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21. April 2017, 14:00 Uhr Ein bisschen Frieden

Steffen Bach zu neuen Tönen von Bündnis90/Die Grünen

Über kaum ein Thema wird in Deutschland so unerbittlich und so weit entfernt von den Fakten diskutiert wie über die Landwirtschaft. Doch ganz langsam scheinen die harten Fronten aufzuweichen. Die Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) haben in den vergangenen Monaten neue Töne angeschlagen, Probleme offen benannt und deutlich gemacht, dass sie bereit sind, nach Lösungen zu suchen.

In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau fordern nun auch die Grünen Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff und Robert Habeck eine neue Diskussionskultur. Der Westfälische Bundestagsabgeordnete und der Kieler Landwirtschaftsminister haben offensichtlich erkannt, dass das von den Grünen seit Jahren betriebene Bauern-Bashing fatale Folgen hat. Viele Landwirtskinder sind heute nicht mehr bereit den Hof zu übernehmen, weil sie die ständigen Angriffe schlicht satt haben. Habeck und Ostendorff stellen fest, dass man die Probleme besser mit den Landwirten lösen könne als ohne sie. Was für eine Erkenntnis! Ansonsten gibt das Papier wenig Anlass zur Hoffnung. Als Hauptziele geben die Grünen aus, dass nicht noch mehr Bauernhöfe aus der Produktion ausscheiden sollen und die weitere „Industrialisierung der Landwirtschaft“ verhindert werden müsse.

Das sind keine guten Voraussetzungen, sich mit Landwirten über deren Zukunft zu verständigen. Die Grünen verkennen nach wie vor, dass sich viele der unbestreitbaren Probleme nur durch Innovationen lösen lassen. So können mit neuen Methoden wie Crisp/Cas Pflanzen gezüchtet werden, die Nährstoffe effizienter Nutzen und weniger Pflanzenschutzmittel benötigen. Ein riesiges Potential liegt im Einsatz von Feldrobotern und im Precision Farming. Auch der Umbau der Tierhaltung wird nicht ohne technische Innovation gelingen. Wenn wieder mehr Tiere auf Stroh gehalten werden sollen, braucht man technische Lösungen zur Entmistung. Oder sollen die Bauern wieder zu Mistgabel und Schiebkarre zurückkehren? Jeder Ökonom weiß, dass auch die neuen Formen der Tierhaltung in größeren Ställen wirtschaftlicher sein werden als in Kleinstbetrieben. Doch wenn es um neue Zuchtmethoden, die Zulassung neuer (und in der Regel umweltfreundlicherer) Pflanzenschutzmittel oder den Bau von großen tiergerechten Ställen geht, stehen die Grünen an der Spitze des Protestes.

Solange die Grünen ausschließlich auf eine Extensivierung der Produktion und die Umverteilung von Subventionen setzten, wird es schwer, mit Bauern eine ernsthafte Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft zu führen. Aber Habeck und Ostendorff räumen ja ein, dass „auch wir Grünen noch viel zu lernen“ haben. Ob die Parteibasis das auch so sieht? Von heute auf Morgen wird sich die grüne Agrarpolitik wohl nicht ändern. Vielleicht leiten Habeck und Ostendorff mit ihrem Friedensangebot aber eine Wende bei den Grünen ein. Spätestens im Bundestagswahlkampf wird sich zeigen, ob die Grünen bereit sind, auf platte Stimmungsmache gegen die Landwirtschaft zu verzichten.
 
Leser Jochen sagte am 23.04.2017 um 12:08 Uhr
Wohlstandsgrüne Stimmungsmache!
Die Grünen Fantasten sollten ihren streitsüchtigen Worten endlich mal Taten folgen lassen. Kauft einen vom verdeckten Sozialismus "ausgelutschten" Bauernhof, geht mit gutem Beispiel voran, gründet eine Amish-Gemeinschaft und werdet glücklich!
 

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