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Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ihren Sitz im italienischen Parma.
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Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ihren Sitz im italienischen Parma.
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Der Verbrauch in der Humanmedizin ist erstmals höher. EFSA und EMA sowie ECDC veröffentlichen eine gemeinsame Analyse zum Zeitraum 2016 bis 2018.

Der Einsatz von Antibiotika in der Fleischproduktion ist EU-weit zurückgegangen. Bei zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren ist die relative Menge sogar erstmals geringer als beim Einsatz in der Humanmedizin. Zu diesen Ergebnissen kommt ein jüngst von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) sowie dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) veröffentlichter Bericht.

Die Untersuchung der drei EU-Agenturen befasst sich mit dem Antibiotikaverbrauch und der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen im Zeitraum von 2016 bis 2018 in den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). Unterschiede beim Antibiotikaverbrauch zwischen Mensch und Tier wurden dem Bericht zufolge beispielsweise im Jahr 2017 beobachtet. Der Gesamteinsatz bei zur Lebensmittelgewinnung dienenden Tieren habe mit durchschnittlich 108,3 mg/kg-1niedriger als beim Menschen mit durchschnittlich 130,0 mg/kg gelegen. Damit sei das erste Mal seit Beginn entsprechender Studien im Jahr 2011 ein insgesamt höherer relativer Verbrauch beim Menschen registriert worden. Der Rückgang des Antibiotikaeinsatzes bei Nutztieren deutet laut Bericht darauf hin, dass die diesbezüglich ergriffenen Maßnahmen der Mitgliedstaaten wirksam sind.

Einsatz der Polymyxine halbiert

Der Einsatz der als Polymyxine bezeichneten Arzneimittelklasse, zu der unter anderem der Wirkstoff Colistin gehört hat sich dem Bericht zufolge, im genannten Zeitraum nahezu halbiert. Die EFSA begrüßt diese Entwicklung, da Polymyxine auch in Krankenhäusern zur Behandlung von Patienten mit multiresistenten bakteriellen Infektionen eingesetzt würden. Allerdings wird auch unterstrichen, dass die Lage mit Blick auf antimikrobielle Resistenzen (AMR) in der EU „nicht sehr einheitlich“ sei und je nach Land und Arzneimittelklasse beträchtlich variiere. So kommen nach Angaben der EFSA offenbar Aminopenicilline, Cephalosporine der dritten und vierten Generation sowie Chinolone - darunter Fluorchinolone - in höheren Anteilen bei Menschen als bei Nutztieren zur Anwendung. Demgegenüber würden Polymyxine und Tetracycline mehr bei Tieren als bei Menschen zum Einsatz kommen.

Resistenzgefahr bei Escherichia coli

Der Bericht legt nahe, dass der Einsatz von Carbapenemen, Cephalosporinen der dritten und vierten Generation und Chinolonen bei mit Escherichia coli infizierten Menschen mit der Resistenz gegen diese Antibiotika assoziiert sein soll. Bei zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren habe man vergleichbare Zusammenhänge feststellen können. Darüber hinaus zeigt die Untersuchung Zusammenhänge zwischen der Verwendung von Antibiotika bei Tieren und Antibiotikaresistenzen in Bakterien von Nutztieren auf, die wiederum mit Antibiotikaresistenzen bei Bakterien von Menschen assoziiert sein sollen. Als konkretes Beispiel werden verschiedene Campylobacter-Bakterien genannt, die in zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren vorkommen sollen und beim Menschen lebensmittelbedingte Infektionen verursachen.

Lesen Sie zum Thema „Einsatz von Antibiotika“ auch den Kommentar von afz-Chefredakteur Jörg Schiffeler: „Viel erreicht, viel vor der Brust“.



Dieser Text erschien zuerst auf www.fleischwirtschaft.de.

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