Spanischer Schinken soll ein Exportschlager bleiben.
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Spanischer Schinken soll ein Exportschlager bleiben.
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Die Krise am Schweinemarkt wird das Wachstum in Spaniens Schweinehaltung nicht aufhalten, ist die Branchenorganisation Mercolleida überzeugt. Die Exportausrichtung bleibt und die Vertikalisierung im Inland wird sich fortsetzen. In welchem Ausmaß, ist von der Preis-Kosten-Situation abhängig.

In Spanien ist die Produktion von Schweinen und Schweinefleisch in den vergangen zehn Jahren so stark gewachsen wie in keinem anderen Land der Europäischen Union; selbst die Zuwachsraten von Brasilien oder den USA wurden übertroffen. Ein Ende der Expansion scheint - trotz der zuletzt stark gefallenen Schweinepreise - vorerst nicht in Sicht. „Das integrierte System der Viehwirtschaft hat dem Produktionssektor finanzielle, wirtschaftliche und operative ‚Muskeln‘ verliehen, die es ihm ermöglicht haben, solch ein Wachstum in Bezug auf Quantität und Effizienz zu erreichen“, erläuterte der Generaldirektor des Mercolleida, Miquel Àngel Bérges, in einem Interview mit AGRA-EUROPE.

Internationalisierung und Export im Fokus

Laut Bérges haben die Fleischhersteller in den vergangenen Jahren ihre Schlacht- und Gefrierkapazitäten erheblich erweitert und sich der Internationalisierung und dem Export verschrieben. Gleichzeitig seien die Produktionskapazitäten auf Erzeugerstufe ausgebaut worden, wenn auch nicht immer mit der gleichen Geschwindigkeit. „Insgesamt hat die Konzentration und die Vertikalisierung in der Branche zugenommen. Dies haben die Effizienz und Schlagkraft des Sektors erhöht“, berichtet der Experte.

Der Einbruch der Exporte nach China hat die maßgebliche Schlachtschweinenotierung am Mercolleida seit Ende Juni um insgesamt gut 53 Cent/kg Lebendgewicht oder 34 % sinken lassen, während die Produktionskosten der Erzeuger spürbar gestiegen sind. Bérges erwartet dennoch keinen Rückgang der Erzeugung, wie er für Nordeuropa wahrscheinlich ist. „Die Produktion in Spanien wird im nächsten Jahr aufgrund der der bereits genehmigten Betriebspläne weiterwachsen“, prognostiziert der Generaldirektor. Allerdings werde das Ausmaß davon abhängen, wie sich die Preis-Kosten-Situation entwickle.

Vertikalisierung und mehr Effizienz

Grundsätzlich wolle der Sektor diese Krise nutzen, um die Strukturen zu stärken, um das Wachstum zu konsolidieren. Es werde weitere Schritte in Richtung Vertikalisierung und Effizienzsteigerung geben. China könne, so Bérges, 2022 bei rückläufiger Eigenproduktion wieder mehr Schweinefleisch importieren, doch dürfte die Volksrepublik mittelfristig wieder mehr zu einem Markt für Nebenprodukte wie Innereien, Köpfe oder Füße werden. Um die Abhängigkeit von China zu verringern, müssten andere Exportmärkte ausgebaut werden. Spaniens Schweinesektor sei zuversichtlich, dass er in der Lage sein werde, den Produktionsrückgang im Norden der EU zu nutzen, um mehr Schweinefleisch im Export zu verkaufen. AgE

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