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Andreas Aepli
Bühler
Andreas Aepli

Bühler hat eine Reihe von Technologien und Kompetenzen entwickelt, um der Insektenindustrie komplette Zucht- und Verarbeitungslösungen anzubieten. „Wir bieten dem Markt ein übergreifendes Angebot an Lösungen zur Produktion und Verarbeitung verschiedener Insektenarten“, sagt Andreas Aepli, CEO Bühler Insect Technology Solutions. Die erste industrielle Anlage zur Verarbeitung der Schwarzen Soldatenfliege hat schon im Juni dieses Jahres den Betrieb aufgenommen. Jetzt führt Bühler ein Projekt für eine neue Anlage mit einer zweiten Insektenart durch: dem Mehlwurm.
 
Die Produktion von Nutztieren steht unter enormem Druck, besonders in der Schweinezucht. Die ohnehin knappen Margen sinken weiter, vor allem in Europa. Während die Einzelhandelspreise für Schweinefleisch grundsätzlich stabil geblieben sind, sehen Schweinehalter ihre Preise auf ein Niveau absinken, bei dem manche Produzenten kaum noch ihre Kosten decken können. Zudem sind die Getreidepreise erheblich gestiegen – Futtermittel macht rund 75% der Produktionskosten von Schweinefleisch aus. Mehr und mehr Züchter drosseln ihre Produktion oder verlassen die Branche komplett. Alternative und gleichzeitig nachhaltigere Geschäftsfelder sind gesucht, in denen sie ihre Kompetenzen in der Tierzucht einsetzen können.
Ein erstes Projekt wurde nun mit einem niederländischen Landwirt gestartet, der seit einiger Zeit in einem ehemaligen Schweinestall an der Produktion von Mehlwürmern arbeitet. Bühler unterstützt nun dieses Projekt. Es beinhaltet die Planung, Montage und Inbetriebnahme einer kompletten Mehlwurmproduktionsanlage auf einem Grundstück von 2300 Quadratmetern. „Mit diesem Projekt setzen wir den Standard für die modulare, automatisierte und hygienische Mehlwurmproduktion“, sagt Andreas Aepli, CEO Bühler Insect Technology Solutions. „Unsere Technologielösungen können wir einfach in bestehende Landwirtschaftsbetriebe integrieren. Aber auch grössere Produktionsanlagen sind möglich.“ Sobald die erste Anlage fertig ist und in den Niederlanden profitabel produziert, wird der Mehlwurm für Nutztierzüchter zur Alternative für den Aufbau eines nachhaltigen Geschäfts mit attraktiven Margen.
Der Mehlkäfer (Tenebrio molitor), wegen des wurmartigen Aussehens seiner Larven auch Mehlwurm genannt, bietet vor allem für die Lebensmittelindustrie interessante Marktchancen. Dank einem hohen Gehalt an Proteinen, Fettsäuren, Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen ist er sehr nahrhaft. Das Insekt wird heute schon in verschiedenen Lebensmitteln mit attraktiven Vermarktungskonzepten genutzt. Der Markt ist in den letzten Jahren stark gewachsen, die Wachstumsprognosen übertreffen das aktuelle Wachstum sogar. Ausserdem bieten Mehlwürmer neue, stabile Produktions- und Ertragsaussichten für Züchter. Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Ressourcenverbrauch: Mehlwürmer können etwa auf Weizenkleie und Reishülsen wachsen. Beides sind Nebenprodukte, die bei vielen Kunden von Bühler anfallen und aus denen sie Mehrwert schaffen könnten.
Weltweit nimmt der Druck auf die Proteinproduktion stark zu, denn die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 auf fast 10 Milliarden Menschen anwachsen. Landerosion, die Ausbeutung der Meere und der Klimawandel wirken sich stark auf die Herstellung von Eiweiss aus. Alternative Proteine sind gesucht. Innovative Quellen wie Algen, Pilze, einzellige Bakterien und Insekten werden immer wichtiger. Insekten bieten dabei ein riesiges Potenzial. Sie können überall auf der Welt produziert werden und direkt als qualitativ hochstehende Quelle zur Ernährung und Proteinversorgung dienen.

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