripByDrip" werden Wasser und Pflanzenschutzmittel über ein Tröpfchenbewässerungssystem auf dem gesamten Feld verteilt und gelangen so direkt zu den Pflanzenwurzeln. Mithilfe dieses Systems und der Tröpfchenbewässerungstechnologie von Netafim können die Landwirte Pflanzenschutzmittel noch gezielter einsetzen, heißt es in einer Mitteilung der beiden Unternehmen. Das System soll bis Ende 2017 in Mexiko eingeführt werden.

Weniger Wasser und Pflanzenschutzmittel

„Mit dem neuen System benötigen die Landwirte weniger Wasser und Pflanzenschutzmittel, weil die Pflanzen diese direkt über die Wurzeln aufnehmen. Dadurch können sie sich gut entwickeln und sind vor Schädlings- und Pilzbefall geschützt. Landwirte und Verbraucher profitieren durch höhere Erträge und bessere Qualität", sagt Mathias Kremer, Leiter Strategy and Portfolio Management bei der Bayer-Division Crop Science. Der neue Ansatz werde den Landwirten zudem helfen, Pflanzenschutzmittel auf einfache und sichere Weise anzuwenden, den als geschlossenes System trage DripByDrip zur Anwendersicherheit bei. Außerdem sei es weniger arbeitsintensiv für die Landwirte, da es automatisiert werden kann, betont Kremer.

Einsatz von Nährstoffen hat sich bewährt

„Unsere Tröpfchenbewässerung wird seit vielen Jahren eingesetzt, um Wasser und Nährstoffe zum richtigen Zeitpunkt präzise im Wurzelbereich der Pflanzen abzugeben“, ergänzt Ran Maidan, CEO von Netafim. Nun könnten Landwirte auch Pflanzenschutzmittel gezielter einsetzen, deren Einsatz reduzieren und die Anwendung effektiver und sicherer gestalten.

Wasser effizient nutzen

Die Tröpfchenbewässerung reduziert den Wasserverbrauch. Tests haben gezeigt, dass die Effizienz der Wassernutzung auf bis zu 95 Prozent steigt, während sie bei der traditionellen Furchenbewässerung nur bei 40 Prozent oder weniger liegt. Mit dem System lassen sich auch Düngemittel aufbringen. So trägt es dazu bei, dass weniger Nitrate ins Grundwasser sickern.

Vorteile für Landwirte und Umwelt

Bayer und Netafim haben unter anderem auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Mexiko mehrere Versuche mit Paprika, Tomaten, Melonen und Weintrauben durchgeführt. „Die Testergebnisse zeigten einen Anstieg der Erträge, und aufgrund der besseren Qualität stiegen die Nettoerlöse. Die Anzahl der Anwendungen ging ebenfalls signifikant zurück", berichtet Holger Weckwert, Projektleiter bei Bayer. Auch in Chile, Israel, der Türkei, Spanien und Brasilien seien erfolgreiche Proof-of-Concept-Versuche durchgeführt worden. „In Versuchen mit Zuckerrohr in Brasilien wurde im Vergleich zur traditionellen Furchenbewässerung und Anwendung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln sogar ein Ertragsanstieg um 150 Prozent erzielt, wenn man die richtige Menge an Wasser sowie Dünge- und Pflanzenschutzmitteln über Tröpfchenbewässerung zuführt", fügt Weckwert hinzu.

Offenes Plattformprojekt soll ausgeweitet werden

Derzeit richtet sich das System vor allem an Obst- und Gemüseanbauer in allen ariden und semiariden Regionen der Welt, doch im zweiten Schritt soll es auch für Kulturen wie Baumwolle, Zuckerrohr und Reis genutzt werden. Nach der gemeinsamen Markteinführung in Mexiko wollen die beiden Unternehmen auf eine Ausweitung des Systems und seine Anpassung für weitere Länder, Nutzpflanzen, Schädlinge und Pflanzenkrankheiten hinarbeiten. (SB)
 

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