Innovation

Maiszünsler wird der Garaus gemacht

Fliegl

Hochwertiges Grundfutter ist die Voraussetzung für eine wirtschaftliche Rinderhaltung. Auf der Agritechnica zeigen die Landmaschinenhersteller technische Innovationen, die zu einer höheren Qualität, einem niedrigeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Energie sowie einer Entlastung der Fahrer beitragen.

Der Maiszünsler bestimmt das Pflanzenbaumanagement in maisbetonten Anbauregionen. Zur Reduzierung der Ertragsverluste sind chemische, biologische und technische Verfahren in der Anwendung. Sehr hohe Kosten, der Einsatz von Spezialtechnik und ein hoher Energieaufwand kennzeichnen die Prozesskette, erläutert Heinz-Günter Gerighausen von der Fachschule Kleve der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Die Maschinenfabrik Kemper aus Stadtlohn im Münsterland stellt auf der Agritechnica eine technische Lösung vor, mit der die Maisstoppeln schon bei der Ernte zerstört werden. Der ‚StalkBuster‘ von Kemper, den das westfälische Unternehmen gemeinsam mit John Deere entwickelte, ist die erste in den Mähvorsatz des Feldhäckslers integrierte stoppelzerstörende Technik. Mit ihr werden die Maisstoppeln zerschlagen, bevor diese vom Feldhäcksler oder dem Transportwagen überfahren werden.

Alle Innovationen, die die Neuheitenkommission 2017 prämierte, sehen Sie auch in der Bildergalerie

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Die ins Schneidwerk integrierte Mulcheinrichtung hat einen verhältnismäßig geringen Leistungsbedarf und kein hohes Gewicht, sodass es auch bei Straßenfahrten keine Einschränkungen gibt. Der Einsatz herkömmlicher Schlegelmulcher hat den Nachteil, dass die Fläche noch einmal überfahren werden muss. Außerdem verbrauchen die Maschinen relativ viel Energie. Stoppeln, die von den Erntefahrzeugen niedergedrückt wurden, zerstören die Schlegelmulcher nicht sicher. Den Maiszünslerraupen wird so ein Unterschlupf geboten.

Kampagne immer anspruchsvoller
Die Maisernte stellt die Fahrer der Maschinen vor immer größere Herausforderungen. Lange Arbeitstage, auf Effizienz ausgerichtete Logistikketten erfordern über einen langen Zeitraum höchste Konzentration. Eine Entlastung für Fahrer bei sehr hoch wachsenden Kulturen stellt die höhenverstellbare Kabine dar. Da die modernen Maissorten immer ertragreicher werden, sind inzwischen deutlich größere Wuchshöhen von 4 m und mehr möglich. Bei der ‚LiftCab‘ der Maschinenfabrik Bernard Krone wird die Kabine auf Knopfdruck um 70 cm angehoben. So erhält der Fahrer einen Überblick über Bestand sowie Abfuhrgespanne und muss nicht mehr den ganzen Tag gegen eine sich im gesamten Sichtfeld kontinuierlich bewegende „Maiswand“ fahren.

Außerdem wird die Ernte sicherer, weil Gefahren früher erkannt werden können. Der sich ergebende Zwischenraum unter der Kabine lässt außerdem Platz für Service- und Wartungsarbeiten. Für Feldhäcksler ist ein solcher Kabinenlift bislang einzigartig.

Gefahr von Botulismus gemindert
Ein guter Überblick ist auch bei der Grasernte unerlässlich. Besondere Bedeutung hat dabei der Wildschutz. Vor allem beim ersten Schnitt setzen und brüten die meisten Wildtiere. Mit Drohnen und Infrarotkameras, Scheuchen und akustischen Geräten wird versucht, das Wild vor dem Mähen aus dem Bestand zu vergrämen oder zu erkennen. Die Erfolgsquote ist nicht zufriedenstellend, stellt Gerighausen fest. Durch die getöteten, unentdeckten Tiere und damit Kadaver bestehe in der Silage- und Heuproduktion die Gefahr von Botulismus in der weiteren Fütterungskette, der für die Tiere tödlich enden kann.

Das Familienunternehmen Pöttinger aus Österreich präsentiert in Hannover einen direkt am Mähwerk installierten Sensorbalken ‚Sensosafe‘, der versteckte Wildtiere über optische Infrarotsensoren mit integrierter LED-Beleuchtung während des Mähens erkennt und so vor dem Mähtod bewahrt. Sobald die Infrarotsensoren ein verstecktes Tier wahrnehmen, wird ein Signal an die Mähwerkshydraulik gesendet und das Mähwerk automatisch ausgehoben.

Das entdeckte Wildtier bleibt ohne Schaden, und auch das zu erntende Futter wird nicht verschmutzt. Durch die eigens für diese Anwendung entwickelten Infrarotsensoren findet das System versteckte Rehkitze auch bei vollem Tageslicht und hoher Sonneneinstrahlung optimal, während andere Hindernisse, beispielsweise Maulwurfshügel, unterschieden werden.

Auch für die weitere Grasernte bietet die Messe Neues. Fliegl Agrartechnik stellt eine Alternative zu klassischen Ladewagen vor. Obwohl sie in puncto Leistungs- und Dieselbedarf einem Häcksler im Grünlandeinsatz eigentlich überlegen sind, haben Ladewagen einen entscheidenden Nachteil: Während der Transportzeiten sind sie in Bezug auf die Schneidarbeit unproduktiv. Der ‚Büffel‘ von Fliegl, ein Rotor-Lade-System mit Zwischenbunker, kombiniert bekannte Komponenten von Ladewagen (Pickup, Schneidrotor), Ballenpresse (Zwischenbunker) und Häcksler (Überladevorrichtung). Das Halmgut wird aufgenommen, geschnitten, im Zwischenbunker gespeichert und dann auf ein eigenständiges Transportgespann überladen. Das Fahrzeug ist als Ladeaggregat somit im „Dauereinsatz“, ohne in den Abtransport eingebunden zu sein. 
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