Rapsprodukte mit hohem Proteingehalt: Sie wurden mit dem triboelektrischen Bandtrennverfahren gewonnen.
TUM/ Luise Wockenfuss
Rapsprodukte mit hohem Proteingehalt: Sie wurden mit dem triboelektrischen Bandtrennverfahren gewonnen.
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Mit einer neuartigen Trockenfraktionierungstechnik können hochfunktionelle Proteine aus landwirtschaftlichen Nebenprodukten wie zum Beispiel Ölsaatenmehlen gewonnen werden. Mit einer Anreicherung in Raps- und Lupinenschrot waren Forscher aus Freising bereits erfolgreich.

Mit Hilfe der Physik wollen Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) neue Proteinquellen erschließen. Sie reichern den Eiweißgehalt in Ölsaatenmehlen an im Rahmen des Projektes TRIBOTEC, bei dem erforscht wird, wie durch eine neuartige Trockenfraktionierungstechnik hochfunktionelle Proteine aus bisher wenig genutzten Quellen gewonnen werden können. Geeignet sind Nebenprodukte, die in der Lebensmittelindustrie regelmäßig anfallen – beispielsweise Sonnenblumen- oder Rapspresskuchen als Rückstände aus der Ölherstellung.

Nebenprodukte als Eiweißquelle

Dabei werden die gemahlenen Materialien zunächst elektrostatisch aufgeladen. Mithilfe von Luftströmen wird das Mahlgut verwirbelt und lädt sich elektrostatisch auf“, erklärt Dr. Javier Perez Vaquero, Wissenschaftler am TUM-Lehrstuhl für Systemverfahrenstechnik. Diese physikalischen Kräfte trennen die mit Protein angereicherte Feinfraktion von den mit Fasern und Stärke angereicherten Grobfraktionen. Die Feinfraktion weist dann einen deutlich höheren Proteingehalt auf, als die Ausgangsprobe.

Die elektrostatische Trennung ist eine neuartige, umweltfreundliche Technologie. Die Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden sind laut TUM, dass das wasser- und lösungsmittelfreie Verfahren einen geringeren Energieverbrauch und niedrigere Betriebskosten hat und gleichzeitig die ursprüngliche Funktionalität des Proteins beibehält. Zudem ist das Verfahren für eine große Bandbreite von Materialien geeignet.

20 Prozent mehr Protein aus Lupinenschrot

In ihren Versuchen untersuchten Perez Vaquero und sein Team das Schrot von Samen pflanzlichen Ursprungs – in diesem Fall Raps und Lupinen.  Der Gesamtzuwachs an Protein lag dabei zwischen 5 Prozent beim Rapsschrot und 20 Prozent beim Lupinenschrot. „Unsere Forschung hat gezeigt, dass höhere Massen bewältigt werden können als bei bisherigen Studien herausgefunden wurde. Wir erreichen damit eine Massenverarbeitung von bis zu mehreren Kilogramm pro Stunde, was einer zehnfachen Steigerung entspricht. Wir sind damit einen Schritt weitergekommen, um einen Proteinwert zu erzielen, der hoch genug ist, um in der Industrie eingesetzt werden zu können“, erklärt Perez Vaquero.
Das Projekt TRIBOTEC
Das Forschungsprojekt  wird von einem Forschungskonsortium durchgeführt, an dem Partner entlang der gesamten Futtermittelkette vom Rohstoff bis zur Produktanwendung beteiligt sind. Federführend ist das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik (DIL), außerdem gehören Napiferyn Biotech (NFB), ProLupin (PL), und Matis.
Finanziell gefördert wird das Projekt von der europäischen Einheit EIT Food.

„Die Forschungen eröffnen ein enormes Potenzial für die Nutzung bisher nicht ausreichend genutzter alternativer Proteinquellen“, lobt Prof. Petra Först, vom Lehrstuhl für Systemverfahrenstechnik der TUM School of Life Sciences in Freising-Weihenstephan. Dies Proteine seien einsetzbar etwa für Tier- und Fischfutter oder für die Herstellung von Fleischersatzprodukten. Mit dem Verfahren sei es auch möglich, neue pflanzliche Proteinquellen zu erschließen.

 

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