Dekarbonisierung ist die Herausforderung

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Die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks ist die zentrale Aufgabe für die Zukunft. Dabei spielt die Agrarwirtschaft, die ihren Gesamtumsatz 2021 steigern konnte, eine zentrale Rolle. In der Tierhaltung sollten Bewirtschaftungsverfahren zur Nettotreibhausgasreduktion gefördert werden, so ein Ergebnis der jüngsten Studie von EY.

Für das Agribusiness ist die Dekarbonisierung „die Herausforderung für die Zukunft“. Darauf weist Dr. Christian Janze, Partner bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, anlässlich der Vorstellung des „Konjunkturbarometers Agribusiness in Deutschland 2022“ hin. „Ohne das Agribusiness wird die Dekarbonisierung von Wirtschaft und Gesellschaft nicht gelingen“, mahnt Janze.

EY

Neue Entlohnungssysteme erforderlich

Die Landwirtschaft könne einen großen Beitrag zur Bindung von CO2 leisten. Dieser sei aber je nach landwirtschaftlicher Bewirtschaftung sehr unterschiedlich. Die Umstellung auf ökologische Produktionsverfahren sieht er nicht als zielführend an mit Blick auf die Dekarbonisierung, weil deren CO2-Fußabruck oft größer sei als in der konventionellen Erzeugung. Der Unternehmensberater empfiehlt den Einstieg in neue Entlohnungssysteme, wie zum Beispiel für das „Carbon Farming“. Höhere Lebensmittelpreise zum Ausgleich steigender Kosten hält er aber wegen der Weltmarktabhängigkeit der Branche für kaum durchsetzbar.
„Das deutsche Agribusiness hat gute Chancen, diese Transformation als Innovationsführer maßgeblich zu gestalten.“
Dr. Christian Janze, 

Laut Janze sind gesetzliche Anreize erforderlich. „In der Tierhaltung sollten Instrumente zur Treibhausreduktion gefördert werden. Subventionen sollten auf langfristige Maßnahmen der Dekarbonisierung zielen, rät der Unternehmensberater. Dr. Louisa von Plettenberg von der Georg-August-Universität Göttingen, erklärte ergänzend, dass die Tierhaltung und das Düngemanagement einen erheblichen Einfluss auf die CO2-Emissionen der Landwirtschaft hätten. Außerdem braucht es laut Janze global gültige Vereinbarungen und Richtlinien, um den CO2-Ausstoß weltweit wirksam zu minimieren. Ohne diese Maßnahmen würden die CO2-Emissionen in der Landwirtschaft vor allem außerhalb Europas bis 2050 noch deutlich steigen. „Das deutsche Agribusiness hat gute Chancen, diese Transformation als Innovationsführer maßgeblich zu gestalten.“

Agribusiness mit robustem Ergebnis 2021

Bislang ist das Agribusiness gut durch das Jahr 2021 gekommen – trotz vielfältiger Krisen wie die Corona-Pandemie, dem Klimawandel und die Afrikanische Schweinepest (ASP). Der Gesamtumsatz stieg im vergangenen Jahr um 2,1 % auf 244,8 Mrd. €. Die Ernährungsbranche als größte Teilbranche des Agribusiness musste einen leichten Umsatzrückgang um knapp 1 Prozent auf 183,7 Mrd.€ hinnehmen. Während der Inlandsabsatz um rund 4 % zum Vorjahr zurückgegangen ist, erreichten die Exporte mit einem Plus von 5 % mit 65 Mrd. € einen neuen Höchstwert. In der Studie von EY und dem Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen zählen zur Ernährungsbranche neben der Schlacht- und Fleischverarbeitung, der Molkereiwirtschaft, der Getränkeindustrie auch die Produktion von Futtermitteln. Die einzelnen Zweige entwickelten sich jedoch unterschiedlich.

EY

Fleischwirtschaft muss neue Wege gehen

Der Umsatz der Fleischwirtschaft in Deutschland ist 2021 erneut gesunken: von 44,5 auf 40,3 Mrd. €, das sind 9,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei sanken die Inlandsumsätze um 9,0 Prozent und die Exporte brachen – nach einem Rückgang von 7,5 Prozent im Vorjahr – weiter ein und sanken um 10,8 Prozent. Vor allem der Export von Schweinefleisch ging aufgrund der Ausfuhrverbote wegen der ASP stark zurück. Die Fleischindustrie stehe zudem vor weiteren großen Herausforderungen: „Themen wie Umweltschutz, Tierwohl, Antibiotikaverbrauch und Gesundheit der Konsumenten stehen nicht nur national, sondern auch weltweit stärker im Fokus.“
„Die Fleischindustrie tut gut daran, neue Wege zu gehen und sich etwa dem Thema alternative Proteine zu widmen.“
Dr. Christian Janze, 

„Die Fleischindustrie tut gut daran, neue Wege zu gehen und sich etwa dem Thema alternative Proteine zu widmen, aber auch gemeinsam mit den Landwirten Bewirtschaftungsverfahren zu entwickeln, die eine deutliche Reduktion bei CO2-Emissionen ermöglichen“, rät Janze. Denn der Fleischkonsum Pro-Kopf ist im vergangenen Jahr um 8 % gesunken und auch alternative Fleischprodukte auf pflanzlicher Basis munden den Konsumenten zunehmend. Zudem könnte eine Ausbreitung des Seuchengeschehens die Exporte weiter beeinträchtigen.

Weiterhin gute Aussichten für Molkereiprodukte

Die Molkereiwirtschaft konnte ihren Jahresumsatz 2021 hingegen um 2,9 % auf gut 30 Mrd. € steigern – ein neuer Rekordwert. Dabei erreichen sowohl die Inlandsumsätze mit 20,2 Mrd. € (plus 2 Prozent) als auch die Exporterlöse mit gut 10 Mrd. € (plus 4,7 Prozent) neue Höchststände. Höhere Rohstoff- und Ab-Hof-Milchpreise der Milchwirtschaft und eine niedrigere weltweite Milchproduktion aufgrund schlechter Wetterbedingungen und hoher Futtermittelpreise im vergangenen Jahr beflügelten den Export deutscher Produzenten von Molkereiprodukten. Die Auslandsnachfrage aus Fernost, vor allem aus China, ist laut EY auch in diesem Jahr ungebrochen und beschert der Milchwirtschaft positive Aussichten. Hohe Futtermittelpreise und pflanzliche Milch-Alternativen, die sich großer Beliebtheit erfreuen, bleiben aber Risikofaktoren.

Deutsche Landtechnik weltweit gefragt

Ein noch besseres Jahr erlebte die Landtechnikindustrie: Der Umsatz dieser Teilbranche ist nach Schätzungen des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau 2021 um 13,8 Prozent auf 10,3 Mrd. € gestiegen. Das starke Umsatzplus verdankt die Landtechnikindustrie unter anderem der dynamischen Entwicklung in der Eurozone, aber auch der steigenden Nachfrage auf den Weltmärkten. Agrarbetriebe im In- und Ausland investieren vermehrt in umwelt- und klimaschonende Maschinen.
Über die Studie

Das „Konjunkturbarometer Agribusiness in Deutschland 2022“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY und des Departments für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes, des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer, des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. sowie eigenen Berechnungen. Die Umsatz- und Beschäftigtenzahlen für das Gesamtjahr 2021 wurden auf Basis der vorliegenden Daten zu den ersten drei Quartalen geschätzt. Mit Ausnahme der Ifo-Geschäftsklimawerte beziehen sich alle Daten auf die Grundgesamtheit von Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten.

 

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