Interessante Alternative

Der Blick aus dem All hilft beim Ackern


Mithilfe von Satelliten kann das Pflanzenwachstum permanent im Büro verfolgt werden. Die gelieferten Daten werden optimal ausgewertet und gestatten einen gezielten Einsatz von Betriebsmitteln auf Teilflächen.

786 km von der Erdoberfläche entfernt und trotzdem ganz nah am Pflanzenbestand: Spätestens mit Start der Erdbeobachtungsmission Sentinel-2 sind Satellitendaten als Grundlage für teilflächenspezifischen Pflanzenbau stärker ins Bewusstsein gerückt. Speziell für kleinere und mittlere Landwirtschaftsbetriebe stellen Satellitendaten in der Praxis eine interessante Alternative zu Sensoren an der Maschine oder Drohnen dar. Als Faustzahl gilt: Satellitengestützte Bestandsführung lohnt sich schon ab 30 bis 50 ha, bei überbetrieblicher Nutzung – wenn zum Beispiel Lohnunternehmer oder Maschinenring die Arbeiten durchführen – ab 10 ha.

Hohe Auflösung ist garantiert

Durch die gewachsene Verfügbarkeit von Satelliten, verbunden mit einer kostenfreien Nutzung und für teilflächenspezifische Anwendungen gut geeigneten Auflösung, hat das Interesse an der zivilen Nutzung zugenommen. Das Auge der Sentinel-2-Satelliten zum Beispiel – eine hochmoderne Multispektralkamera – liefert optische Daten mit einer Auflösung von zehn mal zehn Metern und deckt – analog zu Dünge- und Pflanzenschutzsensoren auf den Maschinen – sowohl den für den Menschen sichtbaren Spektralbereich des Lichts als auch den Nahinfrarotbereich ab. Blattfläche oder Chlorophyllgehalt von Pflanzenbeständen lassen sich so direkt ableiten. Auch Feuchtegehalte lassen sich bestimmen.

So sieht es der Landwirt: Eine N-Bedarfsberechnung (kg/ha) auf der Grundlage von Satellitendaten.
Vista
So sieht es der Landwirt: Eine N-Bedarfsberechnung (kg/ha) auf der Grundlage von Satellitendaten.
Die Satelliten liefern alle drei bis fünf Tage frische Daten vom Pflanzenbestand. Parameter, zum Beispiel Kornertrag oder trockene Biomasse, die nicht direkt vom Satelliten aus sichtbar sind, werden mit einem Pflanzenwachstumsmodell prognostiziert, wie es der Smart-Farming-Spezialist Farm Facts in Kooperation mit dem Unternehmen Vista anbietet. All diese Informationen fließen in sogenannte ‚Talking-Fields-Karten‘ ein. Der Praktiker kann exakt nachvollziehen, wie sich die Biomasse auf seinem Acker verändert. Als Grundlage für Saat, Düngung, die Behandlung mit Wachstumsreglern, Bewässerung und Erntemanagement sind diese Karten für die gleichen oder ähnliche Smart-Farming-Anwendungen geeignet wie die bekannten Technologien – ohne zusätzlichen Aufwand für den Landwirt.

Satelliten erfassen aus dem All jeden einzelnen Punkt der Erde und liefern somit immer flächendeckende Informationen. Das erleichtert auch grenzübergreifendes Smart Farming, wie aktuelle Projekte in Afrika zeigen. Von Deutschland aus werden in Sambia auf einer Versuchsfarm von Agco und Baywa Düngung, Saat und Bewässerung teilflächenspezifisch gesteuert.

Nicht zuletzt ist der Einsatz eines Sensorsystems eine Investition in Hard- und Software, zuzüglich des Schulungsbedarfs für den Anwender sowie einer regelmäßigen Wartung der Technik. Dies amortisiert sich umso schneller, je größer die jährliche Sensoreinsatzfläche ist. Es ist davon auszugehen, dass große Betriebseinheiten künftig Sensor- und Satellitendaten bei der Strategiefindung kombinieren, während sich die reine satellitengestützte Bewirtschaftung schon für kleinere und mittlere Betriebe rechnet.

Düngeverordnung schafft Anreize

Mit der neuen Düngeverordnung wird eine satellitengestützte Düngung besonders interessant, um letzte Reserven zu heben. Da sich nunmehr im Regelfall die mögliche auszubringende Düngermenge beschränkt, wird die Verteilung der Nährstoffe auf dem Acker immer wichtiger. Die Kombination aus aktuellen Sensordaten vom Bestand und Ertragspotenzialkarten – das sogenannte ‚Map-Overlay-Verfahren‘ – gilt dabei als besonders erfolgreich in der variablen Stickstoffdüngung. Satellitentechnik vereinfacht die Abläufe schlagartig, weil sie den teilflächenspezifischen Pflanzenbau auf das für den Landwirt Wesentliche konzentriert: valide Entscheidungshilfen.

Auf der Agritechnica
Silke Migdall, Vista GmbH, München und Dr. Josef Bosch, FarmFacts GmbH, Pfarrkirchen sind auf der Agritechnica anzutreffen in Halle 15, Stand G06 oder in Halle 20, Stand A52a

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