"Ich bin froh, dass wir nun noch besser auf die Bekämpfung der ASP vorbereitet sind“, so Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast.
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"Ich bin froh, dass wir nun noch besser auf die Bekämpfung der ASP vorbereitet sind“, so Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast.
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Das Bundesland wappnet sich gegen die Tierseuche. 150 km Schutzzaun sollen einen möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest verhindern. Die Bundeswehr hilft.

Um auf einen möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gut vorbereitet zu sein, hat Niedersachsen 150 km Schutzzaunmaterial für 1,1 Mio. € angeschafft. Bei der Einlagerung des Materials am Bundeswehrstandort in Bergen bei Bad Fallingbostel machte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast klar, dass bei einem Ausbruch sofortige Maßnahmen nötig seien. „Die Gefahr rückt leider näher. Ich bin froh, dass wir nun noch besser auf die Bekämpfung der ASP vorbereitet sind“, erklärte die Ministerin.

Zum einen stehe nun der wichtige Schutzzaun zur Verfügung, zum anderen sei mit Unterstützung der Bundeswehr ein sicherer Lagerort gefunden worden. Bei Notlagen könne die Bundeswehr gemäß Grundgesetz auch im Inland zum Einsatz kommen; so seien im Kampf gegen die Tierseuche bereits niedersächsische Kräfte der Heimatschutzkompanien in Brandenburg bei der Fallwildsuche eingesetzt worden. Laut dem Vizepräsidenten des Landvolks Niedersachsen, Jörn Ehlers, ist mit der Einlagerung des schnell verfügbaren Zaunes für Restriktionsgebiete „ein weiterer Schritt in Sachen ASP-Vorsorge“ gegangen worden. Er hoffe aber, dass der Zaun erst gar nicht zum Einsatz kommen müsse.

Fehlende Abnahmezusagen

Für den Ernstfall eines ASP-Ausbruchs mahnte Ehlers die Zusage der Schlachtbranche zur Abnahme von Tieren an. Bundesweit gebe es bisher nur zwei Schlachthöfe in Kellinghusen und Perleberg, die sich bereit erklärt hätten, aus den schon jetzt von ASP bei Wildschweinen betroffenen Gebieten Tiere zu schlachten. Folglich stauten sich Schweine und es komme zu Marktverwerfungen. „Im Ausbruchsfall bei Hausschweinen ist das Hauptproblem, dass das EU-Recht die Sperrzone III mit einem Mindestradius von 10 km um die betroffene Tierhaltung für wenigstens drei Monate aufrechterhalten will“, erklärte der Landvolkvizepräsident. Kein einziger Schlachthof in Deutschland habe sich bisher bereit erklärt, Tiere aus dieser Zone zu schlachten, weil es keinen Markt für dieses zu Unrecht stigmatisierten Fleisch gebe.


Dabei würden lebende Schweine - wie auch deren Produkte - aus ASP-Gebieten genau untersucht und könnten nur erregerfrei die Zone verlassen. „Es müssen sich viel mehr Schlachtbetriebe bereits zu ‚Friedenszeiten‘ bereiterklären, Tiere aus Restriktionszonen abzunehmen“, bekräftigte Ehlers. Die Politik müsse zudem rechtliche Rahmenbedingungen und Absatzmöglichkeiten für fälschlicherweise „gebrandmarkte“ Produkte aus Restriktionszonen schaffen und im Fall von ASP bei Hausschweinen die Frist für die Sperrzone III deutlich verkürzen.

Kompletter Kreis Görlitz betroffen

In Sachsen mussten unterdessen aufgrund neuer ASP-Infektionen von Wildschweinen im Landkreis Meißen sowie im westlichen Teil des Kreises Bautzen und dem südlichen Teil des Kreises Görlitz die Restriktionszonen erweitert werden. Das gefährdete Gebiet mit Sperrzone II erstreckt sich nach Angaben des Sozialministeriums vom vergangenen Freitag in Ostsachsen nun auf den gesamten Kreis Görlitz sowie Teile des Kreises Bautzen über zusammen 2.742 km2. Neben jagdrechtlichen Beschränkungen ist in der Sperrzone II jede Schweinehaltung dem zuständigen Veterinäramt anzuzeigen; Auslauf- und Freilaufhaltungen dieser Tiere sind in der Sperrzone II verboten.

Zudem ist das Verbringen von Schweinen ebenso untersagt wie die Neu- beziehungsweise Wiedereinstallung. Ausnahmen davon kann nur das Veterinäramt des Kreises genehmigen. Auch frisches Schweinefleisch oder Schweinefleischerzeugnisse von Tieren aus dem gefährdeten Gebiet dürfen dieses nicht verlassen. „Ein solcher Fund außerhalb der bisherigen Restriktionszonen war nicht auszuschließen gewesen. Wir haben schnell reagiert und wollen mit den sofort begonnenen Maßnahmen das Ausbruchsgeschehen innerhalb der festgelegten Zonen begrenzen“, erklärte der sächsische Leiter des ASP-Krisenstabes, Sebastian Vogel. Er appelliere an alle Jäger und Schweinehalter in dieser Region, die Maßnahmen der Biosicherheit strikt einzuhalten. AgE
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