Beschleunigter Strukturwandel und höhere Tierwohlanforderungen führen zum Bestandsabbau und könnten die Mischfutternachfrage langfristig beeinträchtigen.
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Beschleunigter Strukturwandel und höhere Tierwohlanforderungen führen zum Bestandsabbau und könnten die Mischfutternachfrage langfristig beeinträchtigen.
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Nach einem schwierigen vergangenen Jahr sind die Aussichten für 2022 auch nicht gerade rosig. Hohe Energiepreise und logistische Probleme sowie ein anhaltender Strukturwandel unter Tierhaltern fordern deutsche Mischfutterhersteller weiter heraus.

So haben sich die Energiepreise innerhalb der vergangenen zwölf Monate teilweise vervierfacht. Das hatte unmittelbare Auswirkungen auf energieintensive Produkte wie Mineraldünger und Futtermittel, bilanziert der Deutsche Raiffeisenverband (DRV). Teurer und aufwändiger wurden zudem Logistik und Warenbeschaffung. Auch das wirkte sich auf die Preise für Betriebsmittel aus. Saatgut, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und auch Futtermittel – fast überall stiegen die Preise zweistellig. Der Umsatz mit landwirtschaftlichen Betriebsmitteln der Warengenossenschaften wuchs dadurch zwar deutlich. Die verkauften Mengen gingen dagegen zurück. Hinzu kamen schwierige Bedingungen bei der Vermarktung auf dem Schweinemarkt, was zu einem Abbau von Tierbeständen führte. In der Folge ging der Absatz an Futtermitteln zurück.

Strukturwandel beschleunigt sich

Für 2022 erwartet der DRV einen weiterhin leicht rückläufigen Markt für Futtermittel. Besonders die prekäre wirtschaftliche Situation schweinehaltender Betriebe werde zu sinkenden Produktionszahlen führen. Einige Veredelungsbetriebe zögen bereits heute aus der derzeitigen Situation ihre Konsequenzen, indem sie zum Beispiel Bestandszahlen reduzieren. Der Strukturwandel werde sich beschleunigen, erwartet der Verband.

Die deutsche Schweinehaltung stecke in einer massiven Strukturkrise. Die Anzahl gehaltener Tiere ist mit 23,6 Millionen auf dem niedrigsten Stand seit 1996. Auch die Anzahl der Schweinehalter ist seit Jahren rückläufig. Sie sank laut DRV von ca. 30.000 schweinehaltenden Betrieben im Jahr 2011 auf 19.800 im Mai 2021 (-35,9 Prozent).

Darüber hinaus schwebt nach wie vor das Damoklesschwert der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest und der Geflügelpest weiter über den Tierhaltern, was ebenfalls – sollte es zu weiteren Ausbrüchen in Nutztierhaltungen kommen – den Mischfutterabsatz beeinträchtigen könnte.

Beschaffung von Zusatzstoffen bleibt herausfordernd

Auch die Störungen in den globalen Lieferketten und teurer Frachtraum werden die Unternehmen weiterhin in diesem Jahr beschäftigen. Besonders bei Futtermittelzusatzstoffen, welche überwiegend in China produziert werden, kommen durch die anhaltenden Verzögerungen in den globalen Logistikketten Herausforderungen auf die Futterwirtschaft zu, erwartet der DRV. Diese Stoffe seien unter anderem für die Sicherstellung einer stickstoff- und phosphorreduzierten Fütterung von großer Bedeutung. Hierdurch können Emissionen in der Tierhaltung reduziert werden und gesetzliche Anforderungen wie in der Stoffstrombilanz eingehalten werden.

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