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8. Juni 2017, 16:45 Uhr Starke Worte

Dr. Jürgen Struck zum Klimaabkommen

Müssen wir uns nun Sorgen um den Erhalt der Milchkühe in Deutschland machen? Die Frage stellt sich seit der vergangenen Woche. Denn folgt man den Worten der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum vieldiskutierten Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen, so besteht zumindest Anlass dazu. Bereits vor der Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump, wurde den Wiederkäuern und den Nutztieren insgesamt in Deutschland eine erhebliche „Mitschuld" am sogenannten Klimawandel zugeschrieben. Flugs entstanden Forderungen, den Tierbestand in Deutschland zu halbieren, um selbst formulierte, ehrgeizige Ziele zu erreichen.


Und nun das - die USA machen nicht mehr mit. Zur Klärung der Sachlage ist es von Interesse zu präzisieren, dass die USA nicht aussteigen, sondern sich an dem Abkommen schlicht nicht beteiligen werden. "Sie waren nie beigetreten", schreibt der US-amerikanische Professor für Verwaltungsrecht, Eugene Kontorovich, in einem Artikel in der Washington Post am 4. Juni 2017. Das Abkommen war vom US-Kongress niemals ratifiziert, sondern nur vom Amtsvorgänger Barack Obama per „executive order" als symbolischer Akt unterzeichnet worden. Dieser hat jedoch eine zeitlich nur befristete Wirkung. Und eine Ratifizierung konnte ohnehin kaum erwartet werden.

Wie auch immer: Die Bundeskanzlerin Angela Merkel bewertete den Schritt des US-Präsidenten als „sehr bedauerlich - und damit drücke ich mich noch sehr zurückhaltend aus". Diese Entscheidung „kann und wird uns alle, die wir uns dem Schutz unserer Erde verpflichtet fühlen, nicht aufhalten", betonte Merkel. Und weiter: „Im Gegenteil: Entschlossener denn je werden wir in Deutschland, in Europa und in der Welt alle Kräfte bündeln, große Menschheitsherausforderungen wie die des Klimawandels aufzunehmen und erfolgreich zu bewältigen. Wir brauchen dieses Pariser Abkommen, um unsere Schöpfung zu bewahren." Und noch einmal: „Nichts kann und wird uns dabei aufhalten."

Sollten den Worten Taten folgen, dann kommt etwas auf uns zu. Und häufig trifft es dann die Schwächeren, beispielsweise die Kühe. Doch gemach - beim Pariser Abkommen geht es wie immer um viel Geld. Dies war wohl auch der Hauptgrund für die Entscheidung des US-Präsidenten. Wer weiß, ob dieser Schritt nicht auch anderen (Zahler)Ländern entgegenkommt.

Was wird nun aus den Kühen? Sie werden bleiben. Denn schließlich ist die Landwirtschaft insgesamt eine der wichtigsten Lebensgrundlagen. Und bei rationaler Betrachtung versprechen andere Bereiche als der Rindersektor erheblich größere Effekte auf die Klimawirkung. Sollte der Klimawandel wie bisher mit höchster Priorität verfolgt werden, so lassen sich sicher geeignete Stellschrauben finden. Vielleicht die Zimmertemperatur im Winter gesetzlich stark begrenzen, oder den Individual- oder Flugverkehr drastisch einschränken. Doch Zweifel daran sind angebracht. Andere Themen drängen nach vorn.
 
Leser Günter Schanné sagte am 20.06.2017 um 23:05 Uhr
Kühe und die Umwelt
Eine flächenbezogene Tierhaltung würde unserem Klima sicher gut tun. Eine Beendigung der Anbindehaltung von Rindern mit Übergangszeitraum würde die Glaubwürdigkeit der Landwirtschaft erhöhen.
 

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