Wer als Futterhersteller verarbeitetes tierisches Protein einsetzen will, müsse viele komplexe Regelwerke beachten,
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Wer als Futterhersteller verarbeitetes tierisches Protein einsetzen will, müsse viele komplexe Regelwerke beachten,
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Der Einsatz von verarbeiteten tierischen Proteinen (vtP) in der Tierernährung ist seit längerem wieder erlaubt. Futtermittelhersteller müssen jedoch ein komplexes Regelwerk beachten. Die Tücken liegen im Detail sowohl hinsichtlich der Produktion als auch der Verfütterung.

Die Verwendung von verarbeitetem tierischem Protein – kurz vtP in der Tierernährung, das nach der BSE-Krise verboten war, ist seit einigen Jahren wieder erlaubt. So darf vtP seit 2013 in Aquakulturen eingesetzt werden und seit 2021 ist die Verwendung auch für Schweine und Geflügel erlaubt, erläutert Dr. Clemens Comans, Rechtsanwalt bei der Cibus-Kanzlei in Gummersbach, während des Deutschen Futtermittelrechtstags in Frankfurt am Main. 2020 wurden rund 450.169 t an vtP in Deutschland produziert, davon wanderten rund 81 % in die Futtermittelkette, vorwiegend in den Petfood-Bereich, so Comans. Der Rest gehe in Biogasanlagen oder werde als organischer Dünger verwendet. Wer allerdings als Futterhersteller und Verwender vtP einsetzen will, müsse viele komplexe Regelwerke beachten, denn es würden sehr vielfältige Anforderungen gestellt und es gebe zahlreiche Ausnahmen.

So darf laut Comans sämtliche Schlachtmaterial der Kategorie 3 verwendet werden (ausgeschlossen sind: Küchen- und Speiseabfälle, tierisches Fettgewebe, bestimmte Häute und Felle, Hufe, Federn etc.). Theoretisch gebe es keine Beschränkung der Tierarten, weitergehende Einschränkungen betreffen aber die Tierarten, die als Rohstoff dienen, sowie die Ziel-Nutztierarten, die in einer weiteren Verordnung geregelt sind. Grundsätzlich dürfen vtP nicht an dieselbe Art verfüttert werden also darf beispielsweise kein vtP vom Rind an Milchkühe verfüttert werden.

Aber Nicht-Wiederkäuerprotein darf in der Aquakultur eingesetzt werden, Schweineprotein zur Fütterung von Geflügel, Geflügelprotein zur Fütterung von Schweinen und Nutzinsektenprotein zur Fütterung von Aquakultur, Schweinen und Geflügel oder auch von Heimtieren, wobei genau festgelegt ist, um welche Nutzinsektenarten es sich handelt. 

Hohe Anforderungen an Futterhersteller

„An Futterunternehmen, die vtP verwenden wollen, werden hohe Anforderungen gestellt“, sagt Comans. Sie müssen eine Zulassung dafür haben, registriert sein als Futterunternehmen und als sogenannte Monoproduktionsbetriebe oder eine Zulassung als Nicht-Monoproduktionsbetrieb haben. Denn Kontaminationen jeglicher Art müssen vermieden. „Die Verarbeitung von tierischen Nebenprodukten auf dem Gelände von Lebensmittelbetrieben ist grundsätzlich untersagt, Ausnahmen sind nur unter besonderen Bedingungen möglich“, so Comans. Die Produktion von Heimtierfutter oder Nutztierfutter ist generell unproblematisch. Die gleichzeitige Produktion dieser Futtermitteltypen ist hingegen stark eingeschränkt.“

Tendenz zu Mono-Betrieben

Herstellungsunternehmen, in denen Mischfuttermittel für Heim- und Pelztiere sowie Nutztierfutter in demselben Betrieb hergestellt werden, unterliegen strengen Regularien. „Darüber sollten sich Unternehmer zuvor informieren, was geht und was nicht“, empfiehlt Comans. Auf Grund dieser Einschränkungen sieht er eine Tendenz zu Mono-Betrieben, die nur eine Futterart herstellen und damit mit Blick auf Kreuz-Kontaminierungen auf der sicheren Seite sind. Die Zahl der registrierten Monoproduktionsbetriebe sei aber noch gering. So gebe es in Deutschland derzeit nur eine Verarbeitungsanlage, die dafür registriert ist, dass sie keine Wiederkäuer- und Geflügel-Nebenprodukte verarbeitet und für die Herstellung von vtP vom Schwein zugelassen ist, erläutert Comans weiter.

Verstöße werden hart bestraft

Auch für Verpackung und Kennzeichnung gelten strenge Vorgaben. Verstöße gegen Verfütterungsverbote oder Produktionskombinationsverbote werden sowohl bei Vorsatz als auch bei Fahrlässigkeit mit bis zu 3 bzw. 1 Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe (Straftat) geahndet, warnt er. Verstöße gegen Produktionskombinationsverbote bzw. die besonderen Bedingungen der Herstellung führen zudem zu einer fehlenden Verkehrsfähigkeit der Futtermittel für Nutztiere. Darauf weist der Rechtsexperte hin.

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten, der Lockerung der Verfütterungsverbote sowie der stark zunehmenden Zucht von Nutzinsekten erwartet Comans trotz sinkender Schlachtzahlen, dass die Produktion von vtP sowie dessen Verwendung zur Fütterung - insbesondere im Nutztierbereich - zunehmen wird.
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