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4. August 2017, 9:06 Uhr Wo kommt das Fipronil her?

Katja Bongardt zum neuesten Eier-Skandal

Cees Nieuwkerk schaffte es in den Niederlanden zur Tagesberühmtheit. Im Rahmen seiner Eier-Diät verspeiste er rund 30 Fipronil-Eier - und lebt noch. Das sensationshungrige Algemeen Dagblad macht vor, wie sich Sommerlöcher füllen lassen.

Festzuhalten ist zum jetzigen Zeitpunkt: Das BfR sieht keine Gesundheitsgefahr. Für keine Verbrauchergruppe, einschließlich Kindern, ergebe sich eine Überschreitung der akuten Referenzdosis (ARfD), heißt es auf der Homepage. Und das hat Dr. Monika Lahrssen-Wiederholt, Leiterin der Abteilung Sicherheit in der Nahrungskette am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), am Donnerstagabend auf einer Pressekonferenz noch einmal wiederholt.

Das Problem liegt ja auch woanders. Die Frage ist, wo kommt das Fipronil her? Im Fokus der Ermittlungen steht der niederländische Stallreiniger ChickFriend. Vielleicht hat das Unternehmen selbst den bei Milben effektiv wirkenden Stoff in sein Reinigungsmittel Dega16 gemischt. Vielleicht hat es aber auch von einem Zulieferer die kritischen Zutaten bezogen.

Geflügelbetriebe greifen häufig bei der Reinigung und Desinfektion ihrer Ställe auf Dienstleister wie beispielsweise ChickFriend zurück. Das ist Arbeitsteilung. Das wird natürlich erst ab einer gewissen Größenordnung interessant. Jetzt aber in der Schlussfolgerung auf die Massentierhaltung zu schimpfen, wie es manche Publikumszeitungen tun, ist nicht fair. Denn vor Betrug ist weder ein kleiner, noch ein großer, noch ein Bio-Betrieb gefeit.

Der Ermittlungen werden zeigen, in welcher Größenordnung und - vor allem - über welchen Zeitraum Fipronil illegal im Hühnerstall zum Einsatz gekommen ist. Für Legehennenhalter zeigt der Skandal, dass sie bei der Wahl des Dienstleisters in Zukunft um so genauer hinschauen müssen. Denn am Ende sind die Erzeuger die Leidtragenden, wenn Verbraucher bestimmte Lebensmittel ablehnen.

Cees Nieuwkerk sind die Ursachen-Spekulationen vermutlich gar nicht so wichtig. Er will saubere Eier. Und das ist sein gutes Recht. Allerdings könnte er vielleicht doch einmal über seine Diät-Strategie nachdenken - auch ohne Fipronilskandal.




 
Leser Günter sagte am 08.08.2017 um 22:36 Uhr
Fipronil
Frontline und jedes andere apothekenpflichtige Arzneimittel gegen Flöhe und Zecken zur äußerlichen Anwendung wird auf die HAUT aufgebracht. Nur aufs Fell wäre ein grober Fehler durch den Anwender. Die Exposition von Kindern ist beherrschbar und sehr gering, weil die Präparate für eine bewusste, bestimmungsgemäße Anwendung auf ihre Schädlichkeit getestet wurden. Gegen kriminelle Machenschaften hilft auch die KAT nicht. Zu unterscheiden sind Verfehlungen in der Urproduktion und in der Verarbeitung - oder wie hier durch Dienstleister. Es gibt genug Verfehlungen in der Urproduktion, die einen Verzicht auf tierische Lebensmittel rechtfertigen könnten. Insbesondere die Sturheit, mit der die Landwirtschaftsfunktionäre an veralteten Umgangsformen mit Tieren festhalten, ist erschreckend.
Leser Thomas Schmidt sagte am 07.08.2017 um 18:43 Uhr
Fipronil
Hat schon jemand gefragt, wieviele Jetztnichtmehreieresser Ihrem Hund das Fipronil in Form von Frontline auf das Fell träufeln und wie stark da die Exposition z.B. von Kindern ist?
Leser Amos Venema sagte am 05.08.2017 um 07:44 Uhr
So seh ik dat
Genau so ist das - die Landwirtschaft kann und darf nicht als Sündenbock für die Verfehlungen anderer Branchen herhalten. Wir brauchen eine andere Bekenntniskultur! Jeder darf und kann Fehler machen. Nur erwarte ich, dass wie in diesem Falle, die Verursacher zu ihren Fehlern stehen und sich öffentlich bekennen und nicht durch ihr Verhalten dafür sorgen, dass andere unnötig in Miskredit gebracht werden.
Leser Dieter Fritz sagte am 04.08.2017 um 10:31 Uhr
KAT wertlos?
Erschreckend deutlich wird die Tatsache, daß angebliche Qualitätsgaranten wie der Verein KAT weder Erzeuger noch Verbraucher vor solchen Skandalen schützt. Die Eiererzeuger stehen wieder ganz alleine im Feuer der öffentlichen Schuldzuweisungen und haben den Skandal auszubaden. Der Verein KAT hat nur emsig abkassiert und die Branche verrückt gemacht - mehr Sicherheit und Krisenvorsorge bleibt Fehlanzeige. Das Geld dafür kann sich künftig jeder sparen!
 

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