Der Rückzug aus Russland sei erfolgt, weil Tönnies sich auf andere Wachstumsbereiche konzentrieren will und den Erlös aus dem Verkauf als Investionsmittel sieht, stellt Tönnies-Manager Thomas Dosch klar.
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Der Rückzug aus Russland sei erfolgt, weil Tönnies sich auf andere Wachstumsbereiche konzentrieren will und den Erlös aus dem Verkauf als Investionsmittel sieht, stellt Tönnies-Manager Thomas Dosch klar.
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Den Schlachtkonzern Tönnies treffen die von der EU gegen Russland verhängten Sanktionen nicht direkt. Das Unternehmen mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück hat sein dortiges Geschäft zum Jahresende 2021 verkauft.

„Der Rückzug ist aber nicht erfolgt, weil wir schlechte Erfahrungen in Russland gemacht hätten“, stellte der Leiter des Hauptstadtbüros der Tönnies-Unternehmensgruppe, Thomas Dosch, im Gespräch mit Vertretern der Landesgruppe Berlin-Brandenburg des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ) klar. Vielmehr habe sich die Unternehmensführung um Clemens Tönnies auf andere Wachstumsbereiche konzentrieren wollen und setze den Verkaufserlös aus Russland als Investitionsmittel ein. Dass der Grenzkonflikt mit der Ukraine so dramatisch eskalieren könnte, habe er selbst bis vor wenigen Tagen nicht für möglich gehalten, räumte Dosch ein. Mit Blick auf die zu erwartende Sanktionsspirale habe sich Tönnies „gerade noch rechtzeitig“ aus dem russischen Markt zurückgezogen.

Der Tönnies-Manager gewährte den Journalisten bei dem Fachgespräch einen Einblick in die Expansionsstrategie des deutschen Branchenprimus. In der Regel folge Tönnies auf Auslandsmärkten dem Einzelhandel. „Wenn sich einer unserer Discounter neu in einem Markt außerhalb Deutschlands engagiert, dann hat dieser dort einen Qualitätsanspruch an bestimmte Produkte“, berichtete Dosch. Und Tönnies sei eben in der Lage, diese Qualitäten in ausreichender Menge zu liefern. Dabei greife der Großschlachter in der Regel auf Rohstoffe aus dem jeweiligen Markt zurück, beispielsweise auf Schlachtschweine aus Spanien, um daraus dann Wurst und Fleischerzeugnisse herzustellen. „Wenn man so will, sind wir Teil des Zirkus, wenn Aldi, Lidl und Co. neue Auslandsmärkte erschließen. Dann ziehen wir mit und schlachten und produzieren vor Ort“, so der Tönnies-Manager.

Bekanntlich hat Deutschlands größter Fleischkonzern seine russische Niederlassung APK Don zum Jahreswechsel an den thailändischen Lebensmittelkonzern Charoen Pokphand Foods (CP Foods) verkauft, der durch den Erwerb seine eigene Wettbewerbsstellung am russischen Markt spürbar verbessern konnte. Zuvor hatte Tönnies in Russland über zehn Jahre an einer vertikal integrierten Schweinefleischproduktions-Holding gearbeitet, die zuletzt mehrere zehntausend Hektar Getreide- und Rübenanbau, ein eigenes Futtermittelwerk und rund ein Dutzend Standorte zur Aufzucht und Mast von Schweinen umfasste, strategisch günstig gelegen in den Veredelungshochburgen Belgorod und Woronesh im Südwesten Moskaus. Pläne für einen eigenen Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetrieb hatte die APK Don ebenfalls in der Tasche; diese wurden aber nicht mehr realisiert. AgE

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