Euro Finance Week

EU-Kommissarin McGuinness: Privates Geld für Klimaschutz mobilisieren

Blick auf die Skyline von Frankfurt: Banken und privates Geld sollen den Klimaschutz beschleunigen.
Imago / Jan Eifert
Blick auf die Skyline von Frankfurt: Banken und privates Geld sollen den Klimaschutz beschleunigen.
Artikel anhören
:
:
Info
Abonnenten von agrarzeitung Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.

"Es gibt nur eine Reiserichtung", sagt EU-Finanzmarktkommissarin McGuinness zum Klimaschutz. Auf der Euro Finance Week in Frankfurt fordert sie, mehr privates Kapital für die Nachhaltigkeit zu mobilisieren.

Die Europäische Union will erreichen, dass mehr privates Kapital in den Klimaschutz und die nachhaltige Transformation fließt. Das sagte EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness am Dienstag auf der Euro Finance Week der dfv Mediengruppe, zu der auch die Agrarzeitung gehört. „Wir müssen dringend private Investitionen mobilisieren“, so McGuinness. Das Geld müsse dorthin fließen, wo es gebraucht werde, damit die grüne Transformation gelingt. „Wir wollen, dass Europa 2050 ein klimaneutraler Kontinent ist.“

Die Kommissarin betonte, dass die EU an einer Vielzahl von Projekten arbeite, um die Kraft der Finanzmärkte für die Nachhaltigkeit einsetzen zu können. Von zentraler Bedeutung sei, dass Geldgeber die notwendigen Informationen bekämen, um die Nachhaltigkeit von Unternehmen bewerten und grüne Investitionen tätigen zu können.

Regulierung soll mehr Transparenz in die Geschäfte bringen

Erst vor wenigen Tagen hat das EU-Parlament die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verabschiedet, die mehr Unternehmen dazu verpflichtet, Pläne für die grüne Transformation ihrer Geschäfte zu erstellen und darüber zu berichten, ob ihre Vorhaben im Einklang mit den Pariser Klimazielen stehen.
GREEN.WORKS - So geht unternehmerischer Klimaschutz

Klimaschutz und Klimaanpassung werden für Unternehmen erfolgskritisch. Mit unserer Initiative GREEN.WORKS stellen wir Informationen für die erfolgreiche Gestaltung der grünen Transformation bereit. Erfahren Sie hier mehr.


Auch die EU-Taxonomie, die festlegt, welche Geschäfte als nachhaltig gelten, ist ein zentraler Baustein der EU für die Mobilisierung von Kapital. Sie bildet die Basis für weitere Projekte wie zum Beispiel den European Green Bond Standard, die in Arbeit sind. Benötigt werde ein Finanzsystem, so die EU-Kommissarin, das dabei helfe, die Klimaherausforderungen zu bewältigen. Nur dann gelinge es, die Ziele für 2050 zu erreichen.

Nachhaltigkeit als Zukunftschance für Unternehmen

„Wir müssen unsere Transformation beschleunigen, statt sie zurückzustellen“, sagte McGuinness vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine, der Energiekrise und der hohen Inflation. Es brauche mehr Energieeffizienz und einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien. „Es geht darum, zu verändern, wie wir arbeiten und nach welchen Regeln wir spielen.“ Der Einfluss der Klimaveränderung sei offensichtlich mit Dürren, Überschwemmungen und milden Temperaturen auch im November.

„Dieser Weg Richtung Nachhaltigkeit wird nicht smoothe sein“, so die Kommissarin. Sie forderte Unternehmen auf, „unsere Instrumente nicht als eine Belastung zu betrachten, sondern als Chance, nachhaltiger zu werden". Es gebe einen großen Push in Richtung Nachhaltigkeit. Sie sei die Chance für die Zukunft. „Es gibt nur eine Reiserichtung.“

"Europas Zukunft kann nur grün sein"

„Es ist höchste Zeit für ein nachhaltiges Europa“, betonte Bundesbankvorständin Sabine Mauderer. Der Klimawandel beschleunige sich rekordverdächtig. Schon jetzt lägen die Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe. Aus der Klima- und Energiekrise führten nur mehr Energieeffizienz und grüne Energien. „Europas Zukunft kann nur Grün sein.“

Mauderer bedauerte, dass die Kapitalgeber bei Investitionen in nachhaltige Geschäfte zuletzt zurückhaltender geworden seien. Dabei würden laut EU-Kommission zusätzliche Investitionen von 520 Milliarden Euro pro Jahr benötigt. Sie verwies auch auf Zahlen der Internationalen Energieagentur, die erwartet, dass global bis zum Ende des Jahrzehnts zwei Milliarden Dollar pro Jahr in Erneuerbare fließen werden. Um das Pariser Klimaziel einer auf 1,5 Grad begrenzten Erwärmung zu erreichen, müsse diese Summe verdoppelt werden. „Wir sprechen über vier Billionen, nicht zwei Billionen.“

Mauderer: Klimarisiken können zu Finanzrisiken werden

Auch Mauderer erklärte: „Es wird besonders wichtig sein, privates Kapital zu mobilisieren. Der öffentliche Sektor wird das nicht alleine stemmen können.“ Auch die Banken seien alleine dazu nicht in der Lage. Entscheidend sei, dass der Kapitalmarkt aktiviert werde. Dabei könnten auch Modelle helfen, bei denen die öffentliche Hand, zum Beispiel die Europäische Investitionsbank, einen Teil der Investitionsrisiken trage. Mauderer betonte, dass Klimarisiken auch zu Risiken für den Finanzsektor werden könnten durch steigende Inflation oder wertlos gewordenen Investitionen.

Newsletter-Service agrarzeitung

Mit unseren kostenlosen Newslettern versorgen wir Sie auf Wunsch mit den wichtigsten Branchenmeldungen

 

    stats