Ohne Impfung geht es nicht

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Gegen die Geflügel- und Schweinepest sind neue Konzepte gefragt. Ein angepasstes Krisenmanagement kann helfen, die Belastungen für die Branche zu senken.

Tierseuchen halten die Landwirtschaft in Deutschland in Atem. Im westlichen Niedersachsen wurden am Mittwoch die Beschränkungen aufgehoben, die die Behörden vor drei Monaten verhängt hatten, nachdem in einem Schweinebestand die Afrikanische Schweinepest (ASP) ausgebrochen war. Die gute Nachricht wurde von Meldungen über neue Ausbrüche der Geflügelpest überschattet, von denen Betriebe in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen betroffen sind. Wieder müssen Tausende Tiere gekeult werden und zahlreiche Betriebe leiden unter den verhängten Bekämpfungsmaßnahmen.

Die Tierhalter stehen angesichts hoher Futter- und Energiekosten ohnehin stark unter Druck. Weitere wirtschaftliche Einbußen werden viele Betriebe in den Restriktionszonen kaum verkraften können. Für zahlreiche Höfe könnte das aktuelle Seuchengeschehen der Anlass sein, für immer aus der Veredelung auszusteigen. Denn Besserung ist nicht in Sicht. Die Geflügelpest grassiert unter Wildvögeln inzwischen ganzjährig. Einträge in Betriebe wird es deshalb regelmäßig geben. In der kalten Jahreszeit wird die Intensität des Seuchengeschehens zunehmen und es ist zu befürchten, dass Hunderttausende Tiere dem Virus oder den Bekämpfungsmaßnahmen zum Opfer fallen.

Nicht ganz so dramatisch ist die Lage in der Schweinehaltung. Die Ausbreitung der ASP in der Wildschweinpopulation nach Westen scheint stark gebremst worden zu sein. Dennoch bleibt in ganz Deutschland die Gefahr eines Eintrags in die Nutztierbestände hoch – wie auch der Fall im Emsland zeigt. Flächenbrände, bei denen sich das Virus von Betrieb zu Betrieb verbreitet und Millionen Tiere gekeult werden müssen, gehören zum Glück der Vergangenheit an. Die wirtschaftlichen Schäden durch Beschränkungen beim Transport von Tieren, Mist und Gülle bleiben aber groß.

Die Tierhalter wissen das und haben dem Thema Biosicherheit mehr Aufmerksamkeit geschenkt. In den von Politik und Gesellschaft geforderten „Tierwohlställen“ wird es in Zukunft aber kaum möglich sein, Bestände vor den in der Umwelt verbreiteten Viren abzuschotten. Außenklima, Auslauf und Freilandhaltung lassen sich mit den von Experten empfohlenen Biosicherheitskonzepten nicht unter einen Hut bringen. Deshalb ist es wichtig, die Nutztiere auf andere Art zu schützen – und das kann nur eine Impfung sein. Zumindest in Regionen mit einer hohen Viehdichte sollte deshalb das EU-weit geltende Impfverbot gegen die Geflügelpest aufgehoben werden.

Für die Schweinepest ist in Europa noch kein Impfstoff zugelassen. In Vietnam laufen erste Versuche mit einem kommerziellen Impfstoff, die vielversprechend sind, aber auch noch einige Fragen offenlassen. Umso wichtiger wäre es, auch in Europa mehr staatliche Ressourcen für die Forschung bereitzustellen. Kurzfristig bleiben nur wenige Stellschrauben. Tierhalter sollten sich gegen die wirtschaftlichen Einbußen, die in Restriktionszonen drohen, versichern. Auf politischer Ebene muss diskutiert werden, ob die 3-Monats-Frist bis zur Aufhebung der Bekämpfungsmaßnahmen verkürzt und die Restriktionszonen verkleinert werden können.

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