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Algen gewinnen zunehmend an Aufmerksamkeit als potenzielle Futtermittelzutaten.
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Algen gewinnen zunehmend an Aufmerksamkeit als potenzielle Futtermittelzutaten.
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Mischfutter könnte als Zutat auch bald Protein aus Algen enthalten. Die weltweit erste skalierbare Produktion von Algen aus Kohlenstoffemissionen soll 2022 in Großbritannien an den Start gehen. Die Unternehmen Livalta und Pond Technology wollen das Projekt gemeinsam angehen.

Eine exklusive globale Partnerschaft haben Livalta, ein Tochterunternehmen des britischen Lebensmittelkonzerns AB Agri, und die kanadische Pond Technology Holdings vereinbart, um Tierfutter auf Algenbasis aus CO2-Emissionen zu züchten. Das Verfahren holt CO2-Emissionen effektiv aus der Luft, die Algen in hochwertiges Protein umwandeln. Für rund 1,6 Mio. Pfund soll eine Pilotanlage am Standort von British Sugar in Wissington, Norfolk, errichtet werden, die 2022 eröffnet werden soll, teilt AB Agri mit. Livalta bringt in die Partnerschaft sein Spezial-Know-How in puncto Proteinerzeugung für Lebens- und Futtermittel ein, und Pond die notwendige Technologie für die Kultivierung von Mikroalgen.

Skalierung ist geplant

Nach der erfolgreichen Installation der Pilotanlage planen Livala und Pond am selben Standort von British Sugar in Wissington eine weitere Anlage in kommerzieller Größe. Sie soll 20.000 t Spirulina aus CO2-Emissionen produzieren.  AB Agri stellt auch neue Kooperationen zur Entwicklung weiterer Produktionsstätten in Aussicht. Das erste Produkt wird nach Unternehmensangaben Spirulina sein, das 60 % Protein mit Omega-6-Fettsäuren und wichtigen Vitaminen sowie Mineralien kombiniert. Bislang war die Technologie zur Herstellung von Algen in dem Umfang, der Qualität und zu den Kosten, die für eine erschwingliche Futtermittelzutat erforderlich sind, noch nicht verfügbar. Das wollen beide Unternehmen nun mit ihrem Vorhaben ändern.
Grüner Superfood für Tier und Mensch
Spirulina wird normalerweise als blau-grüne Alge bezeichnet, gehört aber tatsächlich zur Gattung der Cyanobakterien. Cyanobakterien haben ihren Namen aufgrund des bläulichen Pigments Phycocyanin, das sie dazu nutzen, Licht für die Photosynthese einzufangen. Daher enthält Spirulina auch Chlorophyll. Die Mikroalge wächst sowohl in Süß- als auch in Salzwasser. Der Algenextrakt wird quasi als „grüner Superfood“ in Nahrungsergänzungsmitteln für die Humanernährung gehandelt, ist aber ebenso als Tierfutter geeignet.

Wachstumsmotor der Zukunft

"Wir wollen mit neuen und mutigen Technologien Pionierarbeit leisten, um sichere, hochwertige Nahrungsmittel zu liefern und gleichzeitig unseren ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Aus diesem Grund haben wir Livalta als Spezialabteilung gegründet, um die globale Proteinherausforderung zu bewältigen“, erklärt José Nobre, Geschäftsführer von AB Agri.  Für den Präsident und CEO von Pond Technology, Grant Smith, verschaffte „diese bahnbrechende kommerzielle Partnerschaft mit AB Agri Pond einen globalen Zugang zum milliardenschweren Tierfuttermarkt“. Smith ist davon überzeugt, dass klimafreundlich erzeugte Proteine „in den kommenden Jahren ein wichtiger Wachstumsmotor sein werden“.  
Gebündelte Kräfte

Livalta, ein Unternehmen von AB Agri mit Sitz in Peterborough, entwickelt neue Proteine für Futter- und Lebensmittel unter Einsatz modernster Wissenschaft und Technologie. Das Unternehmen produziert lokale, rückverfolgbare Proteine, zum Beispiel aus Nebenprodukten, Algen oder einzelnen Zellen, und verwandelt sie in Futter- und Lebensmittelzutaten.

AB Agri ist die landwirtschaftliche Abteilung von Associated British Foods. Das Unternehmen produziert und liefert Mischfuttermittel, Futtermittelenzyme, spezielle Futtermittelzutaten und bietet eine Reihe von Services an für Landwirte, Futtermittel- und Lebensmittelhersteller, Verarbeiter und Einzelhändler. Associated British Foods ist ein diversifizierter internationaler Lebensmittel-, Zutaten- und Einzelhandelskonzern mit einem Umsatz von 13,9 Mrd.  Pfund und 133.000 Mitarbeitern in 53 Ländern.

Pond Technology mit Sitz in Markham, Ontario/Kanada, ist führend im Bereich der Kultivierung von Mikroalgen in kontrollierter Umgebung. Das Unternehmen hat eine robuste Technologieplattform entwickelt, die auf künstlicher Intelligenz, proprietären LED-Lampen und patentiertem CO2-Management basiert. Die Verwendung von konzentriertem CO2 aus industriellen Abfallströmen ermöglicht es Pond, die Produktivität von Mikroalgen weit über die Kapazität von Algenzüchtern im Freien hinaus zu steigern und ermöglicht es industriellen Emittenten, CO2 zu vermindern und schließlich zu recyceln.

Pond verkauft derzeit das aus Mikroalgen gewonnene Antioxidans Astaxanthin unter seiner Marke Regenurex. Ferner hat Pond vor kurzem eine Biotech-Abteilung gegründet, die sich auf die Züchtung einzigartiger Stämme von Mikroalgen konzentriert, die als Reproduktionsmedium für die Expression menschlicher Antikörper und Proteine verwendet werden.

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