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11. Mai 2017, 17:00 Uhr Kalt war‘s

Peter Seeger über den Umgang mit Frostschäden

Noch haben wir die Eisheiligen nicht überstanden, trotzdem sind schon massive Frostschäden in Deutschland zu verzeichnen. Nicht nur Apfelblüten und die jungen Triebe der Weinrebe wurden geschädigt, auch viele andere Obstsorten und besonders Erdbeeren sind betroffen. Örtlich sind Totalausfälle zu befürchten. Alle Medien berichten über die Wetterkapriolen. Vielleicht auch weil so mancher Kleingärtner den Landwirten mitfühlen kann, weil auch seine Aprikosen und Pfirsiche erfroren sind.

Die Berichterstattung kann man aber auch mit gemischten Gefühlen sehen. Sicherlich ist es gut, wenn über die Notlage vieler Landwirte und Obstbauern berichtet wird. Zudem ist es ein Wetterphänomen, besonders durch den warmen März, das sehr selten vorkommt. Aber die Landwirte rufen schon wieder nach Unterstützung vom Staat, man könnte es auch Jammern nennen.

Ein Kollege mit Obstbau und Direktvermarktung hatte schon einmal besondere Erfahrungen mit den Folgen der Berichterstattung der Presse gemacht. Nach einem schweren Unwetter mit Ertragsausfällen druckte die regionale Zeitung einen großen Artikel über die Notlage des Obstbauern. Es stellte sich aber später heraus, dass der Ertragsausfall bei der Ernte doch nicht so groß war. Einzelne Sorten waren nämlich komplett verschont geblieben. Doch die Kunden hatten sich darauf eingestellt, dass es kein Obst gibt und waren deshalb erst gar nicht auf den Hof des Direktvermarkters zum Einkaufen gefahren.

Ist das jetzt der Klimawandel? Frost Ende April gab es ja schon öfters, und eigentlich soll sich das Klima ja erwärmen. Das Problem erklärt sich erst, wenn man den sehr warmen März mit betrachtet. Durch die weit fortgeschrittene Vegetation waren die Pflanzen viel empfindlicher und wurden daher so stark geschädigt. Zudem bringt der Wettlauf um die ersten Erdbeeren auf dem Markt die Pflanzen natürlich früher in Blüte und macht sie damit anfälliger für das Risiko von Schäden eines Spätfrosts.

Viele Betriebe sind existenziell gefährdet. So zeigt sich aber wieder, dass die Spezialisierung in der Landwirtschaft auch seine Schattenseiten hat. Hätte so manch ein Obstbauer nebenbei noch 50 Kühe im Stall stehen, wäre das Risiko besser verteilt. Dass dies nicht mehr der Realität entspricht, ist uns allen bewusst. Somit sind aber andere Maßnahmen zur Risikosteuerung gefordert. Das fängt an bei einer breiteren Sortenauswahl über verschiedene Früchte und geht hin zu technischen Einrichtungen wie Frostberegnung oder Folientunnel. Was erstaunlicherweise noch nicht wirklich verbreitet ist, sind die Unwetter-Versicherungen auch gegen Frost, wie sie von den Hagel-Versicherungen angeboten werden. Bei einem versicherbaren Risiko nach Staatshilfen zu rufen, ist fast schon grotesk.

Aber auch in diesem Jahr wird kein Erdbeerkuchen fehlen, und die Zapfhähne mit Apfelwein in Sachsenhausen werden nicht versiegen. Dazu werden sich schnell neue Lieferwege in Europa bilden. Zudem haben findige Landwirte sich schon frühzeitig auf die Risiken eingestellt. Das Frühjahr 2017 wird aber im Obst- und Weinbau, wie zum Vergleich dem Ackerbau der Winter 11/12 mit den massiven Auswinterungen, noch lange in Erinnerung bleiben.

 
Leser Jürgen Seufferlein sagte am 12.05.2017 um 10:55 Uhr
Gute fachliche Praxis
Werter Peter Seeger, vielen Dank, dass Sie dieses Thema mal im Blog aufgreifen. Sicherlich liegt es auch bei den genannten Sonderkulturen Wein und Obst ein Stück weit an der Sortenwahl und der innerbetrieblichen Diversifikation, sich auf die zu erwartenden Risiken einzustellen. Andererseits sind es ja auch Dauerkulturen, die einmal gepflanzt mehrere Jahre bzw. Dekaden in Produktion sind. Anders sieht es da schon bei den Frühjahrsfrüchten am Feld aus. Die Rüben haben sich im Großen und Ganzen relativ unbeschadet über diese Periode gerettet, während regional Maissaatgut schon deutlich mehr als 4 Wochen im Boden liegt und von Keimblättern noch nichts in Sicht ist. Hier werden die einfachsten Werkzeuge der "Guten fachlichen Praxis" schlichtweg ignoriert: Mais in einen 6 °C kalten und trockenen Boden abgelegt, obwohl der Wetterbericht schon vor Frösten warnt, dann gesellt sich lange erwarteter Regen in nicht erhofften Mengen bei weiterhin tiefen Temperaturen hinzu - und schon geht das Gejammere wieder los. Wer es nicht kann, soll sich versichern oder es eben sein lassen. So einfach ist das manchmal.
 

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