Sonnenblumenöl darf nur noch mit Lizenz ausgeführt werden.
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Sonnenblumenöl darf nur noch mit Lizenz ausgeführt werden.
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Die Ukraine hat für ihre wichtigsten Agrarprodukte Weizen, Mais und Sonnenblumenöl Exportlizenzen eingeführt. Auch Geflügelerzeugnisse und Eier sind betroffen.

Zuvor hatte die Regierung in Kiew die Ausfuhr von Roggen, Hafer, Hirse, Buchweizen, Salz, Zucker, Fleisch und Vieh sogar ganz ausgesetzt. Damit soll laut der Nachrichtenagentur Reuters Versorgungsengpässen im Land entgegengewirkt werden.

Laut Marktanalysten dürften die Maßnahmen keine Relevanz für den internationalen Markt haben, da die Exportaktivitäten der Ukraine seit dem 24. Februar ohnehin weitgehend eingestellt werden mussten, nachdem die wichtigsten Seehäfen am Schwarzen Meer blockiert wurden. Zwischenzeitlich hat die staatliche Eisenbahngesellschaft ihre Bereitschaft erklärt, die Logistik für Agrarexporte zu übernehmen.

Der polnische Marktexperte Mirosław Marciniak weist aber darauf hin, dass über das ukrainische Schienennetz pro Monat bestenfalls 600.000 t an Agrargütern außer Landes verfrachtet werden können; zuvor habe die Ukraine auf dem Seeweg die zehnfache Menge exportiert. Bedacht werden müsse auch, dass die fortschreitenden Kriegshandlungen in dem Land ebenso wie Treibstoffmangel und Schäden am Schienennetz die Auslagerung und Verschickung von Agrarprodukten stören oder verhindern dürften.

Agrarpreise auf Rekordniveau

Unter dessen steigen die Kurse für Agrarprodukte auf dem Weltmarkt auf Rekordniveau. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) kletterte der von ihr berechnete Preisindex im Februar 2022 gegenüber dem Vormonat um 3,9 Prozent auf 140,7 Punkte. Der Vorjahreswert wurde damit um 24,1 Prozent übertroffen. Zum Anstieg des Indexes trug erneut vor allem die Entwicklung der Pflanzenöle bei. Für Auftrieb hätten unter anderem das kleinere Angebot an Palmöl aus Indonesien, die schlechteren Aussichten für die Sojabohnenernte in Südamerika und die Besorgnis über einen Wegfall der Sonnenblumenölexporte aus der Schwarzmeerregion gesorgt.

Ungarn befürchtet Knappheit

Die Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine schlagen dabei zwar erst zum Teil durch, dennoch machen sich Nachbarländer Gedanken über ihre Versorgungssicherheit. So hat Ungarn seine Getreideexporte eingeschränkt. Bis zum 15. Mai sind alle Ausfuhren von Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Sojabohnen und Sonnenblumenkernen anzeigepflichtig.

Ungarn erntet prompt Kritik von Baywa-Chef Klaus-Josef Lutz. Ungarn falle zurück in Kleinstaaterei. Der Vorstandschef wies darauf hin, dass die Getreidepreise jetzt schon „durch die Decke gehen“ und befürchtet, dass diese Entwicklung durch Handelsbeschränkungen zusätzlich angeheizt werden könnte. Er warnte davor, dass die Orbán-Regierung mit ihrem Eingriff in den freien Handel die sich abzeichnende Verteilungskrise und den Hunger in der Welt verschärfe. AgE

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