Eberimpfung

Schlachtkonzerne am Pranger


Die Eberimpfung hat auch viele Fürsprecher.
DLG
Die Eberimpfung hat auch viele Fürsprecher.

Mit der Eberimpfung lässt sich der strenge Geruch beim Fleisch männlicher Ferkel sicher vermeiden. Auf der Eurotier üben Experten und Praktiker scharfe Kritik am Verhalten der Schlachtindustrie.

 „Aus Tierschutzfachlicher Sicht ist die Eberimpfung die optimale Alternative.“ Mit diesem Statement startete Dr. Lars Schrader vom Friedrich Löffler-Institut auf der Eurotier eine Diskussionsrunde zum Thema Ferkelkastration. Dass die Eberimpfung, eine faire Chance verdient, darin waren sich die Teilnehmer aus der Landwirtschaft, Wissenschaft, Handel, Tierschutz- und Verbraucherschutz einig. Klar wurde schnell, wo das größte Hindernis für einen breiten Einsatz dieser Methode gesehen wird: „Es sind wenige Herren, die das blockieren“, machte Prof. Daniel Mörlein von der Universität Göttingen deutlich. Georg Freisfeld, Berater aus Westfalen und Mitglied im DLG-Ausschuss Schwein kritisierte, dass die großen Schlachtunternehmen mit den Ebermasken „Tür und Tor“ geöffnet hätten, um die Geschlechter unterschiedlich zu bewerten.

Forscher sieht Scheinargumente

Die Chefs der größten Schlachtunternehmen würden gegen die Eberimpfung Argumente vorbringen, die widerlegt seien, ergänze Daniel Mörlein. Die Meinung, die Impfung schade der Fettqualität, sieht er ebenso wenig bestätigt, wie Akzeptanzprobleme auf den ostasiatischen Märkten. Diese Länder würden Schweinefleisch aus Brasilien und Australien importieren, wo die Eber schon seit Jahren geimpft werden.

Neuer Name verspricht neue Chance

Dr. Janina Willers von der Verbraucherschutzzentrale Niedersachsen widersprach der These, dass der Konsument die Eberimpfung ablehne. Das von den Kritikern angeführte hohe Skandalisierungspotential beruhe auf Falschinformationen, wie der Behauptung, dass es sich um Hormonfleisch handle. Willers riet dazu, statt der Immunokastration den Begriff der Eberimpfung zu verwenden, weil dieser vom Verbraucher besser verstanden werde. Auch Nina Blankenhagen von der Rewe Group sieht das Problem nicht beim Verbraucher. Rewe verkaufe seit Jahren Biofleisch von geimpften Ebern, ohne dass es dabei Probleme gegeben habe. Als Vertreterin der Tierschutzorganisation ProVieh sprach sich auch Angelka Dinter für die Impfung aus. Die von ProVieh ursprünglich favorisierte Ebermast sehe sie wegen des dabei auftretenden Penisbeißens inzwischen kritischer. Fast alle Tierschutzverbände würden inzwischen die Impfung unterstützen, erklärte Dinter.

Reinhard Brunner, Naturland-Mäster aus der Oberpfalz berichtete, dass unter den bisher 1200 geimpften Ebern kein einziges Tier den strengen Eberberuch angenommen hatte. Der Anteil der „Stinker“ sei bei geimpften und kastrierten Ebern gleich groß, ergänzte Lars Schrader. Auf die Geruchskontrolle am Schlachtband könne man deshalb verzichten. Den Umgang mit den geruchsauffälligen Tieren kritisierte Daniel Mörlein. Auch dieses Fleisch könne zu Lebensmitteln verarbeitet werden. Deshalb müssten die Gesetzte geändert werden, damit es nicht wie bisher „in die Tonne geworfen wird“.

 

Alle Teilnehmer der Diskussionsrunde kritisierten, dass es nicht gelungen sei, über die gesamte Kette eine einheitliche Position zu finden. Sollte der Gesetzgeber den Beteiligten beim Thema Kastration zwei weitere Jahre Zeit geben, müsse sich das ändern. Noch einmal zwei Jahre warten will man bei Rewe offenbar nicht. Nina Blankenhagen, kündigte an, dass ihr Unternehmen mit einem strategischen Partner aus der Wertschöpfungskette ein Impfprojekt starten werde.

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