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Strenge Auflagen: Die Verfütterung von tierischem Protein ist in der EU an Schweine und auch Geflügel wieder erlaubt.
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Strenge Auflagen: Die Verfütterung von tierischem Protein ist in der EU an Schweine und auch Geflügel wieder erlaubt.
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Die EU-Kommission erlaubt wieder die Verfütterung von tierischen Proteinen an Geflügel und Schweine. Die praktischen Auswirkungen dürften jedoch gering sein, denn für einen wachsenden Verbrauch fehlen die Mengen.

Tierische Proteine oder PAP (Processed Animal Protein), die aus Schlachtabfällen von Schweinen und Geflügel gewonnen werden, dürfen bereits seit einigen Jahren als Fischfutter und für Haustiernahrung eingesetzt werden. Jetzt kommen sie auch wieder für die Verwendung in Futtermitteln für Schweine und Geflügel in Betracht, berichtet agrarzeitung.de. Ausgeschlossen ist nach wie vor die Verfütterung an Wiederkäuer, die einst den BSE-Skandal ausgelöst hatte.

Strenge Regeln

Künftig gelten strenge Regeln. So darf PAP aus Schweinefleisch nur an Geflügel und Geflügel-PAP nur an Schweine verfüttert werden. Um Kontaminationen und Kannibalismus zu vermeiden, müssen die Herstellungswege der beiden Produkte strikt getrennt sein. Diese Auflagen können nach Einschätzung des europäischen Futtermittelverbandes Fefac nur etwa 10 Prozent der Futtermühlen gewährleisten. Hinzu kommt, dass die Menge des zur Verfügung stehenden Ausgangsmaterials aufgrund des schrumpfenden Schweinebestands begrenzt ist und nur im Bereich Geflügel langsam wächst.
„Es muss vor allem organisatorisch umsetzbar sein“

Mischfutterhersteller müssen strenge Auflagen erfüllen. Nach Ansicht von Peter Radewahn, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT) und langjähriger Herausgeber FeedMagazine/Kraftfutter, steht die Organisation des Einsatzes vor der Ökonomie. Die verfügbaren Mengen der Kategorie 3 seien zudem naturgemäß begrenzt, der Bedarf schwer abschätzbar.

Werden die deutschen Mischfutterhersteller wieder „Tiermehl“ beziehungsweise PAP einsetzen?
Radewahn:
Nein! Das Tiermehl alter Prägung gibt es nicht mehr. Die EU-Kommission hat das Verfütterungsverbot für „verarbeitete tierische Proteine“ zwar teilweise wieder aufgehoben. In der Fütterung sind aber mit Einschränkungen nur die sorgfältig hergestellten Materialien der Kategorie 3 der tierischen Nebenprodukte wieder erlaubt. Diese Produkte werden von Mischfutterherstellern voraussichtlich und im Rahmen der engen Grenzen wiedereingesetzt werden.

Ist das ökonomisch umsetzbar und sinnvoll?
Die Frage nach der ökonomischen Umsetzbarkeit steht eindeutig hinter der organisatorischen Umsetzbarkeit. Es muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass die tierischen Nebenprodukte der Kategorie 3 von Schweinen nur in Geflügelfuttern eingesetzt werden dürfen und umgekehrt. Wird in einer Anlage Futter für mehr als eine Tierkategorie hergestellt, schließt das die Verwendung der tierischen Proteine einer dieser Tierarten vollständig aus. Wenn auch Wiederkäuerfutter hergestellt werden, können nicht einmal Insektenproteine verwendet werden. Die ökonomischen Bedingungen sind nur betriebsindividuell zu beurteilen, da sie auch von den Auflagen zur Trennung von Anlagen und von den Marktverhältnissen bei anderen (pflanzlichen) Proteinen abhängen. Hier werden die Unternehmen ihre eigenen Entscheidungen zu treffen haben.

Die Tierernährung musste ja schon lange ohne tierische Proteine auskommen ….
… ja, ein Verzicht auf die unterschiedlichen Formen tierischer Nebenprodukte war über mehr als 20 Jahre durch den Gesetzgeber vorgegeben. Für Fischmehl und Insektenmehle gab es zumindest Einschränkungen. Auf diese Verhältnisse haben sich die Mischfutterhersteller ebenso erfolgreich eingestellt wie die Tierhalter. Die wieder erlaubten Komponenten verbreitern im Grundsatz die Palette der Rohstoffe, was in bestimmten Fällen ökonomische Vorteile bringen kann. Ein „naturgegebener Bedarf“ an diesen Proteinträgern kann daraus aber nicht abgeleitet werden.

Wenn die Mischfutterhersteller PAP wiedereinsetzen wollen. Wie hoch schätzen Sie den Bedarf ein?
Ein absoluter Bedarf besteht nicht. Das haben die vergangenen Jahre gezeigt. Der betriebsindividuelle Bedarf kann derzeit noch nicht sicher abgeschätzt werden. Damit ist auch der ökonomische Gesamtbedarf der Branche nicht abzuschätzen. Schließlich sind die von den Behörden mit dem möglichen Einsatz verbundenen Auflagen noch nicht bekannt. Diese Auflagen im Hinblick auf organisatorische, bauliche und nachweistechnische Maßnahmen werden einen wichtigen Einfluss auf die Nachfrage haben.

Steht grundsätzlich genug zur Verfügung?
Die verfügbaren Mengen an tierischen Nebenprodukten der Kategorie 3 sind naturgemäß begrenzt. Es wird sich im freien Spiel der Kräfte ein Marktgleichgewicht erst einpendeln müssen. Ob die Nachfrage vollständig gedeckt werden kann, müssen die nächsten Monate und Jahre zeigen. Immerhin muss die Verfütterung dieser Komponenten auch von den Abnehmern in der Kette bis zu den Verbrauchern akzeptiert werden.

Die Fragen stellte Dr. Angela Werner

 

Somit sind der Produktion von PAP in der EU natürliche Grenzen gesetzt. „Wir sehen im Moment nicht, wo zusätzliche Mengen herkommen sollten“, sagt Alexander Döring, Generalsekretär der Fefac. Nach Verbandsangaben werden jährlich 1,3 Mio. t Schweine- und Geflügel-PAP in der EU hergestellt, von denen 0,8 Mio. t in die Fischfütterung und 0,5 Mio. t in den Export gehen.

Allenfalls die Exportmenge könnte also in die EU zurückgelenkt werden, schätzt Döring. Zusätzliche Mengen könnten aber aus der derzeitigen Verwendung als Dünger kommen, ergänzt Dr. Martin Alm vom Europäischen Verband für tierische Proteine und Fette (EFPRA).

Erzeuger wollen PAP verwenden

Agrarverbände stehen der neuen Verwendung des PAP offen gegenüber. Die deutsche Geflügelwirtschaft (ZDG) „begrüßt die Zulassung von tierischen Proteinen als Futtermittel ausdrücklich“. Beim Deutschen Bauernverband heißt es, man erwarte, „dass die Futtermittelwirtschaft sich nun zügig auf die neuen Regelungen einstellt und es der Praxis zeitnah ermöglicht, PAPs in der Fütterung einzusetzen“. Der Zertifizierer QS befürwortet die Verfütterung von PAP aus Material der Kategorie 3. Es wäre verzehrfähig, ist aber nicht vermarktbar, wie zum Beispiel Hühnerköpfe.

Dr. Karl-Heinz Tölle, Geschäftsführer der ISN-Projekt GmbH, sagt: „Wir haben die Zulassung von Tiermehl in der Schweinefütterung in den vergangenen Jahren immer wieder gefordert. Deshalb begrüßen wir natürlich eine Wiederzulassung von Tiermehl. Wir gehen davon aus, dass dieses auch wieder nennenswerten Eingang in die Schweinefütterung in Deutschland findet.“ Tiermehl sei ein sehr hochwertiges Futtermittel, das den Ansprüchen der Tiere etwa beim Aminosäuremuster entgegenkomme. „Gerade vor dem Hintergrund der Themen wie Schwanzbeißen und Tiergesundheit ist Tiermehl eine wichtige Zusatzkomponente in der Fütterung“, so Tölle.

Höherer Proteingehalt

Ein Argument für PAP ist, dass es als regionale Eiweißquelle Sojaimporte ersetzen kann. Aufgrund der insgesamt geringen Menge sollten hier jedoch „keine falschen Erwartungen“ entstehen, meint die Fefac. Alm hingegen weist auf den höheren Proteingehalt von Tiermehl hin, weshalb ein reiner Mengenvergleich etwa mit Soja nicht sinnvoll sei: „Einige tierische Futtermittel haben 90 bis 95 Prozent Proteingehalt. Damit liegen sie deutlich über den pflanzlichen Proteinmehlen.“ Optimistisch für die Akzeptanz ist Alm aus einem anderen Grund: „Die Bauern haben das Produkt nicht vergessen.“ 

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