Eurotier

Mit der Datenbrille durch den Stall


Die Datenbrille fügt Digital und Analog zusammen: Die Kühe sind echt, die Anzeigen animiert.
Foto: Nedap
Die Datenbrille fügt Digital und Analog zusammen: Die Kühe sind echt, die Anzeigen animiert.

Dinge, die analog liefen, werden zunehmend digital gemacht. Was Unternehmen zum Thema Arbeitserleichterung und Effizienz bei der Fütterung noch eingefallen ist, zeigt im November die Eurotier in Hannover.

Die Zukunft liegt in der Digitalisierung. Das ist auch für die Messe Eurotier, die vom 13. bis 16. November in Hannover stattfinden wird, keine neue Erkenntnis. Wie ein Landwirt aber seine digitalen Helfer klug in den Arbeitsablauf im Kuhstall integrieren kann und dabei auch noch beide Hände frei behält, macht jetzt die niederländische Firma Nedap vor. Sie setzt auf Augmented Reality. Mit einer Datenbrille soll der Bauer in Zukunft durch den Stall gehen. Das Display, das Echt und Digital zusammenfügt,  zeigt ihm wichtige Informationen zu den Tieren, beispielsweise, wann die Besamung ansteht.
Noch ist die Brille, die Microsoft herstellt, das schwächste Element. Auch ist nicht klar, ob Landwirte das Gerät wirklich aufsetzen. Doch Nedap, einer der weltweit größten Hersteller von Tiersensoren, den Smarttags, ist überzeugt von der Zukunftsfähigkeit. Die Apps sind entwickelt. In ein, zwei Jahren soll das Produkt an den Markt gehen. 

Unsicherheiten und rasante Entwicklungen 

Diese positive Perspektive ist angesichts turbulenter Zeiten nicht unbedingt selbstverständlich. Das Geschäftsklima hat sich den aktuellen Marktanalysen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) zufolge in fast allen Ländern, insbesondere in Westeuropa und in Russland, verschlechtert. Das liegt zum einen an der Dürre. Gleichzeitig sind die Märkte und Produktionsbedingungen durch Unsicherheiten und rasante Entwicklungen geprägt. Dr. Reinhard Grandke, DLG-Hauptgeschäftsführer, nannte in dieser Woche auf der Vorpressekonferenz zur Eurotier verschiedene Beispiele: die Unsicherheit in der Schweineproduktion infolge der amerikanisch-chinesischen Handelskonflikte, die Handelsbeziehung mit Iran, die innerhalb von wenigen Wochen komplett zum Erliegen gekommen ist, und auch die ungeheure Dynamik, die die Milchproduktion in Russland genommen hat.

Keine Einschränkung durch ASP

Die DLG als Eurotier-Veranstalter steht in engem Kontakt mit den Behörden. Derzeit geht sie von keiner Behinderung durch die Afrikanische Schweinepest aus. Denn zum einen ist der Übergang der Viren von Mensch zu Mensch nicht gegeben. Zum anderen werden sich keine lebenden Schweine auf der Messe befinden.

Das tut der Beteiligung an der Eurotier keinen Abbruch. Bis Mitte September haben sich mehr als 2.500 Aussteller angemeldet, sodass die Veranstalter sicher sind, die Marke von 2.600 aus dem Jahr 2016 zu erreichen. Zu den wichtigsten teilnehmenden Ländern zählt übrigens China, das mit 254 Ausstellern (und damit 75 mehr als vor zwei Jahren) das Feld der ausländischen Aussteller anführt. Darauf folgen mit 207 die Niederlande und Frankreich (128).

Schweinetoilette im Programm

Das gesellschaftliche Umfeld der Tierhaltung spielt laut DLG eine immer bedeutendere Rolle für die Tierhalter und deren Familien. In Deutschland, Frankreich, Polen, Russland und den USA wollen Schweinehalter die Klimaführung in den Ställen verbessern. Französische, polnische und britische Milchviehhalter wollen neue, tiergerechtere Ställe bauen. In den Niederlanden werden Ställe modernisiert, um Umweltauflagen zu erfüllen.

Diese Stimmung spiegelt sich in den eingereichten Messeneuheiten wider. So will die Schweinetoilette "Pig T" von Big Dutchman aus Vechta die Themen Tierwohl und Klimaschutz miteinander in Einklang bringen - was sich wohl auch in der vermenschlichten Namensgebung ausdrücken soll. Die mit der Silbermedaille prämierte Konstruktion reduziert die Ammoniakemissionen, indem sie die festen Bestandteile der Exkremente von den flüssigen trennt. Das geht mithilfe eines Förderbandes mit durchlässigen Kunststoffelementen. Auf dem Kunststoff können Kot, aber auch Stroh oder organisches Beschäftigungsmaterial verbleiben, der Harn sickert in eine Auffangwanne.

Von den mehr als 2500 Ausstellern nimmt der Futterbereich mit 880 Messeständen wieder den weitaus größten Teil ein. Der kritische Verbraucher wird auch hier bedient. So bietet das Futtermittelunternehmen Fanon aus Kroatien eine Lösung für den Wunsch nach einer palmölfreien Milchproduktion an. Das ist laut Firmenchef Mladen Jarnjak der nächste Ernährungstrend, der auf die GVO-freie Milch folgen wird. Kleinere Molkereien hätten bereits auf eine Fütterung mit palmölfreien Produkten umgestellt. Das Ergänzungsfuttermittel von Fanon besteht aus Rapsexpeller sowie Raps- und Sonnenblumenöl.

Dem Wunsch nach klimafreundlicher Milch- und Fleischproduktion schließlich kommt auch die Schweizer Firma Zulavida entgegen. Sie stellt auf der Eurotier das Ergänzungsfuttermittel Mootral vor. Es soll den Methanausstoß um mindestens 30 Prozent reduzieren.
Das sind interessante Nachrichten für expansionsfreudige Milchviehhalter, von denen es laut DLG-Marktanalyse wieder mehr gibt. Denn die Bereitschaft, Geld in den Betrieb zu stecken, liegt derzeit über dem langjährigen Durchschnitt. Für das Jahr 2018 plant mehr als jeder zweite Milchviehhalter in Deutschland, Polen und im Vereinigten Königreich, zu investieren. Vor allem in der Milchwirtschaft herrscht ein Ersatzbedarf nach der Rezession 2015/16, so die Erklärung der DLG.

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