Immer mehr Soja in Futtermitteln stammt aus nachhaltigem Anbau.
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Immer mehr Soja in Futtermitteln stammt aus nachhaltigem Anbau.
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Entwaldungsfreies Soja landet immer häufiger im Futtertrog. Das ist ein Ergebnis des Forums für Nachhaltigere Eiweißfuttermittel (FONEI). Verfügbarkeit heimischer Alternativen bleibt herausfordernd.

Die Menge nachhaltig zertifizierter Ware am Markt und in Produktlinien des Lebensmitteleinzelhandels sei in den vergangenen Jahren gestiegen, während das Angebot an Informationen und Best-Practice-Beispielen zur Optimierung von Futterrationen zugenommen habe, so ein Ergebnis des ersten Fortschrittsberichts des Forums für Nachhaltigere Eiweißfuttermittel (FONEI). Hingegen sei die Verfügbarkeit von heimischen Alternativen laut dem FONEI-Fortschrittsbericht noch unzureichend.

Zwar steige die Anbaufläche von Leguminosen in Deutschland kontinuierlich; es bestünden jedoch weiterhin Herausforderungen, um einen nachhaltigen Eiweißfuttermitteleinsatz zu erreichen. Der Großteil des in Deutschland verfütterten Sojas werde mangels Wettbewerbsfähigkeit und Verfügbarkeit von heimischen Alternativen nach wie vor importiert. Gleichzeitig unterliege die Erzeugung tierischer Produkte einem starken Preisdruck, was bei zusätzlichen Kosten für die Einhaltung von Standards eine Rolle spiele. Als weitere Herausforderung wertet die Plattform die Transparenz entlang der Lieferkette und damit die Rückverfolgbarkeit bis zur Ackerfläche.

Mehr Soja aus nachhaltigem Anbau

Die auf europäischer Ebene überarbeiteten Leitlinien für eine verantwortungsvolle Sojabeschaffung, mit der die Futtermittelproduzenten Verantwortung für ihre Produktion übernehmen und zum globalen Erhalt von Wäldern und Ökosystemen beitragen, zählen für den Deutschen Raiffeisenverband (DRV) und den Deutschen Verband Tiernahrung (DVT) als FONEI-Mitglieder zu den Erfolgen des Eiweißforums. „Nach Erhebungen aus dem Jahr 2020 stammen über 60 % des verwendeten Sojas aus nachhaltigem Anbau. Rund zwei Drittel der Gesamtmenge kommen aus Regionen, die ein geringes Entwaldungsrisiko aufweisen“, erklärt Dr. Hermann-Josef Baaken, Sprecher der DVT-Geschäftsführung. „Damit werden DVT wie DRV der Zielsetzung gerecht, den nachhaltig produzierten Mischfutteranteil zu erhöhen“, so Baaken weiter. Beide Verbände rufen ihre Mitglieder auf, sich zum Einsatz von nachhaltigem Soja zu bekennen.
Breit aufgestelltes Bündnis

FONEI, das Forums für Nachhaltigere Eiweißfuttermittel, ist ein Zusammenschluss von Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Eiweißfuttermittel. Das Forum wurde 2014 gegründet mit dem Ziel, die Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette für Eiweißfuttermittel wie Soja, Raps und Leguminosen zu erhöhen. Seit der Gründung setzen sich die Mitglieder in Initiativen oder mittels selbst auf den Weg gebrachter Projekte für nachhaltigere Futtermittel ein. So sind auch Nachhaltigkeitsstandards und Zertifizierungssysteme weiterentwickelt worden, um beispielsweise den Indikator „Entwaldungsfreiheit“ besser zu erfassen.

Die Mitglieder diskutieren Lösungsmöglichkeiten rund um nachhaltigere Eiweißfuttermittel aus heimischer Erzeugung und dem Import. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) betreut das Forum im Zuge der Eiweißpflanzenstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL). Beraten und unterstützt wird das FONEI von einem Lenkungskreis, dem neben DVT und DRV unter anderem die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP), der Deutsche Bauernverband (DBV), die Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland sowie der Einzelhändler Edeka angehören.

Aus Sicht des Raiffeisenverbandes bleiben die preisliche Würdigung zertifizierter Produkte und die Verfügbarkeit regionaler Proteinträger allerdings herausfordernd. „Eine erfolgreiche Eiweißstrategie muss neben den pflanzenbaulichen Aspekten auch den Absatz am Markt und die Verwendungsmöglichkeiten in der Kette stärker berücksichtigen“, erklärte DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers.

EU macht Proteinpflanzen zur Chefsache

Im Angesicht des Ukraine-Kriegs und dessen Folgen erhält die Versorgungssicherheit der EU als Ziel ein größeres Gewicht. Um die Abhängigkeit von Futtermittelimporten zu vermindern, sollen in der EU mehr Eiweißpflanzen angebaut werden. Dies fordern die Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Sondergipfel in Versailles. Die EU-Kommission soll zudem möglichst rasch einen Vorschlag mit Maßnahmen gegen die hohen Lebensmittelpreise und zur sicheren Versorgung vorlegen, heißt es in der Schlusserklärung von Versailles. Als kurzfristige Möglichkeit kommt die Freigabe des Aufwuchses auf ökologischen Vorrangflächen infrage, die Bestellung der Brachflächen im Frühjahr und die Nutzung von Agrarchemikalien auf den ökologischen Vorrangflächen. Durch den Krieg in der Ukraine fehlen vor allem GVO-freie Futtermittel und Biofuttermittel für den Ökolandbau. Mit Material von AgE

 

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