Die Geflügelpest hat einen Legehennenbestand in Frankreich erreicht.
imago images / Steinach
Die Geflügelpest hat einen Legehennenbestand in Frankreich erreicht.
Artikel anhören
:
:
Info
Abonnenten von agrarzeitung Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.

In Frankreich hat der jüngste Seuchenzug einen Betrieb mit Legehennen getroffen. Es ist der erste Fall in einer kommerziellen Nutztierhaltung.

Wie das Landwirtschaftsministerium mitteilte, wurde am vergangenen Freitag in einem Legehennenbetrieb im Département Nord, nur wenige Kilometer von der belgischen Grenze entfernt, die hochpathogene aviäre Influenza (HPAI) nachgewiesen. Derzeit liefen die Untersuchungen, um den Infektionsweg nachzuvollziehen. Laut Ministerium wurde der Bestand gekeult und der Betrieb unverzüglich desinfiziert. Um den Seuchenherd seien eine Schutz- und eine Überwachungszone eingerichtet worden. Damit verbunden seien strenge Biosicherheitsauflagen für Geflügelhalter und ein Transportverbot für Vögel.

Das Bündnis um den kleinbäuerlich orientierten Landwirtschaftsverband Confédération Paysanne (Conf‘) und der Verband der Biolandwirtschaft (FNAB) hoben derweil hervor, dass es sich bei dem betroffenen Betrieb um eine kommerzielle Haltung mit 160 000 Tieren handele, der zudem in einer Region mit engen Verbindungen nach Belgien, Deutschland und den Niederlanden liege. Die Organisationen hatten gemeinsam Klage beim obersten Verwaltungsgericht eingereicht, um die neuen Seuchenschutzvorgaben zu Fall zu bringen. Sie sehen unter anderem durch hohe Hürden für Ausnahmen von der Aufstallpflicht das Tierwohl und die Existenz von Betrieben mit Freilandhaltung gefährdet.

Laut Conf‘ und FNAB gibt es wissenschaftliche Belege dafür, dass das Risiko einer Einschleppung der Geflügelpest in Freilandhaltungen grundsätzlich gering ist. Die Ausbreitung der Seuche hänge vor allem von der Bestandsdichte ab; bei der Verbreitung des Virus kämen auch dem Transport von Waren und Tieren sowie der Einschleppung durch Personen eine wichtige Rolle zu. Kritisiert wird ferner, dass Ausnahmen von der Aufstallpflicht für verkleinerte Ausläufe nur möglich sind, wenn ein Tierarzt zuvor Leidensdruck attestiert hat.

In Frankreich wurden nach offiziellen Angaben bislang vier Fälle von Geflügelpest bei Wildvögeln und drei Nachweise in Hinterhofhaltungen registriert. Am Lac de Madine in der Region Grand-Est wird dem Ministerium zufolge derzeit eine hohe Sterblichkeit bei Schwänen verzeichnet. Von der mehr als 1.000 Individuen zählenden Population sei etwa ein Fünftel verstorben. Der vorangegangene Seuchenzug, der erst im vergangenen Frühjahr zum Erliegen gekommen war, hatte sich auf den Südwesten des Landes konzentriert und laut Ministerium 492 kommerzielle Nutztierhaltungen betroffen. Auf behördliche Anordnung waren damals insgesamt etwa 3,5 Millionen Vögel, vorwiegend Enten, getötet worden. AgE

    stats