In welchem Umfang die Felder in der Ukraine bestellt werden können, ist unklar. Eine Verlagerung hin zu schnellwachsenden Kulturen wird erwartet.
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In welchem Umfang die Felder in der Ukraine bestellt werden können, ist unklar. Eine Verlagerung hin zu schnellwachsenden Kulturen wird erwartet.
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Während der ukrainische Landwirtschaftsminister noch ein relativ positives Bild zur Frühjahrsbestellung gezeichnet hatte, ist der ukrainische Agrarrat weniger optimistisch. Vor allem logistische Probleme machen den Landwirten einen Strich durch die Rechnung. Diesel und Dünger sowie Saatgut sind knapp.

Nach Erhebungen des ukrainischen Agrarrats, dem rund 1.100 Unternehmen mit insgesamt rund 3,5 Mio. ha Anbaufläche angehören, verzögert sich die Aussaat in weiten Teilen des Landes. Hauptproblem für die Feldarbeiten sind nach Angaben des Agrarrates neben den Kriegshandlungen und dem regional spätwinterlichen Wetter ernste Schwierigkeiten in der Logistik, was dringend benötigte Betriebsmittel wie Treibstoff, Dünger, Pflanzenschutz, aber auch Saatgut angeht. Davon betroffen seien auch viele Betriebe im Westen der Ukraine. So berichtet der Betriebsleiter der Firma Helios in der westukrainischen Region Iwano-Frankiwsk, Volodymyr Lazorko, dass Lieferungen bereits bezahlter Chargen von Saatgut und Pflanzenschutz bisher auf sich warten ließen. Der Diesel reiche voraussichtlich nur für den Beginn der Saatarbeiten, auch habe man nur wenig Dünger auf Lager.

Eigenvorräte der Landwirte gering

In der zentralukrainischen Region Poltawa sind die Bauern nach Darstellung des Branchenverbandes entschlossen, die Feldarbeiten trotz des Krieges, der auch ihr Gebiet umfasst, im Rahmen ihrer Möglichkeiten durchzuführen. Allerdings verfüge man hier oft nur über geringe Eigenvorräte an Betriebsmitteln, ohne dass mit Nachschub gerechnet werden könne. Damit sei klar, dass man bei den Erntemengen nicht an frühere Jahre werde anschließen können.

Analysten des Beratungsunternehmens APK-Inform hatten bereits eine deutliche Einschränkung der ukrainischen Aussaatflächen prognostiziert. Nach ihrer Einschätzung dürfte die mit Sommerungen bestellte Fläche in diesem Jahr bei nur 4,7 Mio. ha liegen und damit das Vorjahresniveau um fast 40 % unterschreiten.

Verlagerung der Kulturen erwartet

Wie der stellvertretende Vorsitzende des Agrarrates, Denis Marchuk, feststellte, versuchen die Branchenverbände, bei der Lösung der logistischen Probleme zu helfen. Er geht davon aus, dass es bei der Aussaat auf jeden Fall eine Verlagerung der Kulturen hin zu schnell wachsenden Feldfrüchten wie Buchweizen und Erbsen geben werde. Damit solle nicht zuletzt die Ernährung im weiteren Jahresverlauf gesichert werden.

Marchuk warnte vor einem „Dominoeffekt“, sollte die Frühjahrsbestellung auf breiter Front scheitern. In diesem Fall wachse die Wahrscheinlichkeit einer globalen Nahrungsmittelkrise. Der Europäischen Union müsse klar sein, dass dies wegen der hohen Abhängigkeit nahöstlicher und afrikanischer Länder vom Schwarzmeergetreide eine neue Flüchtlingsbewegung auslösen könne. AgE

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