Tierwohl

BMEL startet mit halbgarem Schweinefleisch-Label

Foto: Pixabay / Skeeze

2019 soll es so weit sein: Das staatliche Tierwohllabel wird Einzug halten in die Praxis. Die Wertschöpfungskette Fleisch fordert verbindliche Tierwohl-Standards.

Die Ankündigungen aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) terminieren den Start auf Mitte 2019. Erste mit dem Label versehene Produkte können im Frühjahr 2020 auf dem Markt sein. „Der Verbraucher kann dann entscheiden, mehr für Tierwohl auszugeben“, kündigte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) vor Kurzem an. Knapp zwei Jahre ist es her, dass der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) anlässlich der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin den Entwurf eines staatlichen Siegels für mehr Tierwohl vorgestellt hat. Bemängelt wurde bereits zu jener Zeit das Fehlen von Kriterien für geplante Stufen des Labels. Diese liegen auch bislang noch nicht vor. Doch der Druck auf das BMEL, zu handeln, nimmt zu.

Tierschutzorganisationen, die Fleischverarbeitende Industrie, Erzeuger sowie Verbraucher wünschen sich Ordnung in der Flut der verschiedenen, am Markt befindlichen Label. So zumindest beurteilt das BMEL das Vorhaben und verweist auf die hohe Autorität und Akzeptanz eines staatlichen Siegels. Nach den Plänen des BMEL soll es mit hoher Priorität zunächst für das Schwein eingeführt werden und dabei im ersten Schritt nur für die Mast gelten. Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Mastgeflügel in das System des Labels integriert werden. Für Rindfleisch ist angesichts der quantitativ nachrangigen Bedeutung sowie unkritischer Haltungsformen kein Tierwohllabel vorgesehen.

Kernelement des staatlichen Tierwohllabels soll die freiwillige Teilnahme sein. Erzeugerverbände sowie viele Fleischverarbeiter und auch des Lebensmittelhandels sprechen sich dagegen für eine verbindliche Beteiligung für die am Markt angebotenen Fleischwaren aus und liegen damit auf der Linie von Tierschutzverbänden. Sie befürchten, dass viele wichtige Abnehmer wie das Fleischerhandwerk, die Gastronomie oder Großküchen Waren, die nicht mit dem Label ausgestattet sind, beziehen werden. Der Effekt des staatlichen Tierwohllabels wäre eingeschränkt, Erfahrungen aus der Struktur der Initiative Tierwohl (ITW) liegen dazu ausreichend vor.

Die Politik hat europarechtliche Bedenken. Sie verweist auf Marktstudien, wonach nur 20 Prozent der Verbraucher bereit seien, einen Aufschlag für Fleischwaren mit einem Tierwohllabel zu zahlen. Nach allen bisher vorliegenden Erfahrungen beläuft sich der gesamte Anteil von Markenfleischprogrammen auf 1 bis 2 Prozent. Doch mit dieser „Willingness to pay“ – also der Zahlungsbereitschaft der Konsumenten – kalkuliert das staatliche Tierwohllabel. Und im Gegensatz zur bis Ende 2020 laufenden zweiten Phase der ITW können Erzeuger nicht mit Kompensationsmaßnahmen in Höhe von etwa 130 Mio. €/Jahr rechnen. Vielleicht bietet das staatliche Tierwohllabel eine Chance, doch bleiben viele Fragen offen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats