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12. Oktober 2017, 14:41 Uhr Humorfreie Zone

Stefanie Pionke zum Tierschutzbüro

Gesucht ist ein Mitarbeiter, der in Vollzeit Undercover-Recherchen in der Massentierhaltung und Pelzwirtschaft durchführt. Will heißen: der in Ställe einbricht, um Bilder mutmaßlich oder tatsächlich beklagenswerter Zustände aufzuzeichnen. Doch offenbar bedarf nicht jede Bewerbung auf diese Tätigkeit "in rechtlicher Grauzone" einer Reaktion.

„Wir warten und warten und warten…“. Das schreibt der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) bei Facebook. Doch die Landjugend wartet nicht etwa auf Godot, sondern auf das Deutsche Tierschutzbüro. Dort hat sich der BDL vor zwei Wochen auf die Position des „Mitarbeiters für Undercover-Recherchearbeit“ beworben. Und nach der puren Eingangsbestätigung erfolgte keine Reaktion mehr.

Nun muss man fairer Weise sagen, dass der Bewerbungsschluss auf den 20. Oktober datiert ist. Womöglich ist das Tierschutzbüro einfach noch nicht dazu gekommen, dem BDL zu antworten. Oder die Landjugend ist direkt in die Ablage P, also Papierkorb, gewandert. Denn auch wenn das kollektive Landjugend-Herz wie vom prospektiven Arbeitgeber gefordert „für Tiere schlagen mag“, und das „tagein, tagaus, in der Woche und am Wochenende“. Eine erwünschte Fähigkeit bleibt der BDL schuldig: „Offenheit und Bewusstsein für die Arbeit in rechtlichen Grauzonen“.

Doch wahrscheinlich sind die Personalverantwortlichen beim Deutschen Tierschutzbüro deutlich weniger humorvoll, als die satirisch anmutende Stellenanzeige erwarten lässt. Denn auch auf Anfrage der agrarzeitung(az), wie denn die Bewerbung des BDL aufgenommen wurde, war zunächst keiner erreichbar. Und als die Tierschützer dann doch zum Hörer griffen um zurückzurufen, wollten sie keine Stellungnahme abgeben.

Klar, der BDL nimmt die Tierschützer mit seiner Bewerbung aufs Korn. Natürlich will keiner der Verbandsmitglieder wirklich beim Tierschutzbüro anheuern – dafür ist nebenbei gesagt ein Bruttolohn von 1.800 € für 40 Stunden in der Woche auch schon fast eine rechtliche Grauzone und nicht wirklich attraktiv. Doch auch eine noch so ironisch gemeinte Reaktion stellt ein Gesprächsangebot dar – oder zumindest die Aufforderung, sich mit dem Standpunkt der anderen Seite auseinander zu setzen.

Und gerade das scheint dem Tierschutzbüro nicht ins Konzept zu passen. Man lebt offenbar von verhärteten Fronten und einem übersichtlichen Weltbild, in dem der Feind in Gestalt von Tierhaltern oder Kürschnern schnell gefunden ist.

Sicher ist der Arbeit des Tierschutzbüro nicht pauschal ihre Berechtigung abzusprechen. Doch mit genau der Offenheit sollten die Tierschützer auch der Landjugend gegenübertreten.
 

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