Franz-Josef Holzenkamp (M.) und Dirk Meyer (r.) mit az-Chefredakteur Olaf Deininger.
Sascha Hilgers
Franz-Josef Holzenkamp (M.) und Dirk Meyer (r.) mit az-Chefredakteur Olaf Deininger.
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Die Lieferketten können nicht so bleiben. Klimawandel und Ukraine-Krieg haben zu einem Erwachen geführt.

„Heute nicht verfügbar – Wie müssen die neuen Wertschöpfungs-Netzwerke aussehen?“ war das Thema einer weiteren Talkrunde beim ZDAE – mit Franz-Josef Holzenkamp, dem Präsidenten des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV), und Dirk Meyer, der sich beim Bundesentwicklungsministerium unter anderem um globale Gesundheit und Ernährungssicherheit kümmert.
Holzenkamp sagte: „Die Wertschöpfungsketten müssen widerstandsfähiger werden.“ Und Meyer ergänzte mit Blick auf die häufigen Dürren: „Der globale Süden hat den geringsten Anteil am Klimawandel. Aber es sind die ersten, die brutal von ihm erfasst werden.“ Der Krieg in der Ukraine hat nach Corona zu einer zusätzlichen Störung der globalen Lieferketten geführt, so Meyer weiter. Dies löse ein großes Erwachen aus.


Holzenkamp erklärte, man müsse die gesetzliche Ausgestaltung des europäischen Lieferkettengesetzes hinterfragen. Er sorge sich um den Mittelstand, der internationale Beziehungen pflege. Er nannte ein Fallbeispiel: In seiner Heimat gebe es ein Unternehmen, das Aminosäuren in China kaufe. Die Firma müsse nach gesetzlicher Planung künftig Informationen von ihrem Zulieferer zu Menschenrechten und Co liefern. Sollte dieser nicht liefern, hafte aber das deutsche Unternehmen. Holzenkamp verwies auf vergangene politische Fehleinschätzungen, die zu einer Energieabhängigkeit von Russland und einer Abhängigkeit von China in puncto Erhalt des Wohlstands hierzulande geführt hätten. Das könne so nicht weitergehen. „Wir müssen uns aktiv bemühen, das Ruder herumzureißen“, so der DRV-Präsident. Vor diesem Hintergrund dürfe das Freihandelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur nur unter der Prämisse gleicher Produktionsstandards abgeschlossen werden. Er vermisse hier eine öffentliche Haltung der Bundesregierung, die sich sonst auch zur Nachhaltigkeit im globalen Kontext äußere.
 
Zuvor hatte Julius Palm, stellvertretender Geschäftsführer des Lebensmittelherstellers Followfood, sein Konzept einer nachhaltigen Produktion und Lieferkette vorgestellt und dabei darauf hingewiesen, dass die Logistikosten zu einem sehr geringen Anteil die Nachhaltigkeitswerte beinflussen. Demgegenüber seien die Erzeugeranteile eher höher.




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