Eine hohe Milchleistung lässt sich nur erzielen, wenn das Fütterungsmanagement stimmt.
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Eine hohe Milchleistung lässt sich nur erzielen, wenn das Fütterungsmanagement stimmt.
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Die hohen Futterkosten treiben Landwirte in Europa um. Eine zu starke Senkung des Kraftfutteranteils hat aber auch Nachteile. Vor „Panik-Reaktionen“ warnen Milchexperten. In einer weltweiten Initiative setzen sich Unternehmen langfristig für eine regenerative Landwirtschaft sowie eine nachhaltige und effiziente Tierhaltung ein.

In der konventionellen Milchviehhaltung kommt es auf eine hohe Milchleistung und Langlebigkeit der Tiere an, erklärt Thomas Engelhard, Dezernatsleiter Milchviehhaltung und -zucht der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt, während des jüngsten Corteva Agriscience Mediaclubs zum Thema "Herausforderung Futtermittel für Rinder: Qualitätsfaktoren im Kreislauf vom Anbau bis zum Fütterungsmanagement". Dafür sei die Fütterung zentral. Eine hohe Futteraufnahme, eine gute Qualität und vor allem die Analytik seien die Basis. „Ohne Analytik geht nichts“, ist Engelhard überzeugt.

Neben der Sortenwahl, dem Erntezeitpunkt und der Häckslereinstellung ist auch die Silierung des Mais zur Futterkonservierung entscheidend, ergänzt Jürgen Koch, Sales Development Manager, Corteva Agriscience. „Die Kontrolle der Silage ist wichtig und Laboranalysen sichern die Qualität.“ Etwa 40.000 Analysen führt Corteva pro Jahr rund um den Mais im Rahmen ihres Silage-Expert-Systems durch.

Grenzen durch Beobachten ausloten

„Ein intensives Controlling und ein Beobachten der Tiere ist darüber hinaus wichtig“, betont Engelhard. Mit Blick auf eine gute Futteraufnahme hat sich nach den Erfahrungen des Experten eine Gabe von hochwertigem Grobfutter und Kraftfutter mit einem Anteil von bis zu 40 % bewährt.

Mit Blick auf die derzeit hohen Futterkosten kommt es laut Engelhard darauf an, Kraftfutter effektiv einzusetzen. Es gehe darum, den Restfutteranteil zu reduzieren und ältere Kühe nicht zu überfüttern. Er warnte vor „Panik-Reaktionen“. Wenn die Kraftfutterration zu stark gesenkt werde, würden die Tiere krank und es gehe mehr Milchleistung verloren, als durch Futtermittel eingespart würde. Vielmehr sollte die Herde, deren Gesundheit und Milchleistung genau beobachtet werden, um zu sehen, „was geht und wo die Grenze ist“.

Langjährige Expertise

Auf dem Landwirtschaftlichen Betrieb des Zentrums für Tierhaltung und Technik (ZTT) in Iden werden 400 Milchkühe + weibliche Nachzucht gehalten. Der Referenz- und Ausbildungsbetrieb bewirtschaftet 1.200 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 900 ha Acker, 300 ha Grünland, 150 ha Mais (Silo- und Feuchtkornmais), jeweils 50 ha Luzerne und Ackergras.  Schwerpunkte bei den Fütterungsversuchen sind die Sicherung der Stoffwechselstabilität der Hochleistungskuh im geburtsnahen Zeitraum (Trockensteher, Vorbereitung, Frischmelker), die Versorgung mit Struktur- und leicht verdaulichen Kohlenhydraten, die Verbesserung der Rohprotein-und N-Effizienz von Milchkuhrationen und die Fütterung von einheimischen Eiweißfuttermitteln in GVO-freien Rationen (Rapsextraktionsschrot, auch behandelt, Körnerleguminosen, DDGS).

Darüber hinaus werden auch die Fütterungseigenschaften von Futtermitteln wie Kombinationen von Luzernesilage/-heu, Schlempen, Biertreber und Pressschnitzel oder Körner- und Feuchtkornmais geprüft. Ziel ist, die Gesundheit, Fruchtbarkeit und Leistung der Tiere mit Blick auf eine Wiederkäuergerechte Fütterung, bedarfsgerechte Energieversorgung und möglichst hohe Futteraufnahmen zu erhalten.                                                                                                

Initiative für mehr Nachhaltigkeit und Effizienz

Eine effiziente und nachhaltige Milchproduktion haben aber nicht nur Landwirte im Blick, sondern auch Unternehmen, die auf eine hohe und zuverlässige Milchqualität angewiesen sind. So hat Danone, die von rund 50.000 Betrieben beliefert wird, 019 eine weltweite Initiative „Farming for generations“ ins Leben gerufen. Ziel ist, die Entwicklung hin zu einer regenerativen Landwirtschaft bis 2030 zu beschleunigen und die Leistung eines landwirtschaftlichen Betriebs für Mensch und Tier zu verbessern. Dabei verfolgt Danone mit seinen Partnern einen ganzheitlichen Ansatz und nimmt die Fütterung, die Genetik bis zum Anbau, Sortenwahl und Silagetechnik in den Blick, erklärt Cees Jan Hollander, Global Farming Expertise Manager bei Danone.

In der Allianz wird in Betrieben aller Größenordnungen in den USA, Europa und bislang auch Russland getestet, welche Stellschrauben noch optimiert werden können. In Europa sind laut Hollander vor allem Betriebe in Deutschland, Spanien, Frankreich und den Niederlanden beteiligt. Die Schwerpunkte sind in den einzelnen Regionen unterschiedlich. In Spanien liege der Fokus auf der Silage von Mais, in Frankreich gehe es um mehr Weidegang und Maisanbau, in Deutschland um Herdenmanagement und Milchqualität und in den USA stünde die Genetik im Vordergrund. Der Erfahrungsaustausch zwischen den Betrieben sei dabei zentral, so Hollander, „voneinander lernen ist das Ziel.“ Partnerunternehmen in der Allianz sind Corteva, Yara, DSM, MSD, Connecterra, FutureCow und Neogen.

 

 

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