Nur 23 Prozent der Haushalte in ländlichen Räumen kommen mit bis zu 50 Mbit/s ins Netz. In der Stadt sind es 84 Prozent. Das ist laut des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) ein großes Problem. „Auf dem Land offline sein, mag für Städter nach wohltuender Erholung klingen, für die Menschen, die Unternehmen und unsere Perspektiven auf dem Land ist das schlichtweg eine Katastrophe“, urteilt Sebastian Schaller, Vorsitzende des Bundes des BDL.

Die Digitale Agenda der Bundesregierung und auch die diversen Förderversprechen haben die ländlichen Räume nur mäßig vorangebracht, bilanziert die Jugendvereinigung. Schnelles, bezahlbares Internet für alle sei Daseinsvorsorge wie die Versorgung der Haushalte mit Wasser, Gas und Strom.

„Da werden digitale Lösungen aus dem Boden gestampft, mit denen sich Nachteile und Probleme der ländlichen Räume ausgleichen lassen. Dabei reicht die Netz-Infrastruktur nicht mal aus, um sich ein Erste-Hilfe-Video auf Youtube anzuschauen. Das geht nicht“, so Schaller. Der ländliche Raum werde gleich doppelt bestraft. Zum einen sei diese Infrastruktur für den Verbleib und die Ansiedlung von Unternehmen wichtig. Zum anderen eröffne der schnelle Datenzugriff auch berufliche Perspektiven für junge Menschen.

Der Jugendverband fordert, die Netze zukunftsfähig auszubauen. Dazu gehöre nicht nur die Verdichtung der Kabelverteilerstationen und die Frage, welches Material für die jeweiligen Verbindungen sinnvoll ist, sondern auch eine kluge Kombination von leitungsgebundenem und mobilem Netzausbau. "Wir sollten angesichts der Zukunftsperspektiven heute allein für die privaten Konsumenten schon von notwendigen 300 Mbit/s ausgehen“, empfiehlt Schaller. (az)
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