Vor Weltklimagipfel

Deutscher Klimarat empfiehlt harte Emissionsobergrenze

Eine Pyramide aus Plastikmüll: Protest vor der Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh.
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Eine Pyramide aus Plastikmüll: Protest vor der Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh.
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Gut getimt: Der Expertenrat für Klimafragen hat am Freitag sein erstes umfassendes Gutachten zur deutschen Klimapolitik veröffentlicht, zwei Tage vor Beginn des Weltklimagipfels in Ägypten. Vor einem Jahr in Glasgow hatten die Staaten das Ziel bestätigt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Ab Sonntag steht in Sharm el-Sheikh nun die Umsetzung dieses Ziels im Zentrum.

Fruchtbare Verhandlungen über die künftige Klimapolitik setzen Klarheit über die Faktenlage voraus. Wie haben sich die Treibhausgas-Emissionen entwickelt? Was sind die Trends und reichen die beschlossenen Maßnahmen aus? Für Deutschland beschäftigt sich der Expertenrat für Klimafragen in seinem über 270 Seiten langen Gutachten mit genau diesen Fragen.

Grundtenor: Es passiert etwas, aber es ist viel zu wenig

Das Gremium wurde 2020 mit dem Klimaschutzgesetz ins Leben gerufen. Es besteht aus fünf Sachverständigen für je einen der folgenden Bereiche: Klima-, Wirtschafts- und Umweltwissenschaft sowie soziale Fragen. Alle zwei Jahre analysiert der Rat die Emissionsdaten und Klimaschutzmaßnahmen Deutschlands. Die Ergebnisse legt er der Bundesregierung und dem Bundestag vor.

Der Grundtenor: Es passiert etwas, aber es ist viel zu wenig. Zwischen 2000 und 2021 sanken die Emissionen um 27 Prozent. Das lag an Effizienzsteigerungen. Außerdem verbesserte sich die Energie- und Emissionsintensität. Es wurde also weniger Energie für dieselbe Wirtschaftsleistung verbraucht und weniger Treibhausgas für dieselbe Menge Energie ausgestoßen. Emissionssteigernd wirkte die Wirtschaftsentwicklung.

"Die bisherigen Emissions-Reduktionsraten reichen bei Weitem nicht aus, um die Klimaschutzziele für 2030 zu erreichen – weder in der Summe noch in den einzelnen Sektoren", stellte der Ökonom Thomas Heimer, eines der fünf Mitglieder des Klimarats, fest.

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Das gilt für jeden einzelnen Sektor. Bis 2030 sollen die Emissionen um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken. So sieht es das novellierte Bundes-Klimaschutzgesetz vor. Die jährlichen Minderungsraten müssten sich dafür in den kommenden Jahren mehr als verdoppeln.

Die Fortschritte unterscheiden sich deutlich von Sektor zu Sektor. Am dichtesten sind der Energie- und der Gebäudebereich ihren Sektorzielen auf den Fersen. Mit minus 36 Prozent macht der Energiesektor fast die Hälfe der gesamten Emissionsminderung aus. Im Gebäudesektor schrumpften die Emissionen um 35 Prozent.

Problemsektoren Industrie und Verkehr

Die Sorgenkinder der deutschen Klimaanstrengungen sind, mit einer Minderung um 13 und 18 Prozent, Industrie und Verkehr. "Im Industriesektor wäre etwa eine zehnfache und beim Verkehr sogar eine 14-fache Erhöhung der durchschnittlichen Minderungsmenge pro Jahr notwendig", sagte Heimer. Immerhin spreche der Koalitionsvertrag an, so der Klimarat, dass eine deutliche Beschleunigung der Klimaanstrengungen nötig sei.

Aber das Ausbautempo der emissionsarmen Alternativen bleibt weit hinter den Zielen zurück. Das gilt sowohl bei erneuerbaren Energien als auch bei Elektromobilität und Wärmepumpen. Noch schlechter sieht es beim Rückbau fossil betriebener Systeme aus. Die grünen Alternativen müssen schließlich ihre fossilen Vorgänger ersetzen und dürfen nicht obendrauf kommen.

Klimarat: Es fehlen Maßnahmen zur Vermeidung von Rebound-Effekten

Im Allgemeinen, urteilt der Expertenrat für Klimafragen, würden viele Maßnahmen ihre erhoffte Wirkung nicht erzielen. Sollte der Umbau von fossil zu erneuerbar nicht schnell genug gehen, "wird ein Erreichen der Klimaziele nur möglich sein, wenn weitere Hebel, wie die Aktivitätsentwicklung in Verbindung mit einer entsprechenden Änderung des Konsumverhaltens, ebenfalls stärker adressiert werden", so die stellvertretende Vorsitzende Brigitte Knopf.

Beinahe alle verabschiedeten Maßnahmen wirken laut Klimarat indirekt, etwa über Preissteuerung, auf die Treibhausgasemissionen ein. Es fehlten Maßnahmen, die unmittelbar auf weniger Produktion oder die Vermeidung von Rebound-Effekten abzielen. "Effizienzgewinne wurden also beispielsweise durch das allgemeine Wirtschaftswachstum, größere Wohnflächen oder gestiegene Transportleistungen konterkariert", erläuterte der Ratsvorsitzende Hans-Martin Henning.

Der Klimarat bezweifelt, ob die Klimaziele ohne einen Paradigmenwechsel in der deutschen Klimapolitik erreicht werden. Eine Möglichkeit dazu wäre die harte Begrenzung zulässiger Emissionsmengen, so der Rat. Die Politik würde damit weg von der bisherigen Emissionsminderungsstrategie kommen. Also weg davon, über Anreize, Preismechanismen und Förderungen die Emissionen zu kontrollieren.

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