FeedMagazine
Rinder stehen in der Kritik als Klimakiller - zu unrecht wie Wissenschaftler klar stellen. Sie tragen nur zu 5 Prozent zu den Gesamtemissionen bei.
IMAGO / Shotshop
Rinder stehen in der Kritik als Klimakiller - zu unrecht wie Wissenschaftler klar stellen. Sie tragen nur zu 5 Prozent zu den Gesamtemissionen bei.

Rinder stehen auf Grund der Methanemissionen in der Kritik als Klimakiller. Sowohl Fütterung als auch Genetik bieten Ansätze, die Methanverluste zu minimieren. Auf eine geschickte Kombination kommt es an. Das war das Ergebnis eines Expertenworkshops anlässlich der 75. Jahrestagung der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE).

Wiederkäuer dürften aufgrund ihres quantitativen Beitrags zu den globalen Treibhausgasemissionen mit weniger als 5 Prozent der Gesamtemissionen nicht als allgemeine „Klimakiller“ bezeichnet werden, erklärte Privatdozent Dr. Björn Kuhla vom Institut für Ernährungsphysiologie am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf. Dennoch haben Wiederkäuer Anteil an den Emissionen, der über verschiedene Ansätze um mehr als 30 Prozent verringert werden könnte. Wirksamer und erstrebenswerter scheint für Kuhla jedoch eine Kombination von Maßnahmen zu sein, die auf eine optimierte Fütterung zur Erhaltung der Tiergesundheit abzielt und gleichzeitig eine Reduzierung von Methanemissionen sowie eine verstärkte Kohlenstoffbindung im Boden anstrebt. Letzteres könne durch intelligente Weidehaltungskonzepte unterstützt werden.

Methanmenge mit Infrarot und Laser auf der Spur

Um die Methanemissionen abschätzen zu können, erwies sich die Nutzung von mittleren Infrarotspektren (MIR) der Milch als aussichtsreich, erläuterte Prof. Dr. Nicolas Gengler von Gembloux Agro-Bio Tech der Universität Lüttich in Belgien. MIR-Spektren würden bereits routinemäßig und in großem Maßstab zur Abschätzung der Milchzusammensetzung, aber auch zur Schätzung der Methanemissionen verwendet. Mit zuverlässigen Aussagen zu den tierindividuellen Methanemissionen könnten langfristig Management und Zucht erheblich profitieren, so Gengler. Voraussetzungen seien eine Standardisierung der Auswertung der MIR-Spektren und die Gewährleistung der Anwendbarkeit der Gleichungen zur Abschätzung der Methanwerte bei Verwendung von Futterzusätzen, die die Methanbildung im Vormagen beeinflussten.

Darüber hinaus kann auch die Genetik zur Emissionsminderung von Methan beitragen. Die Variation der Methanemissionen bei gleicher Fütterung und Leistung werde teils genetisch determiniert, die Messung der Methanemission beim Einzeltier sei allerdings sehr aufwändig, sagte Prof. Dr. Hermann H. Swalve vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Halle/Saale. Ein erfolgreich verfolgter Ansatz sei die „Laser-Methanmessung“ in der Atemluft der Kuh. Die Festlegung konkreter Merkmale würde aktuell diskutiert. Dabei sollten auch ökonomische Aspekte und Korrelationen mit anderen Merkmalen beachtet werden. Grundsätzlich ist laut Swalve zu hinterfragen, ob auch das Mikrobiom an sich stärker züchterisch zu bearbeiten ist und welche Zuchtstrategie die größten Erfolge verspricht.

Wechselwirkungen mit anderen Emissionen beachten

Eine weitere Möglichkeit ist die Steuerung der Methanemission durch die Fütterung. Die Liste an Maßnahmen, die in die „Toolbox“ zur Methanreduktion aufgenommen werden sollen, ist recht umfangreich und die Effizienz, der Preis und die Nebenwirkungen, insbesondere auf die Leistung, variieren stark. Darauf wies Prof. Dr. Michael Kreuzer vom Institut für Agrarwissenschaften der Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich hin. Einzelne Minderungsmaßnahmen müssten auch auf ihre Wirkungen auf andere Emissionen wie Stickstoff (beispielsweise Lachgas, Ammoniak oder Nitrat) untersucht werden. Einige Produkte zeigten Effekte gegen mehr als eine Emissionsart wie etwa Tannin, andere dagegen nicht wie etwa Lipide. Insgesamt sei es ratsam, die schnelle Umsetzbarkeit der Maßnahmen für Tierproduktionssysteme vor dem Hintergrund der wesentlich kürzeren Halbwertszeit von Methan in der Atmosphäre gegenüber Kohlendioxid mit zu betrachten, um entsprechend schnelle Auswirkungen auf bzw. gegen die globale Erwärmung zu erzielen, sagte Kreuzer.

Die einzelnen Beiträge können online erworben werden.

    stats