Die Ukraine hat im März etwa 1,1 Mio. t Mais exportiert.
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Die Ukraine hat im März etwa 1,1 Mio. t Mais exportiert.
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Die ukrainische Eisenbahn hat die Prognosen der Analysten hinsichtlich der Kapazität übertroffen. Die Exporte sollen in der laufenden Saison zulegen. Weniger optimistisch ist der des Ukrainischen Agrarrates (VAR).

In der Ukraine liegen derweil die ersten offiziellen Zahlen zu den Exporten im März vor. Demnach hat das Land im vergangenen Monat etwa 1,1 Mio. t Mais und 309.000 t Weizen exportiert, berichtet agrarzeitung.de. Die Ausfuhren von Sonnenblumenöl summierten sich auf 118.000 t. Wie genau diese statistischen Daten die tatsächlichen Exportflüsse oder auch statistische Effekte abbilden, etwa durch später verbuchte Lieferungen aus den Häfen, lässt sich bislang nicht sagen. Gleichwohl spricht dies dafür, dass die Eisenbahn die Erwartungen der Analysten übertroffen hat. Die Menge des ausgeführten Getreides ist zwar im Vergleich zum Februar um 75 Prozent zurückgegangen, liegt jedoch deutlich über der von Analysten veranschlagten Menge von 600.000 t. Das ukrainische Landwirtschaftsministerium wirft Russland vor, zudem bereits mit Weizen beladene Schiffe für Ägypten am Auslaufen zu hindern.

VAR bleibt skeptisch

Der stellvertretende Vorsitzende des Ukrainischen Agrarrates (VAR), Mykhailo Sokolov, ist deutlich skeptischer. Er geht davon aus, dass die prekäre Situation im Exportgeschäft nur durch eine Aufhebung der russischen Seeblockade vor den ukrainischen Häfen erreicht werden kann. Laut dem Verband hat die Ukraine in Friedenszeiten 98 % ihrer Agrarausfuhren über die Schwarzmeerhäfen abgewickelt. Ihm zufolge ist es praktisch unmöglich, vergleichbare Volumina auch nur ansatzweise auf die Schiene oder den LKW zu verlagern. Das wäre beispielsweise eine Voraussetzung für die von Solskyi angestrebte Verschiffung über ausländische Häfen wie dem rumänischen Frachthafen Agigea.

Der VAR weist darauf hin, dass die ukrainische Eisenbahngesellschaft derzeit maximal rund 20.000 t Getreide pro Tag verladen könne. Selbst wenn man diese Leistung verdoppeln würde, was ohnehin völlig unrealistisch sei, läge die Jahreskapazität bei höchstens 15 Mio. t pro Jahr. Der Verband geht unter den aktuellen Bedingungen davon aus, dass höchstens 700.000 t Agrarrohstoffe pro Monat auf die Schiene gebracht werden können. Rechne man die Verschiffung auf der Donau hinzu, ergebe sich eine jährliche Ausfuhrmenge von höchstens gut 20 Mio. t, also nur ein Bruchteil der rund 70 Mio. t Getreide, die 2021 exportiert wurden.

Nach Darstellung des Branchenverbandes kommt damit ein weiteres Problem auf die ukrainischen Landwirte zu. Ihm zufolge dürften zum Start der neuen Ernte noch mindestens 34 Mio. t unvermarktetes Getreide und Ölsaaten auf Lager liegen. Die landesweiten Kapazitäten für eine längere Lagerung liegen derzeit bei rund 50 Mio t. Selbst in Anbetracht einer deutlichen Anbaueinschränkung und niedrigeren Erträgen dürfte der verbliebene Lagerraum daher bei weitem nicht für die Aufnahme der Ernte 2022 ausreichen. Der Agrarrat rät deshalb zum rechtzeitigen Aufbau provisorischer Lagerkapazitäten. Zudem müsse alles daran gesetzt werden, die russische Blockade zu beenden und die Seehäfen wieder in Betrieb zu nehmen. Mit Material von AgE

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