FeedMagazine

Der allgemeine Sprachgebrauch verwendet als Synonyme für pflanzliche oder phytogene Futterzusätze häufig „Kräuter“, „Phytobiotika“, „Gewürze“ und „ätherische Öle“.

Man unterscheidet zwischen verarbeiteten Ganzpflanzen, wie Gewürzen und Kräutern, Pflanzenteilen, wie Samen, Früchten und Wurzeln, und Extrakten aus Ganzpflanzen oder Pflanzenteilen und schließlich chemisch definierten Aromastoffen. Das Europäische Futtermittelrecht kennt hingegen keine phytogenen Zusatzstoffe, wohl aber Aromastoffe als sensorische Zusatzstoffe, darunter chemisch definierbare und pflanzliche Extrakte. Diese haben sich in den frühen 90er Jahren quasi im Geleitzug zur futtermittelrechtlichen Regelung der Diätfuttermittel als Zusatzstoffe eingeschlichen, ohne Prüfung, weil ja als Zusatzstoffe in Lebensmitteln etabliert.

Phytogene Zusatzstoffe sind Hoffnungsträger für die einen, die von einer Rückkehr antimikrobieller Wirkstoffe als Leistungsförderer träumen, grüne Ökologie für andere, die sich an (naturbelassenen) Kräutern im Futter für fröhliche Tiere berauschen, ein modischer Gag nur für wieder andere. Aktueller Anlass, folgenden Fragen nachzugehen: Was ist derzeit von der Zusatzstoffindustrie beantragt, wie weit ist die Beurteilung durch das FEEDAP Panel und welche Hoffnungen sind realistisch?

Im Zuge der Re-Evaluierung der Zusatzstoffe sind bei der Europäischen Kommission und der Efsa (Gruppen-)Anträge zur Weiterzulassung von 569 chemisch definierten Aromastoffen und 268 Botanicals (pflanzliche Extrakte) eingegangen. In der Beantragung wurden diese Zusatzstoffe als Aromastoffe klassifiziert, deren Zusatz zu Futtermitteln deren Geruch oder Schmackhaftigkeit verbessert (Definition der VO (EG) 1831/2003). Das macht die Prüfung auf Wirksamkeit einfach, die Stoffe müssen nur riechen, und als solche sind sie ja auch in der Humanernährung in Gebrauch. Folglich sind alle wirksam. Eine Verbesserung der Schmackhaftigkeit eines Futtermittels, die als Effekt am Tier eines Nachweises im Fütterungsversuch bedürfte, ist bisher nicht ein einziges Mal (!) beantragt worden.

Gleichwohl verläuft der Re-Evaluierungsprozess mehr als mühsam. Das liegt vor allem am fast völligen Fehlen von Verträglichkeitsdaten für die Zieltiere (in der Regel alle Tierarten und -kategorien). Die Sicherheit der einzelnen (569 !) Aromastoffe muss aus mehr als dürftigen toxikologischen Daten an Labortieren extrapoliert werden (in 252 Fällen von NOELS (no observed effect level), in 172 Fällen von TTC (Thresholds of toxicological concern). In 64 Fällen war eine Prüfung als nicht notwendig erachtet worden, da die Aromastoffe als Nährstoffe angesehen wurden (beispielsweise Fettsäuren, Aminosäuren), in 10 Fällen war die direkte Exposition des Verbrauchers höher als die der Zieltiere.

Die Antragsteller haben die Anwendungskonzentrationen (eine Normaldosis und deren Fünffaches) der einzelnen Aromastoffe aus ihrer Verfügbarkeit auf dem Markt abgeleitet und so drei Gruppen gebildet: für 400 Substanzen 1 mg/kg und 25 mg/kg, für 58 Substanzen 5 und 25 mg/kg und für 12 Substanzen 25 und 125 mg/kg Alleinfutter. Für bestimmte besonders toxische Aromastoffe wurden die beantragten Konzentrationen herabgesetzt (auf 0,5 mg/kg für 38 Substanzen und auf 0,05 mg/kg für weitere 54 Substanzen).

Die Autoren
Die Autoren – Gerhard Flachowsky und Jürgen Gropp – sind langjährige Mitglieder des EFSA Gremiums für Zusatzstoffe, Erzeugnisse und Substanzen in der Tierernährung (FEEDAP). Sie berichten aus der Arbeit des FEEDAP Gremiums. Die Artikel enthalten persönliche Darstellungen und Ansichten, nicht solche der EFSA oder der EU, und stimmen daher nicht notwendigerweise mit den Auffassungen der EFSA oder der EU überein. Die Autoren unterliegen als für die EFSA tätige Experten bestimmten Geheimhaltungsverpflichtungen.

Für 298 von den 515 beurteilten Substanzen (Stand Mai 2017) konnte die Sicherheit der für das Zieltier vorgeschlagenen Anwendungskonzentrationen bestätigt werden, für 198 Substanzen wurden von FEEDAP geringere Höchstkonzentrationen als beantragt abgeleitet, 15 weitere Substanzen konnten wegen das Fehlens ausreichender Daten zur Stoffcharakterisierung nicht evaluiert werden.

Es gibt praktisch keine Daten zur Metabolisierung im Tier oder der Rückstandsbildung in Lebensmitteln; die Sicherheitsbeurteilung für den Verbraucher stützt sich auf die Tatsache, dass dieselben Stoffe als Lebensmittelzusätze zugelassen sind und das Zieltier über die gleichen Schlüsselenzyme zur Metabolisierung verfügt.

Die Prüfung auf Umweltverträglichkeit basiert mangels spezifischer Daten auf der QSAR (Quantitative Struktur-Wirkungs-Beziehung) Toolbox, welche die quantitative Beziehung zwischen einer pharmakologischen, chemischen, biologischen oder physikalischen Wirkung oder Eigenschaft eines Moleküls mit seiner chemischen Struktur beschreibt. Die Toolbox erlaubt, chemische Stoffe in Kategorien einzuordnen, durch Analogiekonzepte (read across) Datenlücken zu schließen (und letztlich auch, falls notwendig, Prüfstrategien zu entwickeln).

Die Re-Evaluierung der Botanicals hat gerade erst begonnen, zu früh, um allgemeingültige Verfahren zu beschreiben und Schlüsse zu ziehen.

Aromastoffe (meist als Extrakte) als wirksames Prinzip in beantragten zootechnischen Zusatzstoffen sind (bisher) selten (<10). Die wenigen hierzu vorliegenden Anträge wollen die Eingruppierung der Aromastoffe in diese Zusatzstoffkategorie durch besseres Wachstum belegen. Spezifische zootechnische Effekte sind weder beantragt noch beschrieben, obwohl denkbar (Futteraufnahme, Sekretion der Verdauungsenzyme, Immunstimulation ebenso wie mögliche antibakterielle, kokzidiostatische, antivirale, entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften) und durch die VO 1831/2003 gedeckt (Stoffe, die Leistung und Gesundheitszustand von Tieren positiv beeinflussen). Möglichkeiten zur Differenzierung, zur begründeten Antragstellung und zur erfolgreichen Anwendung sensorischer Zusatzstoffe als innovative zootechnische Zusatzstoffe in der Praxis wären gegeben. Allein, es fehlt der Versuch (ein Antrag auf Zulassung).

stats