So wie hier in Shanghai steigt in ganz China die Kaufkraft der Konsumenten. Dies führt auch zu einer höheren Nachfrage für Rindfleisch, die durch Importe gedeckt werden muss.
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So wie hier in Shanghai steigt in ganz China die Kaufkraft der Konsumenten. Dies führt auch zu einer höheren Nachfrage für Rindfleisch, die durch Importe gedeckt werden muss.
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Der Appetit auf Steaks & Co. in der Volksrepublik nimmt zu und kann nicht aus eigener Erzeugung gedeckt werden. Parallel sinkt die Produktion in den USA und die EU verliert an Gewicht.

Die Volksrepublik China hat sich in den vergangenen Jahren zum mit Abstand größten Importeur von Rindfleisch weltweit entwickelt; die dort stetig wachsende Nachfrage kann nicht durch das heimische Angebot gedeckt werden. Der hohe Importbedarf der Volksrepublik hat 2021 zusammen mit dem global eher begrenzten Rindfleischangebot zu einem deutlichen Anstieg der Preise in vielen Erdteilen beigetragen; auch die Rinderhalter in der Europäischen Union und in Deutschland konnten sich über Rekordpreise freuen.

Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) geht in seiner jüngsten Prognose davon aus, dass die chinesischen Importe nach einem Zuwachs von sechs Prozent im vergangenen Jahr im nun laufenden Jahr um weitere 300.000 t oder gut zehn Prozent auf die neue Rekordmarke von 3,25 Mio. t steigen werden. Grund ist, dass der für die Volksrepublik für 2022 erwartete Produktionsanstieg mit rund 90.000 t auf 6,92 Mio. t Rindfleisch deutlich hinter dem geschätzten Nachfrageanstieg von 390.000 t auf 10,15 Mio. t bleiben wird.

Eine große Unsicherheit für die Marktentwicklung in China, aber auch weltweit, ist allerdings der weitere Verlauf der Corona-Pandemie. Die bisherige Null-Covid-Strategie der Regierung in Peking führt schon bei geringsten Infektionszahlen zu strengen Lockdown-Maßnahmen und der Abriegelung ganzer Millionenstädte oder wichtiger Häfen, was den Rindfleischverbrauch und -import schmälern kann. Auch spielt bei den Agrareinfuhren die Politik eine immer wichtigere Rolle.

Kritik an China hat beispielsweise zu prohibitiven Einfuhrzöllen für australischen Wein und Gerste geführt; vielen Rindfleischanbietern „Down Under“ wurde wegen angeblicher Hygieneverstöße der Marktzugang versperrt. Auch Chinas wichtigster Rindfleischlieferant Brasilien war 2021 betroffen, als nach zwei Fällen von atypischer Boviner Spongiformer Enzephalopathie (BSE) die Ausfuhr in die Volksrepublik zum Erliegen kam. Daraufhin brachen die brasilianischen Exporte und Preise ein, erst Mitte Dezember kam die Nachricht, dass China seinen Markt wieder öffnen werde.

Größeres Exportangebot Brasiliens

Brasilien dürfte 2022 nach Neuerteilung des Marktzugangs einer der Hauptprofiteure vom voraussichtlich höheren Importbedarf Chinas bei Rindfleisch sein. Nach einem vorrübergehenden Rückgang 2021 der üblicherweise stetig steigenden Rindfleischerzeugung erwartet das USDA für das südamerikanische Land im laufenden Jahr einen deutlichen Produktionsanstieg um 425.000 t oder 4,6 Prozent auf 9,75 Mio. t. Zwar dürfte ein kleinerer Teil davon für den wieder wachsenden Inlandskonsum verwendet werden, doch das Gros kann in andere Länder verkauft werden.

Die US-Experten rechnen für 2022 mit einem Zuwachs der brasilianischen Rindfleischexporte um 360.000 t oder 15,5 Prozent auf 2,68 Mio. t. Dabei dürfte auch helfen, dass die Rinderherde zu Jahresbeginn mit rund 264 Millionen Tieren um gut elf Millionen Stück größer ausgefallen ist als Anfang 2021. Nicht nur China, auf die im vergangenen August noch 58 Prozent der brasilianischen Ausfuhren von Rindfleisch entfielen, sondern auch Russland könnte wieder eine wichtigere Exportdestination werden, denn die dortige Regierung hat für 2022 eine Zollbefreiung für den Import von 200.000 t Rindfleisch angekündigt.

Sinkende Erzeugung in den USA

Ein weiterer Kandidat für einen umfangreichen Export von Rindfleisch in die Volksrepublik sind die Vereinigten Staaten. Bereits im vorigen Jahr „explodierten“ die Lieferungen dorthin aufgrund eines vereinbarten besseren Marktzugang im Rahmen des Wirtschafts- und Handelsabkommens beider Länder. Von Januar bis November 2021 legten die US-Rindfleischausfuhren in die Volksrepublik gegenüber dem allerdings schwachen Vorjahreszeitraum um mehr als das Vierfache auf 172.250 t zu; die Exporteinnahmen summierten sich umgerechnet auf 1,25 Mrd. €.

Zum Problem könnte für die USA allerdings werden, dass die Rinderherden zuletzt abgestockt und viele Kühe geschlachtet wurden. Die heimische Rindfleischerzeugung soll laut USDA-Schätzung gegenüber 2021 um rund 350.000 t oder fast drei Prozent auf 12,38 Mio. t sinken. Auch die Rabobank ging zuletzt von einer um 2,5 Prozent niedrigeren Produktion in den USA aus. Dies dürfte das Exportangebot schmälern; die US-Analysten erwarten für 2022 einen Ausfuhrrückgang um 84.000 t oder gut fünf Prozent auf 1,48 Mio t.

Wieder stärker am Markt vertreten sein dürfte hingegen Australien. Aus der dortigen Aufstockung der Rinderherden soll im aktuellen Jahr eine um elf Prozent auf rund 2,12 Mio. t wachsenden Rindfleischerzeugung resultieren; die Exporte könnten ebenfalls um gut elf Prozent auf 1,47 Mio. t zulegen.

EU verliert an Gewicht

Die Bedeutung der Europäischen Union im Konzert der weltweit führenden Rindfleischproduzenten hat in den vergangenen Jahren nachgelassen; 2022 könnte China die Europäer von Rang drei der global wichtigsten Produzenten verdrängen. Noch sind keine Daten über den Rinderbestand Ende 2021 verfügbar, doch ist davon auszugehen, dass erneut weniger Tiere in der Gemeinschaft gehalten wurden. Sowohl das USDA als auch die Brüsseler Kommission gehen davon aus, dass die EU-Rindfleischerzeugung 2022 um bis zu ein Prozent sinken und bei etwa 6,8 Mio. t liegen wird.

Leichte Einbußen, auch aufgrund der gestiegenen Preise, werden für den Verbrauch erwartet. Diese dürften aber durch den möglichen Wegfall der Corona-Einschränkungen in der Außer-Haus-Verpflegung begrenzt bleiben. Bei nahezu unveränderten Exporten von 690.000 t erwartet das USDA für die EU nach der Delle 2021 wieder mehr Rindfleischimporte; diese sollen um rund fünf Prozent auf 320.000 t zunehmen. Auch in der Herbstprognose der Kommission wird von einem deutlicheren Einfuhranstieg ausgegangen.

Grundsätzlich dürfte der Rindfleischmarkt 2022 laut Analysten nicht nur in der EU, sondern auch weltweit, eher knapp versorgt bleiben, so dass die Preise weiter auf einem überdurchschnittlichen Niveau liegen sollten. Dies sei für die Erzeuger aufgrund der höheren Produktionskosten aber auch nötig. AgE

Der Text erschien zuerst auf fleischwirtschaft.de

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