Israelische Forscher lassen mit Hilfe der Gentechnik nur noch Legehennen schlüpfen.
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Israelische Forscher lassen mit Hilfe der Gentechnik nur noch Legehennen schlüpfen.
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In Israel ist es Wissenschaftlern gelungen, eine Legehennenrasse zu züchten, bei der keine „Bruderhähne“ schlüpfen. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet. Streit gibt es nun in Deutschland um die Kennzeichnung von Hennen und Eiern.

Forscher am staatlichen Forschungsinstitut „Volcani Center“ in Israel haben Hühner mit dem neuen Züchtungsverfahren CRISPR/Cas so verändert, dass keine männlichen Nachkommen mehr schlüpfen, da sie als Embryo im Ei sterben, wenn sie mit blauem Licht bestrahlt werden. Im Erbgut der Legehennen sind laut Hersteller keine artfremden Gene mehr zu finden; das Verfahren und die Tiere sind bereits zum Patent angemeldet und sollen vermarktet werden. Der Verband Lebensmittel Ohne Gentechnik (VLOG) kritisiert, dass die Generaldirektion Gesundheit der EU-Kommission (DG Sante) in einem Schreiben an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Auffassung vertritt, dass für diese Legehennen und Eier weder Zulassungsverfahren noch Kennzeichnung nötig seien. Für die EU-Kommission sind die neuen Hennen keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO), weil laut Hersteller das artfremde, potenziell tödliche Gen „nur an die männlichen Embryonen weitergegeben wird, nicht an die weiblichen Embryonen, die sich zu diesen Legehennen entwickeln“.

VLOG fordert Kennzeichnung der Eier

Laut VLOG steht dies aber nicht nur im Widerspruch zum Gentechnikrecht, sondern insbesondere auch zu den Verbraucherwünschen. Dies belege eine aktuelle repräsentative Befragung von 2 500 Personen in Deutschland durch das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag des Verbandes. Demnach fordern 85 Prozent der Verbraucher, dass Eier von Hühnern, die von gentechnisch veränderten Zuchthennen abstammen, entsprechend gekennzeichnet sein müssten. Weitere 70 Prozent der Befragten gaben an, solch Eier nicht kaufen zu wollen.


„Die Umfrage zeigt einmal mehr: die Menschen wollen wissen, wie ihre Lebensmittel hergestellt werden“, betonte VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting. Sollte so ein Verfahren eines Tages nach gründlicher Risikoprüfung zugelassen werden, müsste der Gentechnikeinsatz transparent auf den Endprodukten gekennzeichnet werden. „Wenn Legehennen und Eier direkt von einem gentechnisch veränderten Tier abstammen, sind selbstverständlich auch sie Gentechnikprodukte“, so Hissting. Er warf der EU-Kommission vor, die Gesetze für die Zulassung und Kennzeichnung von Gentechnik-Lebensmitteln aufzuweichen.

EU-Regulierung nicht unterlaufen

Die Gentechnik-Referentin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Annemarie Volling, forderte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir auf, sich für eine strikte Regulierung neuer Gentechniken im Sinne des Vorsorgeprinzips einzusetzen. „Wird im Züchtungsprozess Gentechnik eingesetzt, wie hier bei den mit CRISPR veränderten Zuchthennen, dann müssen die Nachkommen auch der Gentechnikregulierung unterzogen werden“, betonte Volling. Das entspreche dem prozessorientierten Ansatz, der in der EU-Gentechnik-Gesetzgebung festgeschrieben sei und nicht von der Kommission unterlaufen werden dürfe. AgE
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