„Auch wenn es um die Afrikanische Schweinpest in den Medien zurzeit ruhiger geworden ist, ist die Gefahr keineswegs gebannt“, so Agrarminister Till Backhaus.
Foto: MAGO / BildFunkMV
„Auch wenn es um die Afrikanische Schweinpest in den Medien zurzeit ruhiger geworden ist, ist die Gefahr keineswegs gebannt“, so Agrarminister Till Backhaus.
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Agrarminister Till Backhaus warnt wegen naher Virusnachweise im Nachbarland vor einer Einschleppungsgefahr. In Italien bleiben neue Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf die bisherige Region beschränkt.

Das Geschehen um die ASP in Deutschland ist zuletzt aus den medialen Schlagzeilen verschwunden. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus warnte am vergangenen Mittwoch jedoch, dass nach wie vor eine hohe Einschleppungsgefahr aus Polen bestehe. So habe es jüngst einen ASP-Nachweis bei einem Wildschwein in der Wojewodschaft Westpommern gegeben, nur 13 km Luftlinie von der Grenze des Landkreises Vorpommern-Greifswald entfernt. „Auch wenn es um die Afrikanische Schweinpest in den Medien zurzeit ruhiger geworden ist, ist die Gefahr keineswegs gebannt“, so der Minister. Regelmäßig würden aus Brandenburg, Italien und Osteuropa Informationen über neue ASP-Fälle gemeldet. „Insbesondere der Infektionsdruck aus Polen ist nach wie vor hoch und versetzt die Behörden hierzulande in erhöhte Alarmbereitschaft“, stellte Backhaus fest.

Der aktuelle Fall in unmittelbarer Nachbarschaft zeige, wie wichtig künstlich geschaffene Barrieren seien, um die Wanderbewegungen des Schwarzwildes einzuschränken und damit eine Ausbreitung der Seuche nach Westen zu verhindern. „Wer die Zaunbaumaßnahmen entlang der polnischen Grenze vor diesem Hintergrund immer noch in Frage stellt, handelt in meinen Augen nicht wissensbasiert und scheint eigene Interessen vor das Wohl der Allgemeinheit zu stellen“, monierte Backhaus. Er hoffe daher, dass die Zaunbauarbeiten im Landkreis Vorpommern-Greifswald zügig vorankämen. Ziel sei bald einen Schutzkorridor zu haben, in dem die Wildschweinpopulation maximal verringert werden könne, um Mecklenburg-Vorpommern weiterhin vor einem flächenhaften Eintrag der ASP zu schützen. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) gab es bis vergangenen Mittwoch deutschlandweit in den drei betroffenen Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 3.523 offizielle ASP-Nachweise, davon vier in Hausschweinehaltungen.

Forscher untersuchen Ausbruchsgeschehen

Die ASP-Infektionen von Wildschweinen im sächsischen Landkreis Meißen im Oktober und November 2021 wurden höchstwahrscheinlich nicht durch eine Einschleppung von anderen Wildschweinen aus Ostsachsen verursacht, sondern waren ein eigenes Seuchengeschehen. Wie Sachsens Sozialministerium mitteilte, kam jetzt eine modellbasierte Untersuchung von Forschern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig zu diesem Ergebnis. Demnach hätte eine Einschleppung durch andere Schwarzkittel viel früher erfolgen und entdeckt werden müssen. Daher müsse die Virusübertagung auf einem anderen Weg erfolgt sein, wahrscheinlich durch den Faktor Mensch, zum Beispiel durch nicht ordnungsgemäß entsorgte Speiseabfälle, so die Forscher.


„Dieses Modellierungsergebnis bestätigt uns, wie wichtig es nach wie vor ist, dass die Öffentlichkeit mithilft, diese Tierseuche zu bekämpfen“, erklärte der Leiter des ASP-Krisenstabes in Sachsen, Sebastian Vogel. Nahrungsreste sollten nicht achtlos weggeworfen, sondern in den dafür vorgesehenen Behältern entsorgt werden. Andererseits bedeute das Ergebnis aber auch, dass die Ausbrüche im Wildschweinebestand des Landkreises Meißen als eigenständiges Geschehen behandelt werden müssten. „Damit sind die Errichtung von Zäunen bei gleichzeitiger Reduzierung des Schwarzwildbestandes und der Bergung verendeter Tiere die einzig möglichen und die richtigen Maßnahmen“, betonte Vogel. Dies habe gewirkt, und bisher sei eine Übertragung auf Hausschweinbestände verhindert worden.

Sperren entlang der Autobahnen

In Norditalien ist nach Angaben des Experimentellen Zooprophylaktischen Instituts Umbrien (IZSUM) die Zahl der ASP-Fälle im Wildschweinebestand bis Anfang März auf 46 gestiegen. Dabei gab es 25 Virusnachweise bei Alessandria in der Region Piemonte sowie 21 gefundene ASP-Kadaver bei Genua in der Region Ligurien. Wöchentlich kamen zuletzt nur einige wenige Fälle hinzu. Hausschweine waren bisher nicht betroffen. Damit das so bleibt und die Tierseuche unter Kontrolle zu bringen, haben dem Informationsportal „PigProgress“ zufolge die italienischen Behörden beschlossen, parallel zu den vom Norden nach Süden verlaufenden Autobahnen A7 und A26 Wildschweinsperren zu errichten. So soll die Infektionszone mit etwa 116 km Wildschweinebarrieren eingezäunt werden.


Der gesamte Zaun soll bis zum Ende des Sommers fertiggestellt sein und dürfte rund 12 Mio. € kosten. Geplant ist zudem, in dem abgegrenzten Gebiet den Wildschweinebestand durch Abschuss massiv zu verringern. AgE

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