Baywa-CEO Klaus Josef Lutz kritisiert ein ungarisches Dekret zu Getreideexporten. (Archivbild)
Baywa/Falk Heller
Baywa-CEO Klaus Josef Lutz kritisiert ein ungarisches Dekret zu Getreideexporten. (Archivbild)
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Der Münchner Baywa-Konzern hat einen neuen Geschäftsbereich. „New Protein Solutions“ verbindet Agrargeschäft und Lebensmittelverarbeitung.

Bereits Mitte der 2030er Jahre wird sich das Verhältnis zwischen konsumierten Tier- und Pflanzenprodukten in Richtung der pflanzlichen Alternativen verschoben haben. Dies geht aus dem ersten Baywa Protein Zukunftsbericht hervor. Demnach rechnet der Konzern damit, dass der Anteil an Flexitariern, Vegetariern und Veganern in der westlichen Welt weiter zunehmen wird. Um den weltweit steigenden Proteinbedarf der Konsumenten zu decken, würden sowohl das Angebot an proteinreichen Lebensmitteln als auch die Zahl der Proteinquellen im kommenden Jahrzehnt zunehmen. Dabei hätten sowohl tierische als auch pflanzenbasierte Produkte ihren Platz.
 
„Nach unserer Markteinschätzung stehen wir am Beginn einer pflanzlichen Revolution“, sagte Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der Baywa AG. „Das starke Wachstum der Weltbevölkerung führt auch zu einem höheren Bedarf an Nahrungsmitteln. Um diesen Bedarf zu decken, werden alternative Proteinquellen in zehn, 20 Jahren eine noch wichtigere Rolle im Ernährungssystem spielen.“ Aktuell mache der Krieg in der Ukraine sehr deutlich, was Versorgungssicherheit global bedeutet. Die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern seien durch den Ausfall der Ukraine als Getreidelieferant akut von Hunger bedroht.
 
Baywa-Vorstandsmitglied Marcus Pöllinger, der unter anderem das deutsche Agrargeschäft verantwortet, ergänzte: „Alternative Proteine sind Teil unserer Wachstumsstrategie im Agrarbereich. Als Partner der Landwirte und Bindeglied zwischen der Erzeugung auf den Höfen, der Verarbeitung und dem Lebensmitteleinzelhandel leisten wir aktiv einen Beitrag dazu, dass Menschen Zugang zu hochwertigen Nahrungsmitteln haben. Dazu gehört auch, die Proteinversorgung von Morgen nachhaltig zu sichern.“

Datenbasis des Berichts
Die Analyse im Protein-Zukunftsbericht basiert laut Baywa auf der Erhebung unterschiedlicher Messwerte aus Beobachtungen, einer Umfrage mit 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie Experteninterviews. Im Zuge dessen seien Robles-Golan und ihr Team auch selbst zu Konsumenten geworden. Sie haben mehr als 80 pflanzenbasierte Proteinprodukte, die aktuell im Lebensmitteleinzelhandel als Alternative zu Milch, Käse, Fleisch und Fisch verkauft werden, getestet und bewertet. Als Kernkennzahl wurde der Net Promoter Score errechnet. Mit einem Net Promoter Score von 25 Prozent schneiden Trinkmilch-Alternativen den Angaben zufolge in der Befragung am besten ab. Hafermilch und Co. seien in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Etablierung von Alternativ-Käse stecke indes noch in den Anfängen. Hier ergab der Net Promoter Score einen Wert von minus 27,5 Prozent. Der Herstellungsprozess sei je nach Käsesorte komplex. Durch den Einsatz von Präzisions-Fermentationstechnologien würden sich die Käsealternativen dem tierischen Original in Geschmack und Textur in Zukunft jedoch immer weiter annähern.


Im neuen Geschäftsbereich „New Protein Solutions“ verbindet die Baywa dafür landwirtschaftliche Erzeugung mit technologischer Lebensmittelverarbeitung. Neben dem Handel von pflanzenbasierten Rohstoffen investiert das Unternehmen laut eigenem Bekunden in technologiebasierte Protein-Start-ups und neue Partnerschaften zur Protein-Extraktion. „Der Markt basiert bisher weitgehend auf herkömmlichen Verarbeitungsmethoden. In Zukunft werden wir neue Produktionstechnologien sehen, die die bestehenden Produkte nicht nur noch besser machen, sondern auch gänzlich neue Lebensmittel ermöglichen“, sagt Kristal Robles-Golan, Head of New Protein Solutions bei der Baywa. „Neue Rohstoffe und Technologie-Sprünge bei der Verarbeitung werden weitere Verbesserungen bei Geschmack und Preis nach sich ziehen und damit letztlich auch die Nachfrage weiter ankurbeln.“

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