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Das Feedap Panel hat in der jetzt abgelaufenen Mandatsperiode (Juli 2015 bis Juni 2018) in 21 Sitzungen (darunter 3 Open Plenaries) 208 wissenschaftliche Stellungnahmen (einschließlich der Guidance-Dokumente) erarbeitet und verabschiedet. Das neue Panel (ab Juli 2018) ist kleiner und weiblicher als bisher, es umfasst 17 (bisher 21) Mitglieder, davon 10 (bisher 5) Wissenschaftlerinnen. Vier Mitglieder kommen aus Spanien, drei aus Italien, zwei aus Portugal und je eines aus Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Niederlande, Slowenien und Tschechien. Die vier klassischen „Tierernährer“ kommen aus Bulgarien, Frankreich, Griechenland und Spanien. Zwölf bisherige Mitglieder, die zusammen 120 Jahre Erfahrung als Risikobewerter im Feedap Panel haben, sind ausgeschieden; neun sind verblieben mit insgesamt 42 Jahren einschlägiger Feedap-Erfahrung. Wir wünschen dem neuen Panel einen guten Start und viel Erfolg.

Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels sind beide Autoren nicht mehr Mitglieder des Feedap Panels. Nach 12 bzw. 9 Jahren Mitgliedschaft ist es Zeit zum Aufhören, vielleicht auch aus eigener Einsicht, berücksichtigt man das Alter der Autoren. Wie sieht das die Behörde? Efsa hat 2017 die Regeln dergestalt geändert, dass nach neun Jahren Mitgliedschaft (drei Mandatsperioden) in einem Gremium Schluss sein muss, unabhängig davon, ob die drei mal drei Jahre direkt aufeinanderfolgen (wie das bisher die Regel war) oder nicht; jetzt gilt allein die Summe. Das mag Sinn machen, weil es der „Vergreisung“ der Gremien Einhalt gebietet und Platz für Jüngere schafft, zugleich auch neuen Ideen und Einsichten Raum bietet. Das mag kontraproduktiv sein, weil es Erfahrung aus dem Gremium herausnimmt, einen zumindest zeitweiligen Kompetenzverlust hinnimmt und im Entscheidungsprozess das Gewicht der Behörde (der Facheinheit – unit – und deren scientific officers) zulasten der Sachverständigen (der Panel- Mitglieder) verstärkt. Dadurch wächst beispielsweise die Gefahr, dass die Guidance- Dokumente des Feedap Panels künftig eine allzu wortgetreue Auslegung erfahren. Die sinngemäße Interpretation des Inhalts, was ursprünglich gewollt war, tritt dagegen in den Hintergrund und gerät möglicherweise sogar in Vergessenheit, weil die Auslegung der Anleitungen über Jahre konsistent sein muss. Gleichwohl steht Konsistenz immer im Konflikt mit neuen Erkenntnissen durch den wissenschaftlichen Fortschritt. Sorgfältige Abwägung und Transparenz des Entscheidungsweges sind angezeigt.

International haben sich die Efsa und damit auch ihre Gremien nach 15 Jahren Existenz eine beachtliche Reputation erarbeitet. Das NRC (das Nationale Forschungs-Council der USA) schätzte beispielsweise ein, „dass die Efsa als unabhängige Europäische Behörde ein Kernelement der europäischen Sicherheitsbewertung von Lebens- und Futtermitteln ist. Die Efsa-Berichte sind unabhängige wissenschaftliche Stellungnahmen und können unter anderem eine Basis für Forschungsprioritäten auf dem Gebiet der Nutztierwissenschaften darstellen“. Als Feedap-Panel-Mitglieder können wir dem letzten Satz nur beipflichten. Nicht alle Bewertungen können völlig zweifelsfrei vorgenommen werden, häufig bleibt ein mehr oder weniger großer Rest an Ungewissheiten zurück, der dringlich weiterführender Forschung bedürfte, um ein Mehr an Sicherheit in der Risikobewertung zu erreichen. Efsa hat hierfür kein Geld und kein Budget für experimentelle Studien, obwohl die Gründungsakte der Efsa (VO (EG) Nr. 178/2002) unter dem Erwägungsgrund 48 vorsieht: „Die Behörde sollte ferner in der Lage sein, die für die Erfüllung ihrer Aufgaben notwendigen wissenschaftlichen Studien in Auftrag zu geben.“ Nun soll Efsa sich bestimmt nicht zu einer weiteren europäischen Forschungsförderinstitution entwickeln; ein kleines Budget jedoch für „Feuerwehraktionen,“ welche in bestimmten Fällen die Ungewissheiten entscheidend verringern oder zu deren gewünschter Quantifizierung beitragen könnten, wäre jedoch durchaus angebracht. Es wäre auch wünschenswert, wenn die Efsa im Nominierungsverfahren zur Besetzung der Panels eigene Vorschläge einbringen könnte, wie dies bei Besetzung der Arbeitsgruppen heute schon möglich ist und praktiziert wird. Eine Überarbeitung der Gründungsakte, derzeit im EU-Parlament anhängig, sollte zu einer Behebung der genannten Defizite beitragen.

Die Autoren

Die Autoren – Gerhard Flachowsky und Jürgen Gropp – sind langjährige Mitglieder des EFSA Gremiums für Zusatzstoffe, Erzeugnisse und Substanzen in der Tierernährung (FEEDAP). Sie berichten aus der Arbeit des FEEDAP Gremiums. Die Artikel enthalten persönliche Darstellungen und Ansichten, nicht solche der EFSA oder der EU, und stimmen daher nicht notwendigerweise mit den Auffassungen der EFSA oder der EU überein. Die Autoren unterliegen als für die EFSA tätige Experten bestimmten Geheimhaltungsverpflichtungen.

Anlässlich der Nominierung der Sachverständigen für die Mandatsperiode 2018-2021 durch den Verwaltungsrat (Management Board) im März 2018 hat dessen Vorsitzende ausgeführt, dass noch immer mehr getan werden müsse, um talentierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von bisher unterrepräsentierten Mitgliedstaaten zu einer Bewerbung zu ermutigen. Sie betonte auch die Bedeutung der Mitgliedschaft in Arbeitsgruppen, welche die Arbeit der Panels unterstützen, als einen Einstieg in die wissenschaftliche Gemeinschaft der Efsa. Die Autoren bezweifeln jedoch, ob dies der richtige Ansatz ist, das Wissen der Europäischen Gemeinschaft in der Risikobewertung der Efsa zu bündeln. Spielen da nicht die Anzahl der Wissenschaftler in den einzelnen Mitgliedstaaten, das gesamte Forschungsbudget eines Mitgliedstaates, die Anzahl „peer reviewter“ Publikationen – um nur einige andere Kriterien zu nennen – eine wichtige oder gar größere Rolle? Der Leser mag seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen und diese mit der Besetzung des Feedap Panels vergleichen.

Bei dieser Diskussion muss man sich auch fragen, wie hoch der Zeitaufwand für ein Mitglied des Feedap Panels einzuschätzen ist. Lassen Sie uns annehmen, dass die Mehrzahl möglicher Kandidaten für eine Panelmitgliedschaft aus Universitäten oder nationalen Forschungseinrichtungen kommt. Alle dort Arbeitenden leben einen straffen Zeitplan aus Lehrverpflichtungen, eigenen Forschungsarbeiten und Publikationen, (Selbst-)Verwaltung, Gremienarbeit, der Verpflichtung, Drittmittel einzuwerben, der Betreuung von Studenten und Doktoranden usw. Bei mittlerer Arbeitsbelastung fallen für das Feedap Panel jährlich etwa sechs Plenarsitzungen (zweieinhalb Tage in Parma) und eine Vielzahl von Arbeitsgruppensitzungen (ein Panel-Mitglied ist mindestens auch Mitglied in zwei Arbeitsgruppen mit etwa 10 bis 15 Sitzungstagen, davon etwa die Hälfte als Audio-web Halbtags-Konferenzen). Hinzu kommt für nordeuropäische und bestimmte mitteleuropäische Mitglieder nahezu ein voller Tag für die An- und Abreise zu den Sitzungen in Parma (ohne internationalen Flughafen), der nur sehr bedingt für andere Arbeiten genutzt werden kann. Das „durchschnittliche“ Panelmitglied ist folglich etwa 30 Tage (+6 Tage für Reisen) außer Haus und weitere 10 bis 15 Halbtage mit Konferenzen beschäftigt. Dem Gesamtstunden-Aufwand an Arbeit in Sitzungen kann noch ein gleicher für vorbereitende Arbeit hinzuaddiert werden. Viele Arbeitgeber (besonders in den nordischen Ländern) wollen das nicht tolerieren. Welcher ambitionierte junge Forscher kann dies auf sich nehmen, ohne seine Karriere zu riskieren? Wem kann man eine Bewerbung noch anraten? Ausreichend Zeit haben die Senioren in Rente. Das ist auch keine vielversprechende Alternative; Efsa kann das nicht wollen. Wie dem aber gegenzusteuern ist, bleibt offen. Stößt das System Efsa hier an seine Grenzen? Die bereits erwähnte Überarbeitung der Gründungsakte sieht eine verstärkte Einbindung der Mitgliedstaaten (ihrer Experten) in die wissenschaftlichen Gremien vor. Abhilfe wäre folglich in Sicht? Eine Umsetzung der „guten Absicht“ unterliegt wiederum den Richtlinien der Mitgliedstaaten. Gleichzeitig würde allerdings der Einfluss der Mitgliedstaaten und der EU- Kommission auf die Ergebnisse der Efsa-Bewertungen zunehmen – die Autoren befürchten eine Beschädigung der Unabhängigkeit der Efsa.

Die Arbeit in den Efsa Panels, in den multinational zusammengesetzten Gremien, ist überaus interessant – nicht nur weil man viel Neues erfährt, weil man fast täglich hinzulernen kann und auch Anregungen für die eigene Forschung und Lehre erfährt, oder weil sie einfach Spaß macht, nein, sie prägt das Leben, weil man Europa erfährt und leben kann. Man trifft Kolleginnen und Kollegen in den Panels, in den Arbeitsgruppen und im Shuttle von Mailand oder Bologna nach Parma und eventuell auf dem Rückweg, nicht nur von anderen wissenschaftlichen Disziplinen, nein, auch von anderen Nationalitäten mit ihrem verschiedenen Hintergrund aus Erziehung, Sozialisierung und rationalem Denken, einer anderen Logik. Man glaubt anfänglich kaum, dass das alles gutgehen kann, wie soll man sich da einigen? Aber: Nach unterschiedlich langer Diskussion findet sich eine gemeinsame Schlussfolgerung, eine gleiche Einschätzung des Risikos. Es ist eine überaus beglückende Erfahrung, dass Europa mit seinen verschiedenen Vertretern und Vertreterinnen funktionieren kann, dass es wirklich lebt und kein blutleeres Gebilde politischer Technokraten ist. Die Europäische Union hat Entwicklungspotenzial! Mit Vorbehalten gegen Europa aus Biertischgesprächen konfrontiert, bleibt uns häufig nur ein tiefes Bedauern über unser Unvermögen, diese Erfahrung unmittelbar weiterzuvermitteln. Wer in einer Europäischen Behörde mit Kolleginnen und Kollegen aus den Mitgliedstaaten das Glück hat, arbeiten zu dürfen, wird ein überzeugter Europäer, er hat keine Chance, ein Anderer zu werden. Das ist auch ein wichtiges, unser ganz persönliches Fazit aus 15 Jahren Arbeit in der und für die Efsa und ein dickes Pfund Hoffnung für die Zukunft.

Zum Abschied bleibt uns nur die Hoffnung, Ihr Interesse, das der Leser, an Sinn und den Ergebnissen der Feedap Arbeit geweckt zu haben, und das Bedauern, uns von Ihnen verabschieden zu müssen. Wir möchten uns auch bedanken bei der Efsa, dass sie unseren Vorschlag, aus der Arbeit des Feedap Panels zu berichten, gebilligt hat, und beim Verlag (insbesondere bei Herrn Bernd Springer), dass er Vertrauen in uns investiert und unsere – häufig überlangen – Beiträge stets akzeptiert hat.

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