Selbst der erhoffte Ausbau der Schienenexporte auf 1,5 Mio. t pro Monat kann den Wegfall der ukrainischen Seehäfen nicht adäquat ausgleichen.
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Selbst der erhoffte Ausbau der Schienenexporte auf 1,5 Mio. t pro Monat kann den Wegfall der ukrainischen Seehäfen nicht adäquat ausgleichen.
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Die Ukraine setzt alles daran, den Ausfall der durch Russland blockierten Schwarzmeerhäfen auf dem Schienen- und Straßenweg zu kompensieren. Die Agrarexporte des Landes dürften dennoch nur einen Bruchteil früherer Mengen erreichen.

Hinzu kamen in den vergangenen Tagen Probleme an den ukrainischen Grenzübergängen nach Polen und Rumänien, da sich aufgrund des drastisch gestiegenen Frachtaufkommens Staus gebildet hatten. Nach Angaben des staatlichen Bahnbetreibers Ukrzaliznytsia, hatten sich in der Karwoche insgesamt 29.500 Waggons an der ukrainischen Westgrenze angesammelt, was einem Anstieg um fast 30 % seit Monatsanfang entsprach. Da auch auf Seiten der Nachbarländer ein Mangel an Triebwagen und Waggons entstanden sei, komme man um eine kurzfristige Einschränkung der Abfertigung an der Grenze nicht herum, bis sich die Lage entspannt habe, berichtete das Unternehmen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Prognosen der Regierung in Kiew zum Ausbau der Agrarexporte über die Schiene nicht zu optimistisch waren. Allerdings würde selbst der erhoffte Ausbau der logistischen Kapazitäten der Schienenexporte auf 1,5 Mio. t pro Monat nicht ausreichen, um den Wegfall der Seehäfen adäquat zu kompensieren.

So lautet auch die Einschätzung des Direktors des Unternehmens TransInvestService (TIS), Andriy Stavnitser, das zahlreiche Frachtterminals in ukrainischen Schwarzmeerhäfen betreibt. Mit Blick auf die logistischen Engpässe stellte Stavnitser gegenüber Medien fest, dass allein der Transport der aktuell zum Export bestimmten Lagerbestände an Agrarprodukten auf dem Schienenweg 40 Monate dauern würde.

Selbst, wenn „alles wie am Schnürchen klappt“, können nach seiner Einschätzung nicht mehr als 800.000 t an landwirtschaftlichen Gütern über Land in Richtung Westen transportiert werden. Nicht vergessen werden dürfe auch, dass Getreide und Ölsaaten nicht die einzigen ukrainischen Exportprodukte seien, gab Stavnitser zu bedenken. Auch Industrieprodukte wie Erz oder vergütetes Metall suche Frachtraum. An einer Öffnung der Seehäfen führe daher kein Weg vorbei. AgE

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