Eurotier | 15. November 2016, 13:49 Uhr Geflügelhalter bangen um Stallbauten

Weil Landwirte ihre Emissionen drastisch reduzieren müssen, wird es auch für Geflügelhalter schwer, neue Ställe zu bauen. Und das, obwohl sie an der Gesamtemission nur zu einem kleinen Teil beteiligt sind.

Aus Geflügelställen kommen in Deutschland lediglich 7 Prozent des Stickstoffausstoßes – und dennoch werden Geflügelhalter genauso streng an die Kandare genommen wie andere Tierhalter. Das bemängelte Dr. Wilfried Eckhof während einer Podiumsdiskussion, die im Rahmen der Eurotier in Hannover stattfand. „Gemessen am deutschlandweiten Amoniakausstoß sind es sogar nur 4 Prozent“, so der auf Stallbauten spezialisierte Ingenieur.

Landwirte müssen hierzulande ihren Ausstoß von Ammoniak bis 2030 um 29 Prozent vermindern. Die Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe, kurz NEC-Richtlinie (National Emission Ceilings Directive) soll in der Europäischen Union (EU) für vier Luftschadstoffe nationale Emissionsbegrenzungen festlegen. Die Emissionshöchstmengen sind für jeden EU-Mitgliedstaat unterschiedlich und gelten für die Luftschadstoffe Schwefeldioxid, Stickstoffoxide, Ammoniak und flüchtige organische Verbindungen außer Methan.

Kaum noch Standorte

„Man findet kaum noch Standorte, wo man etwas realisieren kann“, erklärte Dr. Günter Kuhnt von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Grund: Viele Systeme bei Stallbauten im Geflügelbereich seien nicht zertifiziert, berichtet der Gutachter. Doch zahlreiche Behörden würden nur zertifizierte Systeme etwa für die Geruchshemmung akzeptieren. „Hier ist die Forschung gefordert“, lautet sein Appell.

Prof. Wolfgang Büscher von der Universität Bonn entgegnete, dass es noch einige Jahre dauern werde, bis die Forschung so weit sei. „Wir brauchen eine größere Spezifik“, so Büscher.

Rechtsanwältin Dr. Sigrid Wienhues von der Kanzlei Graf von Westphalen macht sehr unterschiedliche Erfahrungen, wenn sie die Interessen von Geflügelhaltern vor Gericht durchsetzen will. "Mit einer Sprühkühlung komme ich bei einem Gericht durch, bei einem anderen wiederum nicht" erzählt die Anwältin. Bei nicht zertifizierten Maßnahmen sei das immer schwer, da es so viele Sonderfälle gebe.

Hohe Kosten

Wer aber eine Zertifizierung wünscht, muss dafür tief in die Tasche greifen. "Die statistische Sicherung eines Wertes kostet 100.000 Euro, das kann ein Landwirt nicht zahlen", konstatiert Ingenieur Kuhnt. (sp)
 

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