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Ferkelerzeuger sind von der Misere am Schweinemarkt besonders hart betroffen.
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Ferkelerzeuger sind von der Misere am Schweinemarkt besonders hart betroffen.
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Ein Ende der Durststrecke am deutschen Schweinemarkt ist nicht absehbar. Agrarpolitikerveranstalteten in den vergangenen Wochen Krisentreffen. Die schwierige Situation der Schweinemäster, Ferkelproduzenten und Sauenhalter hat auch Auswirkungen auf die Mischfutterindustrie.

„Der Mastschweinemarkt innerhalb Europas wird sich unserer Einschätzung nach in den kommenden Monaten auf einem deutlich reduzierten Niveau konsolidieren“, erwartet zwar die Deutsche Tiernahrung Cremer. Doch von der aktuellen Situation zeichnet das Unternehmen ein pessimistisches Bild: Der Wettbewerb im „ohnehin hart umkämpften und margenschwachen Markt für Schweinemastfutter“ werde sich „weiter verschärfen“, teilt das Düsseldorfer Unternehmen auf Anfrage der agrarzeitung (az) mit. Die Kontraktbereitschaft vieler Kunden sei verhalten und Verkäufe erfolgten oft zu Tagespreisen.

Auch Leerstände von Mastställen nehmen zu, stellt die Deutsche Tiernahrung Cremer fest: „Die finanzielle Situation der Schweinehalter:innen ist angespannt und wir beobachten eine deutliche Zunahme an Liquiditätsengpässen bis hin zu vollständigen Zahlungsausfällen.“ Am stärksten betroffen seien die Ferkelproduzenten, da die Mäster ihren Minderertrag umgehend durch Preisabschläge beim Ferkelzukauf auszugleichen versuchten.

Fokus auf regionale Produktion

Die aktuell stattfindende Abstockung des Sauenbestandes wird im kommenden Jahr Auswirkungen auf die gesamte Schweinefutterproduktion in Deutschland haben, erwartet indes Tobias Bolte, Spartenleitung Bröring Pig Partner, bei der Bröring Unternehmensgruppe in Dinklage. Langfristig gehe er davon aus, dass der regionalen Produktion von Ferkeln und Schweinefleisch eine hohe Bedeutung zukommen wird, auch wenn sich der Schweinefutterabsatz in Deutschland verringern werde, analysiert Bolte den Markt. Mit einem geringeren Absatz von Mischfutter im Schweinebereich rechnet auch die Agravis Raiffeisen AG in Münster. „Schon kurzfristig dürften zehn bis 15 Prozent der Mastplätze nicht mehr aufgestallt werden“, erwartet Bernd Schmitz, Bereichsleiter Futtermittel bei der Agravis. Bislang sei die Agravis im Mischfuttersegment für Schweinehalter noch solide unterwegs, so Schmitz. Doch angesichts des „nochmalig gesunkenen Preises für Schweinefleisch“ und der „massiv gestiegenen Futterkosten“ erwarten die Münsteraner, dass die Nachfrage zurückgeht. Um die vorhandenen Produktionskapazitäten im Mischfuttersegment für Schweine abzusichern, wolle die Agravis das „Verbundgeschäft“ mit ihren „genossenschaftlichen Partnern“ weiter ausbauen, führt Schmitz auf az-Anfrage aus.

„Produktionsgemeinschaften mit anderen Herstellern“ bezeichnet auch die Deutsche Tiernahrung Cremer als „gangbaren Weg“, um in der bereits heute durch Überkapazitäten geprägten Mischfutterbranche zu bestehen. Denn auch die Düsseldorfer erwarten, dass die Tierbestände nachhaltig reduziert werden. Ein Teil der Erzeugung werde künftig in zunehmender Weise in heutigen Nischenbereichen wie Regionalmarken oder Bio erfolgen; die produzierte Mischfuttermenge werde aber insgesamt abnehmen und diversifiziert.

In den vergangenen Jahren seien in der Mischfutterindustrie parallel zum steigenden Viehbestand weitere Kapazitäten aufgebaut worden, beobachtet Bröring. Diese Entwicklung, kombiniert mit einem langfristig rückläufigen Absatz für Schweinefutter, werde dazu führen, dass sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft auch in der Mischfutterindustrie fortsetzt. „Berücksichtigt man die Kostenstruktur in der Mischfutterindustrie“, so Spartenleiter Bolte, werde deutlich, dass es eine Konsolidierung in der Branche geben werde. Bröring selbst gehe davon aus, seine Umsätze und Marktanteile weiterhin auszubauen.

Reichlich Futtergetreide

Obwohl Mischer sich auf rückläufige Nachfrage einstellen, ist nach der diesjährigen Ernte das Angebot an Futterweizen in Norddeutschland reichlich. Aufgrund der vielen Regenfälle konnte der Weizen nicht rechtzeitig geerntet werden. Bei vielen Partien haben dadurch die Fallzahlen gelitten, bei gleichzeitig hohen Rohproteinwerten um die 13 Prozent. Bei Fallzahlen unterhalb von 220 Sek. wird keine Brotgetreidequalität erreicht. Damit erhöht sich der Anfall von proteinreichem Futtergetreide. Trotz rückläufiger Nachfrage aus der Schweinehaltung gibt es Käufer in den Veredelungsregionen Südoldenburgs. Allerdings belasten hohe Frachtkosten den Transport von Futtergetreide dorthin.

Bei den Schweinehaltern selbst macht sich derweil Resignation breit, beobachtet deren Interessengemeinschaft ISN. Marktreferent Matthias Quaing beklagt vor allem die fehlenden Perspektiven für die Schweinehalter: „Ein Betrieb, der umbauen will, kann das aufgrund der wirtschaftlichen Situation und des Genehmigungsrechts nicht. Kostensteigerungen werden nicht auf die Preise aufgeschlagen, sondern nach unten durchgetreten.“

Die Höfe müssten an ihre finanziellen Polster gehen, sofern diese vorhanden seien. Aktuell dächten gerade Ferkelerzeuger an den Ausstieg: „Dann verlagert sich die Tierhaltung ins Ausland. Der Teil der deutschen Sauenhaltung, der in den vergangenen fünf Jahren hierzulande abgesprungen ist, wurde entsprechend fast eins zu eins zum Beispiel in Spanien wieder aufgebaut.“

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