Soja muss zertifiziert und nachhaltig sein

Den Anteil von Sojaschrot im Mischfutter hat Agravis in den vergangenen Jahren um 40 % reduziert.
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Den Anteil von Sojaschrot im Mischfutter hat Agravis in den vergangenen Jahren um 40 % reduziert.
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Die Mehrzahl der Mischfutterwerke der Agravis Raiffeisen AG verwendet seit dem laufenden Jahr in der Produktion ausschließlich Soja aus zertifiziertem nachhaltigem Anbau. Der Anteil heimischer Futterkomponenten ist insgesamt deutlich gestiegen.

„Dies ist ein weiterer Schritt, unsere wirtschaftliche Entwicklung und Produktion auf eine nachhaltige und ressourcenschonende Weise auszurichten“, erläutert Dr. Dirk Köckler, Vorstandsvorsitzender der Agravis Raiffeisen AG. Das Unternehmen setze sich für einen verantwortungsbewussten Umgang mit wertvollen Ressourcen sowie für eine nachhaltige Wertschöpfungskette in der Rohstoffbeschaffung für Futtermittel als Teil der Agrarlieferkette ein. Bereits seit Anfang Januar 2022 verwendet die Mehrzahl der Mischfutterwerke, die die Agravis teilweise partnerschaftlich mit Genossenschaften betreibt, in der eigenen Produktion ausschließlich Soja aus nachhaltig zertifiziertem Anbau. Darüber hinaus unterstützt die Agravis den Anbau von nachhaltig angebautem Palmöl für die Herstellung von Futtermitteln durch den Kauf von Zertifikaten.

Zertifizierungen als wichtiges Instrument

Im vergangenen Jahr haben die Agravis und ihre genossenschaftlichen Partner in den Mischfutterwerken rund 260.000 t Sojaschrot zur Herstellung von Futtermitteln verarbeitet. „Als Futtermittelhersteller sind wir darauf angewiesen, eiweißreiche Futtermittel wie Sojaextraktionsschrot zu importieren. Dabei legen wir Wert auf nachhaltige und zertifizierte Produkte und sehen diese Zertifizierungen als ein wichtiges Instrument für mehr Nachhaltigkeit in den Herkunftsländern und der Lieferkette“, beschreibt Bernd Schmitz, Leiter des Bereichs Futtermittel der Agravis Raiffeisen AG. Darüber hinaus haben sich auch die Rezepturen der Mischfutter verändert.

Mehr Leguminosen im Futtermittel

So sei in den vergangenen zehn Jahren der Anteil von Sojaextraktionsschrot in den Mischfutterrezepturen von Agravis um 40 Prozent reduziert worden, heißt es weiter. Dafür stiegen die Anteile an heimischen Futtermitteln an, zum Beispiel wurden 18 Prozent mehr Futtergetreide im Mischfutter eingesetzt und 16 Prozent mehr Rapsextraktionsschrot. Deutsche Tierhalter könnten einen Großteil des Futterbedarfs ihrer Tiere mit Gras, Getreide und Mais selbst decken. „Dennoch ist Deutschland derzeit darauf angewiesen, eiweißreiche Futtermittel wie Sojaextraktionsschrot zu importieren“, erläutert Schmitz weiter. „Soja aus nachhaltigem Anbau in Brasilien ist aufgrund günstiger klimatischer Bedingungen eine hocheffiziente Proteinquelle besonders für Jungtiere von großer globaler Bedeutung. Wir gehen davon aus, dass die moderne Saatzucht in Zukunft Sojabohnen anbieten wird, die sich auch in Deutschland wirtschaftlich anbauen lassen. Im vergangenen Jahr konnten wir den Einsatz von Leguminosen im Futtermittel versechsfachen“, so Schmitz.
Vielfältige Ansätze für mehr Nachhaltigkeit

Die Agravis berücksichtigt nach eigenen Angaben unterschiedliche Nachhaltigkeitsstandards, die allesamt ein Ziel haben: eine verantwortungsbewusste Sojaproduktion, die ausgeweitet werden soll. Als Mitglied des Verbandes Deutscher Tiernahrung e. V. (DVT) orientiere sich das Unternehmen an den Vorgaben des FONAP (Forum Nachhaltiges Palmöl) und des FONEI (Forum Nachhaltige Eiweißfuttermittel). Händler und Verarbeiter von Ölsaaten stehen uneingeschränkt zum Soja-Moratorium für die Amazonas-Region (Amazon Soy Moratorium – ASM). Gemeinsam beteiligen sich die Akteure am Ausbau nachhaltiger Lieferketten. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen über den DVT aktiv im europäischen Verband FEFAC (European Feed Manufacturers' Federation) mit und richtet sich beim Sojaeinkauf an den FEFAC Soy Sourcing Guidelines 2021 aus.

Für den Bereich Palmfette und -öle plant die Agravis in 2022 den Einsatz von Ware, die unter den RSPO-Standard (Roundtable on Sustainable Palm Oil) fällt. Dieser sei durch soziale und ökologische Kriterien gekennzeichnet, um negative Auswirkungen des Palmölanbaus zu minimieren. Aktuell würden bei AGRAVIS die notwendigen Schritte mit den Zertifizierungsgebenden geprüft. Durch den Einsatz von Palmöl und Soja aus nachhaltig zertifiziertem Anbau sei es dem Unternehmen möglich, die fürs Klima wichtigen Regenwälder zu schützen. Ein wichtiges Engagement in diese Richtung sei ferner die Zusammenarbeit mit der größten brasilianischen Kooperative Coamo, die über ein eigenes Nachhaltigkeitssystem verfüge.

 

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