EU-Lebens- und Futtermittelautonomie in Zeiten der geopolitischen Krise

Asbjørn Børsting
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FEFAC-Präsident Asbjørn Børsting und Nevedi-Vorstandsmitglied Bastiaan van Tilburg eröffneten die gemeinsame öffentliche Konferenz von FEFAC und Nevedi am 2. Juni in Utrecht.

FEFAC-Präsident Asbjørn Børsting: "Auf den globalen Märkten haben wir jetzt eine sehr schwierige Situation nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine, der die Schwarzmeerregion als wichtigen globalen Getreide- und Ölsaatenexporteur effektiv abgeschnitten hat. Die FEFAC-Mitglieder sind jedoch nach wie vor fest entschlossen, unsere Verpflichtungen für nachhaltige Lebensmittelsysteme im Rahmen unserer Feed Sustainability Charter 2030 zu erfüllen. Nevedi-Vorstandsmitglied Bastiaan van Tilburg: "Die niederländische Futtermittelindustrie wird weiterhin in neue innovative, klimafreundliche Lösungen für die Tierernährung investieren. Dies wird es unseren Kunden, den Landwirten innerhalb und außerhalb der Niederlande, ermöglichen, die neuen gesellschaftlichen Ziele für eine nachhaltigere und tierschutzgerechtere Viehzucht und Aquakultur zu erreichen.

Der Generaldirektor der GD AGRI, Wolfgang Burtscher, hielt die Grundsatzrede und stellte die verschiedenen Krisenmaßnahmen vor, die die Europäische Kommission in letzter Zeit entwickelt hat, um die Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit in der Ukraine, der EU und auf globaler Ebene zu gewährleisten. Er verwies auf die jüngste Entscheidung über Solidaritätswege zur Erleichterung von Getreideexporten aus der Ukraine und die Möglichkeit des Anbaus von Pflanzen in ökologischen Schwerpunktgebieten im Jahr 2022 und möglicherweise auch im Jahr 2023. Er dankte der FEFAC für ihr Engagement bei der Bewältigung der logistischen Herausforderungen, die vor allem durch die Unzugänglichkeit der ukrainischen Seehäfen verursacht werden. Burtscher betonte, dass die erneuten Diskussionen über die Ernährungssicherheit Hand in Hand mit der EU-Agenda für den Green Deal und der Farm-to-Fork-Strategie gehen werden. Er wies darauf hin, dass die Herausforderungen der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft wie Klimawandel und biologische Vielfalt angegangen werden müssen. Er betonte die Priorität der EU, eine "offene strategische Autonomie" zu sichern und sich gegen jegliche Exportbeschränkungen zu wehren.

Die Widerstandsfähigkeit des EU-Futtermittelsektors und die Ziele des EU Green Deal für den Tierhaltungssektor

In der ersten Podiumsdiskussion diskutierten Guido Landheer (stellvertretender Generaldirektor des niederländischen Landwirtschaftsministeriums), Asbjørn Børsting (FEFAC-Präsident), Nick Major (GFLI-Vorsitzender), Marije Klever (Vorsitzende des niederländischen Junglandwirteverbands NAJK) und Henk Flipsen (Nevedi-Direktor) zusammen mit Wolfgang Burtscher über die Auswirkungen auf die Widerstandsfähigkeit des EU-Futtermittelsektors und die EU-Ziele des Green Deal für den Tierhaltungssektor. In dem Bemühen, nachhaltigere Lebensmittelsysteme zu ermöglichen, legten sie den Schwerpunkt auf die Förderung von Innovationen in der Futtermittelproduktion, wie beispielsweise die Bio-Raffination von Gras und zirkuläre Futtermitteloptionen, die als sicher gelten, aber derzeit nicht zugelassen sind. Sie waren sich einig, dass den Landwirten ausreichend Ressourcen und Zeit zur Verfügung gestellt werden müssen, damit sie in den grünen Wandel investieren können.

Abholzungsfreie Soja-Lieferketten

Das zweite Panel wurde durch ein Videostatement von Rasmus Prehn (dänischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei) eingeleitet, der die Unterstützung seines Landes für die Einführung von Sorgfaltspflichten und Rückverfolgbarkeitsanforderungen im Vorschlag der Europäischen Kommission für entwaldungsfreie Lieferketten betonte. Er wies auf die Bedeutung von Brancheninitiativen wie den FEFAC-Leitlinien für die Sojabeschaffung 2021 hin, die Unternehmen bei der Beschaffung von verantwortungsvollerem Soja unterstützen sollen, und empfahl eine weitere Stärkung unabhängiger Prüfsysteme. Die Diskussionsteilnehmer Heleen van den Hombergh (Koordinatorin der Collaborative Soy Initiative und der niederländischen Sojaplattform & Beraterin für Agrarrohstoffe bei IUCN Niederlande), Guilherme do Couto Justo (IDH Soy Programme Manager), Hugo Byrnes (Ahold Delhaize Vice-President Product Integrity), Jim Sutter (CEO US Soybean Export Council), Wei Peng (Soft Commodities Forum, LDC-Gruppe) und Nicolas Coudry-Mesny (FEFAC-Vizepräsident) wiesen auf praktische Herausforderungen und unbeabsichtigte Folgen des Vorschlags der Europäischen Kommission für entwaldungsfreie Lieferketten hin. Sie verwiesen auf den aktuellen Vorschlag zur strikten Rückverfolgbarkeit von landwirtschaftlichen Parzellen, der zu speziellen, getrennten Sojalieferketten führen würde, die enorme Investitionen in die Infrastruktur erfordern würden, ohne dass die Entwaldung gestoppt werden könnte, da riskante Produkte auf andere Märkte umgeleitet würden. Die Diskussionsteilnehmer forderten praktikablere, wirksamere und weniger kostspielige Lösungen für die Lieferkette, die beispielsweise auf einer Form der Massenrückverfolgbarkeit beruhen, wobei sie auf den begrenzten europäischen Marktanteil des jährlichen Sojaverbrauchs in der EU (ca. 10 % der weltweiten Sojaproduktion) hinwiesen.
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