Russland

„Sanktionen im 21. Jahrhundert sind absurd“


Mit äußert positiven Erwartungen an die weitere Geschäftsentwicklung präsentiert Ekosem-Chef Stefan Dürr seine Perspektiven für die Milchproduktion in Russland. Große Kuhställe wird er solange bauen, wie der russische Staat ihn fördert. 

Stefan Dürr konnte nichts Besseres passieren, als die Sanktionen des Westens gegenüber Russland. Er spricht auf der Pressekonferenz auf der Agritechnica in Hannover von einem „heilsamen Schock“ für die russische Wirtschaft. Die Verarbeitungskette habe sich neu aufgebaut und ausländische Lieferanten blieben draußen, erklärt der Unternehmer, der in den 1980er Jahren begann, das Geschäft in Russland zu entwickeln.

Herde wächst auf 60.000 Kühe

Zur Ekosem-Agrar-Gruppe zählen derzeit sieben landwirtschaftliche Betriebe, die täglich rund 900 t Milch liefern und etwas mehr als 235.000 ha Land bewirtschaften. In diesem Jahr sollen noch drei Milchviehanlagen und 2018 vier weitere Betriebe fertig gestellt sein, sodass die Ekosem-Herde dann insgesamt 60.000 Milchkühe umfasst. Schon jetzt ist die deutsche Holdinggesellschaft Russlands größter Milcherzeuger.

Die Expansionsvorhaben erklären sich mit den vielfältigen positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der russische Staat vergibt zinsgünstige Kredite und Investitionszuschüsse, die nicht zurück gezahlt werden müssen, sodass sich das Bauen von Ställen lohnt. „Wir bekommen so viele zinsgünstige Darlehen wie wir brauchen“, sagt Dürr. Daher bestehe derzeit auch kein Interesse, neue Anleihen herauszugeben. Auch der Milchpreis bewege sich auf einem Niveau („etwa 8 Cent über dem DMK“, so Dürr), dass auch neue Betriebe schnell Gewinne erwirtschaften könnten.

 Qualitätssprung in der Erzeugung

Als besonders erfreulich beschreibt Dürr die strukturellen Veränderungen in der russischen Wirtschaft. Das Embargo habe für einen Qualitätssprung in der russischen Lebensmittelproduktion, beispielsweise in der Käseherstellung, gesorgt. So hätten es ausländische Exporteure wesentlich schwerer, irgendwann wieder in den Markt zu kommen. „Sanktionen im 21. Jahrhundert sind absurd“, erklärt Dürr.

Um Ekosem in Verhandlungen mit dem russischen Lebensmitteleinzelhandel stärker zu machen und um flexibler auf Schwankungen am Rohmilchmarkt reagieren zu können, engagiert sich die Holding im nachgelagerten Bereich. Es werden zwei Molkereien gekauft und die eigene Milch zu Milchpulver, H-Milch und Butter verarbeitet.

Milchexporte spielen eine untergeordnete Rolle
Beruhigende Worte findet Dürr für den deutschen Markt: „Ich glaube, dass Milchviehbetriebe in Deutschland konkurrenzfähig sind.“ Auch müsse niemand mit hohen Milchexporten aus Russland rechnen. Der Selbstversorgungsgrad bei Milch liege in Russland bei rund 70 Prozent und es werde noch lange dauern, bis 100 Prozent erreicht seien.

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