RSS

6. April 2017, 18:07 Uhr Halali

Daphne Huber-Wagner zu den geschützten Arten

Es waren einmal Wolf, Biber und Kormorane. Nach vielen Jahren der Ausrottung wurden einige Exemplare in Deutschland wieder ausgesetzt. Sie lebten glücklich in Wäldern und Seen, kein Mensch störte ihr Tun und sie vermehrten sich prächtig. Doch tote, gerissene Schafe, mächtige aufgebaute Dämme sowie vom Umfallen bedrohte angenagte Bäume bringen Landwirte und Landespolitiker in Ost- und Westdeutschland auf den Plan. In Bayern belaufen sich 2016 die gemeldeten Schäden, die der das Wasser liebende Nager angerichtet hat, auf 600 000 €. Tatsächlich ist die Dunkelziffer viel höher. Die Länder können und wollen nicht mehr alleine für die Entschädigungen aufkommen. Ihren Protest brachten sie zur Kaminrunde während der Agrarministerkonferenz in der Vorwoche in Hannover vor. Doch das Märchen ging nicht gut aus. Bis zum Schluss der Tagung in Hannover stritten die Politiker um das Wohl und Wehe der geschützten Arten. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) winkt ab. Für ihn ist zu Wahlkampfzeiten nicht er, sondern seine Kabinettskollegin Barbara Hendricks (SPD) als Schutzpatronin tierischer Minderheiten zuständig.

In Bayern geht es jetzt zur Sache. Wachset oder Weichet. Die artenschutzrechtlichen Ausnahmeverordnungen, nach denen Biber und Kormorane eingefangen, gejagt und getötet werden dürfen, wenn sie in einem Gebiet besondere Schäden anrichten, laufen im Juli 2017 aus. Nach dem Willen der Landtags-CSU sollen sie nun bis 2027 gelten. Soweit sind die nord- und ostdeutschen Länder noch lange nicht. "Bevor wir anfangen über den Schutzstatus von Wölfen, Bibern und Kormoranen zu diskutieren, müssen wir erst einmal wissen, wie es um den Erhaltungszustand dieser streng geschützten Tierarten tatsächlich bestellt ist“, erklärte die Grünen-Politikerin Claudia Dalbert.

Eigentlich wollten sich auch Verhaltensforscher am Leben der fast unbekannten Arten bereichern. Doch sollte dafür dringend die Zahl der Tiere bekannt sein. Denn eines der Ziele, nämlich die grundlegende Erholung der Bestände in Teilen des Bundesgebiets, ist längst mehr als überschritten. Gerade diese positive Entwicklung macht es für die Länder zunehmend schwieriger und aufwändiger, Präventionsleistungen oder Schadenersatzzahlungen zu finanzieren und vor allem gegenüber der Öffentlichkeit den hohen Mitteleinsatz zu begründen.

Sachsen Anhalt ist jetzt auf den Hund gekommen, um der Plage Herr zu werden. Jeder Schafhirte kann sich jetzt seinen Hundewunsch mit einem Zuschuss vom Amt in Dessau erfüllen. Allerdings ist die Auswahl der Vier-Pfoten-Herdenmanager auf „Pyrenäen-Berghund“ oder „Maremmano-Abruzzese“ oder Mischungen aus diesen Rassen begrenzt. Aber sie machen einen guten Job: "Das sind imposante Arbeitshunde, die ihren Job ohne menschliche Aufforderung selbstständig erfüllen“, wirbt Dalbert ihren neuesten Coup. „Sie sollen Wölfe verbellen und notfalls angreifen, aber freundlich zu Menschen sein.“ Für mobile Elektrozäunen gibt es auch noch Geld extra.

Und viel Zeit sollten Personen, die mit Herdenschutzhunden arbeiten mitbringen. Denn sie müssen alle Befehle kennen, um den Hund zum Herdenschutz von Schafen, Ziegen und Gehegewild abzurichten.
Derweil geht eine weitere Generation der lieben Tiere an den Start. Denn eines müsste den Verantwortlichen doch klar sein. Wolf, Kormoran und Biber machen sicher vor Landesgrenzen nicht halt. Da können die Landesmitarbeiter lange zählen. Sicher dürfen wir Landwirtschaft und Naturschutz nicht gegeneinander ausspielen. Vielmehr müssen Synergien für Mensch, Natur und Tier gefunden werden. Bevor die geschützten Tiere ins Jagdrecht überführt werden und schnell vor dem Exodus stehen, sollten Jäger eine staatliche Prüfung für ihre Passion ablegen. Mit dem Widerstand der Jägerzukunft kennen sich die Agrarminister aus. Jahrelang haben sie versucht, den Einsatz von bleihaltiger Munition zu verbieten. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann diskutieren sie noch heute.
 
Leser Steffen Weihe sagte am 08.04.2017 um 19:05 Uhr
Schafhaltung mit Zukunft
Schafhaltung, so hört man in aufgeregten Diskussionen immer wieder - habe sich eh überholt. Spricht man mit Schafhaltern, die schon Herdenschutzhunde im Einsatz haben, muss man feststellen, dass in unserer Kulturlandschaft dieser Einsatz noch viele Überraschungen birgt. Jogger, Spaziergänger und neugierige Spaziergänger halten diese Hütehunde rund um die Uhr auf Trab. Bei Unterhaltungskosten von ca. 1.000 € pro Jahr und Hund und der Einsatz von ca. einem Hund je 100 Schafen scheint die Schafhaltung zumindest ja wieder sehr wirtschaftlich geworden zu sein, damit man sich diesen Spass erlauben kann.
 

Anmelden

Noch nicht registriert?

Sie sind (Probe-)Abonnent haben sich aber noch nicht für 'agrarzeitung | online' freigeschaltet? In diesem Fall registrieren Sie sich bitte neu, damit Sie das volle Aboangebot nutzen können.

Fipronil

Zwischenstand beim Eier-Skandal

Nicht das Gelbe vom Ei: Die Kommunikation rund um Fipronil
Noch mehr belastete Eier, Schuldzuweisungen auf politischer Ebene und die bisher ergebnislose Suche nach den Betrügern. Der Fipronil-Skandal geht in die vierte Woche. Zeit, einen Zwischenstand zu geben.