Die VR-Brille simuliert die visuelle Wahrnehmung der Kuh in ihrer aktuellen Umgebung und ermöglicht so Rückschlüsse auf das Tierverhalten.
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Die VR-Brille simuliert die visuelle Wahrnehmung der Kuh in ihrer aktuellen Umgebung und ermöglicht so Rückschlüsse auf das Tierverhalten.
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Virtual Reality kann das Verhalten von Tieren für Menschen nachvollziehbar machen. Mit Hilfe einer „virtuellen“ Kuhbrille soll mehr Tierwohl im Umgang miteinander erreicht werden. Vion führt die neue VR-Technologie ein.

Der niederländisch-deutsche Fleischkonzern Vion setzt zur Optimierung von Neu- und Umbaumaßnahmen der Schlachthofställe im thüringischen Altenburg auch auf VR-Technologie. Eine virtuelle „Kuhbrille“, die die visuelle Wahrnehmung einer Kuh per VR-Brille erlebbar macht, soll die Nachvollziehbarkeit des Verhaltens der Tiere erhöhen und so für Verbesserungen im Umgang mit den Tieren sorgen. Die von Benito Weise, Mitarbeiter des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums Echem (LBZ), mit einem Spezialisten-Team entwickelte Brille simuliert das Sehfeld eines weiblichen Rinds in seiner aktuellen Umgebung.

Ob Lichtwechsel, Farbunterschiede oder Bodenveränderungen – eine speziell entwickelte Helmkamera projiziert die visuelle Wahrnehmung einer Kuh auf die VR-Brille des Anwenders. Parallel dazu werden die Bilder – wie hier von Peter Menzel, Programmierer der Kuhbrillen-Software vom LBZ Echem – zum Zweck des Echtzeit-Monitorings und späterer Analyse aufgezeichnet.

Simulation der Kuhoptik

Dr. Veronika Weber, Tierärztin und Group Quality Managerin bei Vion, erklärt, dass Kuhaugen eine nahezu 330° Rundumsicht haben, sich jedoch nur die zehn Prozent ihres Sichtfelds scharf abbilden, die frontal vor ihnen liegen. Außerhalb dieses Bereichs betrage die Sehschärfe nur etwa 30 Prozent des menschlichen Auges. Auch die Kontrastwahrnehmung sei extremer, bei Helligkeitswechseln brauchen Kühe daher deutlich länger als Menschen, um sich auf die geänderten Lichtverhältnisse einzustellen. Lasse man diese Besonderheiten in der Kuhoptik in der Planung von Baumaßnahmen einfließen, bringe dies „signifikant mehr Ruhe in die Abläufe“, so Weber.  

Sensibilisierung für mehr Tierwohl

Die Brille soll darüber hinaus auch zur Fortbildung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden und Tierschutzbeauftragten eingesetzt werden, um potenzielle Stress- und Gefahrensituationen zukünftig reduzieren oder ganz vermeiden zu können.


Für Projektleiter Weise lässt sich so auch bei der Planung und Neugestaltung von Schlachthöfen der Aspekt des Tierwohls besser umsetzen. Der „Kuhbrillen-Erfinder“ wurde für seine Entwicklung bereits ausgezeichnet; in 2020 wurde die Kuhbrille vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit dem Digitalisierungspreis Agrar & Ernährung bedacht.

 

Der Text erschien zuerst auf fleischwirtschaft.de

 

 

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